Mittwoch, 23.10.2019

Kommentar von Jörg Albert: Cha­peau, FC Bay­ern Al­zenau!

Re­gio­nal­li­ga Süd­west
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Regionalliga, wir kommen! Alzenauer Jubel nach dem Schlusspfiff. alle Fotos: Jörg Albert
Foto: Jörg Albert
Nach ei­ner über­ra­gen­den Sai­son 2018/2019 steht nach ei­nem ner­ven­auf­rei­ben­den Sai­son­fi­na­le der mehr als ver­di­en­te Auf­s­tieg in die Re­gio­nal­li­ga Süd­west.

Kaum ei­ner der Hes­sen­li­ga-Ex­per­ten hat­te den Amateur­ve­r­ein aus Un­ter­fran­ken auf der Rech­nung für ei­nen Spit­zen­platz.

Amateurverein?

Amateurverein? Genau. Zu groß schien die finanzielle Übermacht der Mannschaften aus Gießen, Kassel, Fulda und jetzt auch Stuttgart, die im Vergleich mit den familiär geführten Bayern über nahezu professionelle Voraussetzungen verfügen. Doch die Väter des Erfolgs - Angelo Barletta (und sein gesamtes Trainerteam) sowie Andreas Trageser (mit sämtlichen Mitstreitern im Verein) - haben einmal mehr bewiesen, dass mit Zusammenhalt, Motivation und Visionen mehr zu erreichen ist, wie mit (vermeintlich) vielen Euros auf dem Bankkonto.

Deswegen ist mir um die Bayern auch in der Regionalliga nicht bange, wenn viele große Namen ihre Visitenkarte in der Main-Echo-Arena abgeben werden.

Alzenau auf der Rechnung

Mit Sicherheit gehen die Alzenauer als krasser Außenseiter in die kommende Spielzeit. Doch darin liegt auch die große Chance für die Barletta-Elf. Denn viele Experten werden diesmal Alzenau auf der Rechnung haben - als Abstiegskandidat Nummer eins.

Angelo Barletta wird es wieder gelingen, ein konkurrenzfähiges Team auf die Beine zu stellen. Neben den vorhandenen Aufstiegskickern mit Spielern, die in höheren Ligen gescheitert sind. Mit Spielern, die in Alzenau ihre zweite Chance suchen. Und mit Talenten, die aus den Nachwuchsleistungszentren zu den Bayern stoßen werden.

Auch in puncto Infrastruktur sind die Blau-Weißen bestens aufgestellt. Ein echtes Schmuckkästchen als Stadion, perfekte Trainingsbedingungen und eine solide arbeitende Vorstandschaft. Ich freue mich auf die neue Saison.

c Ihre Meinung zum Thema:lesermeinung@main-echo.de

Ins Glück gezittert

Der FC Bayern Alzenau hat es geschafft! Das Team von Trainer Angelo Barletta spielt nach dem 1:1 gegen die Stuttgarter Kickers in der nächsten Saison in der Fußball-Regionalliga Südwest. Dann kommen illustre Namen wie Kickers Offenbach, FSV Frankfurt oder der 1. FC Saarbrücken in die Main-Echo-Arena. Hedon Selishtas verwandelter Foulelfmeter reichte den Bayern, die am Ende mächtig zittern mussten, nachdem Badiane ebenfalls vom Punkt ausgeglichen hatte.

»Was soll ich sagen«, freute sich Kreso Ljubicic unmittelbar nach Abpfiff. Der Ex-Profi stand inmitten seiner tanzenden Mitspieler. »Das sind die Emotionen, für die man Fußball spielt«, sagte er und strahlte über das ganze Gesicht. »Wir wollten dieses Endspiel, wir haben es angenommen«, lautete sein Fazit, dann tanzte auch er. Torschütze Hedon Selishta tanzte nicht. Er lag von Krämpfen geplagt auf dem Rasen.

»Ein klares Foul«

»Ich hätte den auch so reingemacht«, grinste Elias Niesigk, der den entscheidenden Elfmeter rausgeholt hatte. »Es war ein klares Foul«, sagte er. »Es war ein perfekter Ball von Calabrese«, schilderte er den Moment, der Alzenau den Aufstieg brachte. Die Stuttgarter konnten den freistehenden Niesigk nur unfair stoppen, Selishta verwandelte in der 78. Minute sicher.

Nach dem verpassten Aufstieg in der Vorsaison nun also das Alzenauer Happy End. »Man hat gesehen, dass wir einfach einen Schritt weiter waren, als damals«, freute sich Marcel Wilke, der das 1:8-Debakel gegen Villingen noch schmerzlich in Erinnerung hatte. »Damals war es eine blöde Situation, weil wir sehr hoch gewinnen mussten. Heute wussten wir genau, was wir zu tun hatten. Ich denke, es ist unter dem Strich verdient, wir hatten die besseren Chancen, haben es dann noch unnötig spannend gemacht.«

Den ersten Aufreger gab es nach fünf Minuten. Kickers-Keeper Ramon Castellucci bekam das Leder erst hinter der Torlinie zu fassen. Zuvor war er im Luftkampf aber regelwidrig angegangen worden. Danach neutralisierten sich beide Mannschaften im Mittelfeld, waren darauf bedacht, keine Fehler zu machen. Torszenen gab es nicht. In der 14. Minute reklamierten die Alzenauer vergeblich einen Handelfmeter, Shkemb Miftari war der Ball an den Arm gesprungen.

Nur eine Minute später hatten die Gäste aus Stuttgart die Chance zur Führung. Abdenour Amachaibou narrte zwei Gegenspieler, sein Schuss aus zwölf Metern war aber zu schwach, um Torwart Ioannis Takidis vor Probleme zu stellen. Dann tat sich 20 Minuten nicht viel.

Aber in den letzten zehn Minuten der ersten Hälfte nahm die Partie richtig Fahrt auf. Zunächst hatte Hedon Selishta die Alzenauer Führung auf dem Fuß, doch Castellucci entschärfte seinen Schuss aus 14 Metern. Auf der Gegenseite klärten Takidis und Rico Kaiser gemeinsam eine brenzlige Situation im Alzenauer Fünfmeterraum. Nur eine Minute später war wieder Castellucci gefordert, der eine Ecke von Kreso Ljubicic in der 39. Minute von der Torlinie faustete.

Die letzten gefährlichen Situationen gehörten wieder den Gastgebern, die nun deutlich aggressiver im Mittelfeld zu Werke gingen und die Stuttgarter zu Ballverlusten zwangen. Erst legte sich Patrick Kalata den Ball einen Tick zu weit vor, die anschließende Kaiser-Flanke wollte Selishta per Seitfallzieher verwerten, zielte aber neben den Pfosten.

Die dickste Gelegenheit bot sich in der Nachspielzeit erneut Hedon Selishta. Alleine vor Castellucci, wähnte er sich wohl im Abseits, zögerte zu lange und blieb zweiter Sieger. Das letzte Highlight vor der Pause gehörte Marcel Wilke. Seine Flanke rauschte aber knapp an drei Mitspielern vorbei.

Nach dem Wechsel spielten beide Teams mit merklich offenerem Visier. In der 50. Minute reklamierten die Gäste Elfmeter. Danilo Milosevic hatte Amachaibou leicht am Trikot gezupft, Schiri Scheuermann pfiff nicht. Zwei Minuten musste Castellucci gegen Ljubicic Kopf und Kragen riskieren, nachdem dieser auf der rechten Seite durchgebrochen war.

Die Zweikämpfe im Mittelfeld wurden nun intensiver. Man merkte beiden Mannschaften an, dass sie ein Tor schießen mussten. Allerdings litt die Passgenauigkeit unter dem erhöhten Tempo, so dass Strafraumszenen Mangelware blieben.

Voll auf Offensive gesetzt

Beide Trainer setzten nun voll auf Offensive. Mit Ilias Soultani (Stuttgart) sowie Salvatore Bari und Elias Niesigk kamen drei frische Angreifer aufs Feld. Doch je länger die Partie wurde, desto unstrukturierter wurden die Angriffe. Nach einem Selishta-Solo jagte Bari den Ball aus 16 Metern in die Wolken (70.). Auf der Gegenseite rettete Kaiser in höchster Not gegen Soultani.

Die entscheidende Szene dann in der 77. Minute. Nach zwei schnellen Pässen stand Niesigk alleine vor Castellucci und wurde von hinten gefoult. Ein klarer Strafstoß. Hedon Selishta behielt gegen Castellucci die Nerven und schoss Alzenau in Front.

Stuttgart brauchte nun zwei Tore, machte komplett auf und bekam zwei Minuten vor dem Ende ebenfalls einen Elfmeter. Markus Auer hatte Lhadij Badiane gelegt, Ilias Soultani sicher verwandelt. Nun begann das große Alzenauer Zittern. Ball um Ball flog in den Alzenauer Strafraum - aber keiner mehr ins Tor. Dann begann die große Fete.

bLiveticker zum Nachlesen unter

www.main-kick.de

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