Dienstag, 21.05.2019

Enge Grenzen fürs Coaching: Ein Kommentar von Manfred Weiß zur Entlassung des TVG-Trainers Bauer

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Deprimierte Spieler und ein ratloser Trainer Florian Bauer: Der TVG wollte in Emsdetten gewinnen, gingen jedoch in Westfalen mit 25:34 unter. Foto: Mathias M. Lehmann
Foto: Mathias M. Lehmann

Die Schwe­re der Last, die Flo­ri­an Bau­er als al­lein sport­lich Ver­ant­wort­li­cher zu schul­tern hat­te, war dem TVG-Trai­ner zu­letzt deut­lich an­zu­mer­ken. Nach Nie­der­la­gen wirk­te er ge­trof­fen und rang nach Er­klär­un­gen, die oft gleich­lau­tend wa­ren und dann zu­neh­mend hil­f­los klan­gen.

Das passt zur Argumentation der Verantwortlichen, die als Grund für seine Demission angeben, die Mannschaft nicht entwickelt zu haben. Doch wahr ist auch: Bauers Coaching waren enge Grenzen gesetzt - von den Club-Oberen und in einem Fall von ihm selbst.

Blauäugig in die Saison

Der TVG ist mit großem Ehrgeiz, aber auch blauäugig in die Zweitligasaison marschiert. Offensichtlich war vor dem Saisonstart, dass der Mannschaft ein Shooter aus dem Rückraum fehlen würde. Spieß & Co. müssen sich im Infight fast jeden Treffer erarbeiten. Einen Spieler zu verpflichten, der auch aus weiter Distanz einzunetzen vermag, war explizit Bauers Wunsch gewesen.

Unterschätzt haben die Verantwortlichen auch die Belastung, der ein Zweitligacoach ausgesetzt ist. Andere Clubs arbeiten mit hauptberuflichen Trainern, Bauer hatte einen Halbtagsjob. Er war so günstiger zu haben. Auch das hat sich als Manko herausgestellt. Hinzu kommt: Der Mann aus dem Odenwald hatte wenig Erfahrung als Trainer. Kollegen wie Emir Kurtagic in Hüttenberg, Kay Rothenpieler vom ASV Hamm-Westfalen oder der Dessauer Uwe Jungandreas verfügen nach vielen Trainerstationen über einen großen Erfahrungsschatz. Das wiederum setzt Souveränität frei, die an der Seitenlinie hilft - auch in der Interaktion mit den Schiedsrichtern.

Auswärts zu schwach

Was aber ist Bauer anzulasten? Die eklatante Auswärtsschwäche? Auffallend war, dass der TVG nach dem Sieg in Ferndorf vor dem Jahreswechsel in keiner guten Form aus der Winterpause kam. Durch die unnötige Heimniederlage gegen den Abstiegskontrahenten Dessau-Rosslauer HVgeriet der Club endgültig in Schieflage. Hierfür verantwortlich war ein Leistungsabfall in den letzten zehn Minuten - ein Symptom in vielen Spielen. Das nährte im Umfeld Diskussionen, die Mannschaft sei konditionell nicht auf der Höhe. Dieser Vorwurf aber wird von wuchtvollen Auftritten wie dem 32:24-Heimsieg über Hagen relativiert.

Offensichtlich ist indessen: Florian Bauer ist es nicht geglückt, Spieler der Junioren-Akademie näher an die Zweitligatauglichkeit heranzuführen. Bei allem Druck, siegen zu müssen: Die Talente schmorten zu oft auf der Bank. Dadurch hat Bauer selbst dem eigenen Coaching enge Grenzen gesetzt.

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