»Anstand nicht vergessen« - Martin Schwarzkopf über Emotionen und Entsetzen auf dem Sportplatz

Endspurt - Die Sportkolumne zum Wochenende

Kolumne
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Fußball Ball
Foto: Stefan Gregor
Emo­tio­nen ge­hö­ren zum Sport. Oh­ne Lei­de­schaft für die ei­ge­ne Mann­schaft, für die ei­ge­ne Leis­tung, für das ei­ge­ne Ziel ist Wett­kampfs­port nicht vor­s­tell­bar. Ich selbst ver­wan­de­le mich als Trai­ner und Fan an der Sei­ten­li­nie oder als ak­ti­ver Sport­ler manch­mal in ei­nen Ty­pen, der mir mit Ab­stand gar nicht ge­fällt. Dabei finde ich so manche eigene Überreaktion ziemlich peinlich. Mir ist da keine menschliche Regung fremd - und ich bin nicht stolz darauf.

Trotz meiner eigenen Emotionalität war ich am Dienstag dieser Woche zum wiederholten Male in Alzenau erschüttert, was auf den Fußballplätzen offensichtlich inzwischen zum Alltag gehört. Wir haben als Sportredaktion an dieser und an anderen Stellen schon mehrfach darüber geschrieben. Man muss es aber immer wiederholen: Es ist erbärmlich, wie sich einige Zuschauer am Rande des Hessenliga-Matchs zwischen Bayern Alzenau und dem FC Eddersheim aufgeführt haben.

Negativbeispiel Nummer 1: Da war der offensichtlich nicht den Gastgebern zuneigende Zuschauer auf dem Sitzplatz direkt vor mir, der in unerträglichem Zynismus darüber lästerte, dass der erheblich verletzte Alzenauer Spieler Nicola Duborija direkt am Spielfeldrand von Notarzt und Rettungsdienst versorgt wurde - und deshalb das Spiel 15 Minuten unterbrochen war.

Man hätte ihn doch »ein paar Meter weiter tragen« können, um einfach weiterzuspielen, lautete eine seiner deplatzierten Einlassungen. Außerdem stellte er die Schwere der Verletzung aus 100 Metern Entfernung in Frage. Als er von mir und anderen deutlichen Widerspruch erntete, reagierte er bockig und uneinsichtig. Kleinlaut wurde er erst, als man ihm Fotos vom verformten Bein zeigte, dann räumte er einen Fehler ein - immerhin.

Negativbeispiel Nummer 2: Der Schiedsrichter hatte etliche knifflige Situationen zu entscheiden. Bei der Situation, die zu Duborijas Verletzung führte, hätte er wohl einen Foulelfmeter pfeifen müssen - doch selbst da gab es unter fachkundigen Beobachtern unterschiedliche Einschätzungen. Noch mehr galt dies für einen (möglichen) Handelfmeter, den er den Gastgebern in Halbzeit eins verweigerte. Wie niveaulos manche Zuschauer den Unparteiischen verbal attackierten, war nicht nur nach dem Schlusspfiff unterirdisch.

Die Tiraden waren allein deshalb blödsinnig, weil jeder einzelne Spieler auf dem Feld mehr Fehler gemacht hatte als der Schiedsrichter. Und: In der Schlussphase verweigerte der Referee Eddersheim einen (möglichen) Handelfmeter - auch das vergaß mancher »Fan« in seiner blinden Wut.

Negativbeispiel Nummer 3: Beiden war es unangenehm - und das ist gut so: Dass die Trainer von Alzenau und Eddersheim an der Seitenlinie und auch nach dem Schlusspfiff verbal aufeinander los gingen, darf nicht als normal gelten. »Wir wurden unserer Vorbildfunktion nicht gerecht«, räumten sie ein. Das stimmt.

Bei aller Emotionalität müssen alle Beteiligten im Sport darauf achten, dass der Anstand nicht zu kurz kommt. Jeder von uns kann auf Sportplätzen und in Hallen seinen Beitrag leisten - lasst uns endlich damit anfangen!

»Endspurt« ist die Samstagskolumne der Main-Echo-Sportredaktion. Wir schreiben hier über Großes und Kleines aus der Welt der Bewegung.

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