WM-Kopfstoß von Thorsten Schmitt: Sollen doch die Schweden

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Thorsten Schmitt
Foto: Victoria Schilde
Sportredakteur Thorsten Schmitt macht sich Gedanken über Russland und Schweden. Genauer: Über deren Hymnen. Und um die Frage, wer denn jetzt eigentlich Weltmeister werden soll?

So­jus ne­ru­schi­my re­s­pu­b­lik swo­bod­nych, sp­lo­ti­la na­we­ki We­li­ka­ja Rus ? Die Worte kümmerten mich nicht, auch wenn sie an sich schon groß klangen. Aber diese Melodie! War in meinem zwölfjährigen Gehör eine Wucht. Dazu die irritierende Faszination, dass die Kommentatoren manchmal von einer UdSSR sprachen, obwohl doch auf den Trikots eindeutig CCCP stand. Das Böse kann so verlockend sein! Aber was wusste ich schon?

Der Opa mahnt

Ich erinnere mich an diesen Moment beim Finale der Europameisterschaft 1988 in Deutschland. Als ich nach einer vergebenen Chance der Sowjets - war es Belanow oder Alejnikow? - meinen Missmut äußerte. Im Wohnzimmer meines Opas. »Für den Russen darf man nicht halten«, rief er mich sofort zur Vernunft. Weltkriegserfahrung schlug sportliche Rivalität. Dass der andere Endspielteilnehmer Niederlande im Halbfinale uns Westdeutsche rausgeworfen hatte, ließ der Großvater nicht gelten.

Die Zeiten ändern sich

Die Zeiten ändern sich. Und ändern sich zurück. Nach einem Intermezzo singen die Russen heutzutage wieder zur altbekannten Melodie, nur mit neuem Text:

Rossija, swjaschtschennaja nascha derschawa, Rossija, ljubimaja nascha strana ?

Doch darf man in Zeiten von Putin und politischer Überkorrektheit mit dem WM-Gastgeber fiebern? Sportlich und hymnentechnisch spricht eigentlich nichts dagegen. Und wer soll es denn sonst machen?

Uruguayer und Brasilianer mögen mannschaftlich ganz in Ordnung sein, scheiden für mich aber wegen zweier Einzelkönner aus: Luis Suarez und Neymar, ihres Zeichens die Großmeister theatralischer Leidensbekundung. Ach, wie sie rollen und rollen!

Doch was sollen überhaupt derlei Überlegungen? Ist doch klar, wer Weltmeister werden soll. Der England-Freund in mir liegt längst geknebelt im hintersten Eck meines Hirns. Im Viertelfinale muss Endstation sein.

Du gamla, Du fria...

Die Schweden sollen siegen! Weil wir dann im Rückblick der einzige Weltmeister-Bezwinger sein werden! Also auf:

Du gamla, Du fria, Du fjällhöga nord, Du tysta, Du glädjerika sköna ?

Nun gut, es gibt bessere Hymnen. Aber das wäre doch ein Hit: Wenn der nach eigener Einschätzung beste Fußballer aller Zeiten nur Zuschauer wäre, wenn seine Landsleute ohne ihn die WM-Trophäe holen.

Darum widme ich diese Zeilen Zlatan Ibrahimovic.

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