Dienstag, 22.10.2019

Ein Kopfstoß von Andreas Schantz: Druck für die Baskets

Kopfstoß
Kommentieren
Im Sport ist es wie im Le­ben: Man­che Freund­schaf­ten ver­blas­sen wie Ge­druck­tes in der Son­ne. Bei den s.oli­ver Bas­kets Würz­burg ist zu­min­dest die Part­ner­schaft mit der On­li­ne-Dru­cke­rei Fly­eralarm erst ein­mal Ge­schich­te. So schreibt unser Sportredakteur Andreas Schantz in seinem Kopfstoß.

Lange hat sie gewährt, seit 2007 war das Unternehmen des Sport-Mäzen Thorsten Fischer im Sponsorenpool des Basketball-Bundesligisten vertreten. Nun fehlt der Name auf der langen Liste. Der neue offizielle Druckpartner stammt nicht mehr aus Würzburg, sondern aus Backnang.

Man kann wohl trefflich darüber streiten, ob ein Unternehmen, das sich »Wir machen Druck« nennt, die beste Wahl für eine Profi-Sportmannschaft ist. Kurios ist die Wahl der Würzburger Basketballer allemal. Holen sie so doch indirekt den ärgsten Konkurrenten von Flyeralarm auf dem boomenden Markt der Onlinedruckereien direkt vor die Haustür der Unterfranken. Denn die Schwaben gehören seit 2015 zum niederländischen Cimpress-Konzern, nach Umsatz wohl der größte Anbieter von Online-Druckprodukten weltweit.

Selbst schuld, könnte man nun sagen. Fischer, der vor einigen Jahren zusammen mit s.oliver-Chef Bernd Freier die Baskets vor der Insolvenz bewahrte und später seine Anteile an Freier abgab, hätte ja nur weiter zahlen müssen. Ganz so einfach wäre das aber nicht angesichts des vielfältigen Engagements der Würzburger Onlinedrucker in der Sportwelt - nicht nur die Drittliga-Fußballer der Würzburger Kickers und die Zweitliga-Handballer aus Rimpar profitieren vom Geld aus Unterfranken, sondern auch die Fußball-Nationalmannschaft und neuerdings die Frauenfußball-Bundesliga.

Trotzdem sollte Fischer gut überlegen, wen er mit seinem Wohlwollen bedenkt - und wen nicht. Denn unweit der Bischofsstadt schwimmt im mittelfränkischen Bad Neustadt an der Aisch ein weiterer fetter Digitalhai, der nicht nur reichlich Beute im Online-Markt macht, sondern mit der Cofra Holding auch einen mächtigen Geldgeber hinter sich weiß: die Firmengruppe Onlineprinters. Unter dem Namen diedruckerei.de ist auch sie dem deutschen Sport, vor allem dem Fußball, sehr verbunden und flimmert wie flyeralarm via Bandenwerbung immer wieder einmal den Fans im Stadion oder im Fernsehen vor den Augen.

Der Kampf um Marktanteile unter den Online-Druckereien setzt sich so in den Sportstätten fort. Wer am Ende außer den Profivereinen davon profitiert, muss sich zeigen. Verlierer gibt es aber auch da bereits - die alten Akzidenz-Druckereien. Sportlich nehmen kann das nicht jeder.

Ihre Meinung zum Thema: lesermeinung@main-echo.de

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!