WM-Echo: Thomas Müller, bitte mach weiter!

Ein Kommentar von Thorsten Jung

WM 2022 - Kommentar
2 Min.

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Deutschlands Thomas Müller (l) und Ilkay Gündogan (r).
Foto: Tom Weller/dpa
Das ist ei­ne Lie­be­s­er­klär­ung an Tho­mas Mül­ler. Vi­el­leicht war es ge­gen Cos­ta Ri­ca dein letz­tes Län­der­spiel. Ich hof­fe es nicht. Über­leg es dir bit­te noch ein­mal gut, lie­ber Tho­mas!

In den vergangenen Jahren warst du in der Nationalmannschaft nicht immer gesetzt. Ganz ehrlich: Oft habe ich mir Spiele nicht angesehen, wenn du nicht dabei gewesen bist. Mir hat dann etwas gefehlt. Du bist der Mann für das Besondere. Auch, und das weißt du wahrscheinlich, weil du einer der selbstkritischsten und ehrlichsten Profifußballer bist, wenn das in den vergangenen Jahren nur noch selten der Fall gewesen ist. Aber ich habe immer darauf gehofft, dass du den Ball über die Linie stolperst oder ihn im Fallen einem Mitspieler vor die Füße kickst. Wer kann das denn sonst, wenn nicht du?

»Ich habe in jedem Spiel versucht, mein Herz auf dem Platz zu lassen. Allen Einsatz geliefert«, hast du nach dem WM-Aus im ARD-Interview gesagt. Das habe ich dir immer angesehen und mich darüber gefreut. Vielen deiner Kollegen merkt man das nicht an.

Solltest du nun tatsächlich deine Karriere in der Nationalmannschaft beenden, bleiben dir und mir zwei glänzende Weltmeisterschaften. 2010 in Südkorea ging dein WM-Stern auf. Du warst maßgeblich daran beteiligt, dass wir England und Argentinien entzaubert und den dritten Platz belegte haben. Mit fünf Treffern wurdest du WM-Torschützenkönig.

Vier Jahre später in Brasilien hast du wieder fünf Buden gemacht, unvergessen dein 1:0 im Halbfinale gegen Brasilien, das den Weg zum grandiosen 7:1-Triumph ebnete. Unvergessen bleibt dein Stolperer im Achtelfinale bei einer missglückten Freistoßvariante gegen Algerien. Genau an solche Aktionen hast du am Donnerstag nach dem Spiel gedacht, als du sagtest: »Manchmal gab es einen neuen Trend durch meine Aktionen, manchmal hatten auch die Zuschauer Schmerzen im Gesicht, weil Aktionen nicht gelungen sind.«

Natürlich haben wir auch 2018 in Russland und nun in Katar gemeinsam gelitten. Du hast enttäuscht, kamst zu keinem eigenen Tor mehr. Das tut weh - mir und sicherlich dir auch. Deine Interviews werden fehlen, denn du hast immer schonungslos offen die Leistung der deutschen Mannschaft analysiert, ohne persönlich zu werden, hast immer den richtigen Ton getroffen.

Louis van Gaal hat, als er Bayern-Trainer war, gesagt: »Thomas Müller spielt immer!« Niko Kovac sagte ein paar Jahre später, Müller sei nur ein »Notnagel«. Es war deine schwierigste Zeiten. Auch Jogi Löw nominierte dich lange Zeit nicht mehr für die Nationalmannschaft. Für mich schon damals ein Skandal - ich bin auf van Gaals Seite.

Thomas Müller, du gehörst in die Nationalmannschaft! Du willst nun erst mal mit deiner Frau sprechen. Hoffentlich findet sie die richtigen Worte, um dich wieder aufzubauen. Meine Hoffnung: Du läufst im Sommer 2024 bei der Heim-Europameisterschaft auf. Dann schießt du in deiner Münchner Arena mindestens ein Tor und beendest deine DFB-Karriere so, wie sie 2010 in Südafrika begonnen hat.

Deine Worte von Donnerstagabend »Ich habe es mit Liebe getan. Da könnt ihr euch sicher sein«, haben mich zu Tränen gerührt. Aber noch darf es nicht vorbei sein.

Ihr direkter Mail-Weg zu uns: fussball-wm@main-echo.de

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