Dienstag, 19.01.2021
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Zwischen anhaltender Durststrecke und Normalität: Wie es für die Ringer im Nachhol-Olympiajahr 2021 weitergeht

Ringen
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Ringen-WM
Die Waldaschafferin Anna Schell hat das Olympia-Ticket bereits in der Tasche.
Foto: Anvar Ilyasov (AP)
2020 hät­te fürs Rin­gen ein gro­ßes Jahr wer­den sol­len - sch­ließ­lich ist es für die oft un­ter dem Ra­dar flie­gen­den Mat­ten­kämp­fer be­son­ders wich­tig, ih­ren Sport al­le vier Jah­re ins Schau­fens­ter der Olym­pi­schen Spie­le zu stel­len. Stattdessen kam es ohne eigenes Verschulden zum Trauerspiel auf allen Ebenen, zum Totalausfall von Turnieren und Ligabetrieb. 2021 soll die Rückkehr zur Normalität gelingen, doch an der Basis geht die Durststrecke erstmal weiter.

Denn die Ringer sind ohne jegliche Gewissheit und damit Planbarkeit ins Jahr gestartet, wissen derzeit nicht mal, wann sie wie wieder trainieren dürfen. Ein hartes Los besonders für die Kinder und Jugendlichen, die seit mittlerweile zehn Monaten weder Turnier noch Jugendliga-Kampf bestreiten dürfen. Traurig, aber wohl wahr: Auf absehbare Zeit wird sich das nicht ändern. »Bezirks- und Hessenmeisterschaften sehe ich in Halbjahr eins nicht«, spricht Karl Rothmer, Präsident des Hessischen Ringer-Verbands (HRV), das aus, was eigentlich keiner hören will.

Normalerweise messen sich die Athleten im HRV-Gebiet schon im Januar auf Bezirks- und im Februar auf Landesebene. Bis in den Sommer hinein hält Rothmer die Austragung von Turnieren mit einer dreistelligen Teilnehmerzahl aber für unrealistisch.

Allenfalls deutsche Meisterschaften, die in der Verantwortung des Deutschen Ringer-Bunds (DRB) liegen, könnten schon im Frühjahr über die Bühne gehen. Wobei der DRB die für März und April terminierten nationalen Titelkämpfe von A- und B-Jugend sowie weiblicher Jugend bereits verschoben hat.

Erste DM Anfang Mai?

Die früheste DM, die (noch) wie geplant im Kalender steht, ist jene der Junioren und Juniorinnen am ersten Mai-Wochenende. Das Freistil-Turnier soll dabei auf HRV-Gebiet stattfinden, Odenwald-Club KSV Rimbach hatte sich schon 2020 die Ausrichtung gesichert und hofft, die zweitägige Veranstaltung diesmal tatsächlich durchführen zu können.

Weil vorher keine Hessenmeisterschaften stattfinden und den Landestrainern damit eine Sichtungsmöglichkeit fehlt, sollen die DM-Nominierungen in engen Fällen über interne Kaderturniere entschieden werden.

Weniger sorgen muss man sich um die wichtigsten Turniere auf internationaler Ebene. Die EM in Polen (19. bis 25. April) soll stattfinden, für die Olympischen Spiele qualifizieren kann man sich über die EM aber nicht. Alle, die noch auf das Ticket für Tokio hoffen, messen den beiden Olympia-Qualifikationsturnieren die höchste Priorität bei. Das europäische Qualifikationsturnier steigt vom 18. bis 21. März in Budapest, das »Last-Chance-Turnier« mit Teilnehmern aller Kontinente vom 6. bis 9. Mai.

Zweites heißes Eisen

Aus dem HRV-Gebiet ist mit der Waldaschafferin Anna Schell (WM-Dritte 2020) eine Athletin schon sicher qualifiziert. Der Fahrenbacher Pascal Eisele, in der Bundesliga für den SC Kleinostheim aktiv, gilt als zweites heißes Eisen im Feuer und ist gut in Form.

Dennoch muss der 28-Jährige bangen, ob im 77-Kilo-Greco-Limit der derzeit ebenfalls bärenstarke Roland Schwarz den Vorzug fürs erste Qualifikationsturnier erhält. Ist dem so, dürfte Eisele nur dann auf Sofia hoffen, wenn sich Schwarz in Budapest nicht qualifiziert. Bei Olympia (wie auch bei WM und EM) darf in jeder Gewichtsklasse nur ein Ringer pro Nation antreten.

Was aber passiert ab September, wenn der Olympia-Glanz langsam verblasst und in Deutschland die Zeit fürs Mannschaftsringen gekommen ist? Alle hoffen, dass in acht Monaten wieder unter weitgehend normalen Umständen gekämpft werden kann, zumal die Regierung bis dato jedem Bundesbürger ein Impfangebot gemacht haben will.

Mehr Bundesliga-Absteiger

In der Bundesliga müssen die Vereine auch diesmal schon bis zum 15. Januar verbindlich für die Saison 2021 melden. In der geht es nicht nur um Playoffs und Titel, sondern verstärkt auch um den Klassenerhalt. Denn das Oberhaus wird 2022 deutlich verkleinert, weil der DRB dann zwischen 1. Bundesliga und höchsten Landesklassen (wie der Oberliga Hessen) die 2. Bundesliga wieder einführt.

Der SC Kleinostheim und der KSC Hösbach werden nach der abgebrochenen »Notrunde« 2020 erneut für Liga eins melden. Kleinostheim könnte schon in der anstehenden Saison zum Titelkandidaten werden, verfeinert seinen starken Kader gerade weiter. Hösbach will die Klasse auf jeden Fall halten und auch in einer auf 2022 von drei auf zwei Gruppen verkleinerten 1. Bundesliga dabei sein.

In den HRV-Landesklassen - Oberliga, Hessenliga, Landesliga und Verbandsliga - wird der Verband den üblichen Meldeschluss (28. Februar) um einige Wochen nach hinten legen. Für die komplett ausgefallene Saison 2020 hatten die Vereine 32 Teams gemeldet. HRV-Präsident Rothmer hat nach der Zwangspause seine Zweifel, ob diese Zahl auch 2021 erreicht wird.

Bisher kein Verzicht

Gerade in den unteren Klassen, in Landes- und Hessenliga, befürchtet er einen Aderlass. Noch hat aber kein Verein dem Landesverband seinen definitiven Verzicht auf die Teilnahme an der neuen Saison oder den Wunsch nach Abstufung in eine niedrigere Klasse kundgetan. Generell soll die Ligeneinteilung aus dem Jahr 2020 übernommen werden.

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