»Vielleicht mal mit Anstand« - Klaus Gast über schimpfende Fußball-Fans

Endspurt - Die Sportkolumne zum Wochenende

Kolumne
2 Min.

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Gelb
Verwarnung: Schiedsrichter Stegemann zeigt Leipzigs Trainer Domenico Tedesco Gelb.
Foto: Tom Weller/dpa
»Schieds­rich­ter: Te­le­fon«, ruft in Han­dy-Zei­ten schon lan­ge nie­mand mehr. »Schi­ri, wir wis­sen wo dein Au­to steht - fahr' Bus und Bahn«, hat­te zu­min­dest ein we­nig Witz. Heu­te geht es gleich in die Vol­len, wenn der Un­par­tei­i­sche mal wie­der nicht so pfeift, wie es die Tri­bü­ne für rich­tig hält. Eine Beobachtung von Main-Echo-Reporter Klaus Gast.

Ein Beispiel vom ersten Heimspiel der Viktoria: Schon nach wenigen kritischen Entscheidungen hält ein Zuschauer es für angebracht, den Schiedsrichter mit dem »Z-Wort« zu belegen, kurz darauf noch gesteigert: »Du dreckiger Z...«. Zustimmung und Kopfnicken rundum. Schließlich erfolgt die fachkundige Analyse: »Der hat daheim nichts zu sagen, deshalb spielt der sich hier so auf.« Nun wäre es zwar interessant zu wissen, welchen Stand der Hobby-Psychologe selbst zu Hause hat, wenn er sich im Stadion so aufführt, aber diese Interpretation kann jeder für sich anstellen. Nur am Rande: Ein wenig Regelkunde wäre auch nicht schlecht, wenn man ein Spiel von außen mitkommentiert. Nicht immer, wenn ein Spieler der Heimmannschaft umfällt, ist das gleich ein platzverweiswürdiges Foul des Gegners. Aber das wusste schon Erwin Pelzig alias Frank-Markus Barwasser: »Eine feste Meinung zu haben ist im ahnungslosen Zustand viel leichter.«

Fußball ist Emotion, lebt von der Emotion - auf und außerhalb des Platzes. Und Schiedsrichter müssen Kritik aushalten, selbst wenn im Überschwang mal ein unbedachteres Wort fällt. Das können die auch gut. Aber was auffällt, ist die Ausdrucksweise: Immer härter, immer beleidigender, immer ausfälliger. Man muss nicht unbedingt direkte Linien ziehen von verbalen Ausfällen zu tätlichen Angriffen auf die Unparteiischen, aber die Verrohung der Sprache ist durchaus Anlass zur Sorge.

Am Wochenende starten Bezirks- und Kreisliga, in zwei Wochen herrscht wieder Vollbetrieb auf den Plätzen der Region. Da werden jede Menge Männer und Frauen gesucht, die ihre Freizeit dazu nutzen, am Wochenende quer durch den Spessart zu fahren um irgendwo ein Fußballspiel zu leiten - und sich für einen Mini-Spesensatz beschimpfen lassen. Das kann nicht mehr ewig so weitergehen.

Was tun? Da braucht es nicht die seltsam aufgesetzt wirkenden »Respect«-Aktionen der internationalen Fußballverbände, bei denen es letztlich eher darum geht, Kniefälle vor irgendwelchen dubiosen Geldgebern des Profispektakels zu machen. Auf den Sportplätzen in der Region würde es schon reichen, das kleine Wort »Anstand« wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Ein Miteinander statt Gegeneinander, eine Atmosphäre, die gleichermaßen erlaubt, dass der eigene Mittelstürmer vor dem Tor über den Ball tritt, der Keeper eine Flanke durch die Finger rutschen lässt und der Schiedsrichter ein Foul im Strafraum nicht automatisch mit einem Elfmeter ahndet. Das alles lässt sich durchaus erregt und kontrovers diskutieren, ohne dass es zu sprachlichen Aussetzern kommt. Ganz so, wie es ein gewitzter Kreisliga-Schiedsrichter mal gesagt hat: »Wenn ich angeschrien werden will, rufe ich meine Ex-Frau an.« Womit dann auch die Zustände zu Hause geklärt wären.

»Endspurt« ist die Samstagkolumne der Main-Echo-Sportredaktion. Wir schreiben hier über Großes und Kleines aus der Welt der Bewegung.

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