»Grenzbereiche austesten« - Martin Schwarzkopf über gesunden und ungesunden Sport

Endspurt - Die Sportkolumne zum Wochenende

Kolumne
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Alle gegen einen
In der Begegnung der amerikanischen Footballliga NFL zwischen den Detroit Lions und den San Francisco 49ers wird San Franciscos Elijah Mitchell von Detroits Defensive in die Zange genommen.
Foto: Lon Horwedel/FR170538 AP/dpa
Ge­sund soll sie sein, die sport­li­che Be­tä­ti­gung. Das gilt je­den­falls für uns Nor­ma­los. Sich re­gel­mä­ß­ig ins Schwit­zen zu brin­gen, trägt zur Fit­ness von Kör­per und Geist bei. »Be­we­gen Sie sich mehr!« - Die­ser Satz dürf­te zu den häu­figs­ten Rat­schlä­gen in deut­schen Arzt­pra­xen ge­hö­ren. Nicht zutreffend ist allerdings, dass jede Art von sportlicher Betätigung der eigenen Gesundheit uneingeschränkt zuträglich ist.

Wer's übertreibt, tut sich und seinen Knochen nichts Gutes. Wer zum Beispiel wie ich Marathon läuft, trifft schon auf Mediziner, die auf die erheblichen orthopädischen Risiken bei solchen hohen Belastungen verweisen.

Gerne sagen dann diese Experten, dass das Training für den Marathon - also das regelmäßige Laufprogramm bis hin zu dreistündigen Vorbereitungsrunden - durchaus gesundheitsfördernd sein könne. Der Marathon selbst aber mit seinen 42,195 Kilometern eben nicht.

Hochleistung als Risiko

Ohnehin ganz eigene Spielregeln gelten für jede Art von Leistungssport. Wer ehemalige Top-Athleten aus olympischen Sportarten Jahrzehnte nach ihrer Karriere trifft, erkennt schnell am Gang die körperlichen Gebrechen, die als Spätfolgen der extremen Belastungen in jungen Jahren auftreten.

Natürlich werden die Spitzensportler heute medizinisch durchweg exzellent betreut. Wer in der absoluten nationalen oder internationalen Spitze mitmischen will, bewegt sich mit seiner körperlichen Belastung aber immer auch in Grenzbereichen - das ist wohl unausweichlich, diese Entscheidung muss jeder Hochleistungssportler für sich selbst ganz bewusst treffen.

Härte als Markenzeichen

Dann gibt es auch noch Sportarten, bei denen die Härte ein Markenzeichen ist. Dazu gehören manche Kampfsportarten, dazu gehören Mannschaftssportarten wie Rugby oder American Football. Exzellent trainiert zu sein ist eine wesentliche Voraussetzung, um verletzungsarm in diesen Disziplinen durchzukommen - und außerdem ein hohes Maß an taktischem Geschick und vorausschauendem Risikomanagement, der Kopf kämpft immer mit.

Man kann solche Sportarten nicht journalistisch begleiten, ohne auf die gesundheitlichen Risiken zu blicken. Die Zeiten der kritiklosen Glorifizierung sind vorbei. Das traurige Thema der schweren neurologischen Langzeitfolgen bei ehemaligen Football-Profis wird beispielsweise seit einigen Jahren offener diskutiert - und es werden (endlich) Regeln geändert, um Risiken zu reduzieren.

Ich kann es aus Erfahrung auch mit meinen eigenen Kindern beurteilen: Das Primat des Gesundheitsschutzes wird gerade hierzulande im American Football oder in etlichen Kampfsportarten viel aktiver praktiziert als, zum Beispiel, im Volkssport Fußball. Es wird viel genauer hingeschaut und von Trainern auch mal eine Zwangspause angeordnet, wenn Zweifel am körperlichen Zustand oder der mentalen Verfassung bestehen. Das ist gut, wichtig, ja alternativlos - nur so haben auch harte Sportarten eine dauerhafte Zukunftsperspektive.

 
»Endspurt« ist die neue Samstagkolumne der Main-Echo-Sportredaktion. Wir schreiben hier über Großes und Kleines aus der Welt der Bewegung, für die unser Herz schlägt.
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