Freitag, 26.04.2019

Fußball nicht das Problem: Ein Kommentar von Thorsten Schmitt zu Risikospielen und den Polizeikosten

Aschaffenburg
Kommentieren
Barriere zwischen verfeindeten Fußballfans: Polizisten verhindern im Mai 2017 nach dem Bundesliga-Relegationsspiel zwischen Braunschweig und Wolfsburg gewalttätige Auseinandersetzungen.
Foto: Julian Stratenschulte

Sollen Fußballvereine- und Verbände die Kosten für zusätzliche Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen zahlen oder nicht? Ein Kommentar von Sportredakteur Thorsten Schmitt.

Zuallererst: Der Fußball an sich ist nicht das Problem. Er bietet aber als unangefochtene Sportart Nummer eins die größtmögliche Bühne für Chaoten, die ihre Gewaltbereitschaft öffentlichkeitswirksam inszenieren wollen. Die vermeintliche Treue zu einem Verein ist da nur ein fadenscheiniger Mantel. So weit, so einfach. Komplizierter stellt sich die Frage dar, ob Fußballvereine und -verbände die Kosten für zusätzliche Polizeieinsätze tragen müssen, die bei sogenannten Hochrisikospielen anfallen.


Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat am Freitag kein Urteil gefällt, sondern die Sache zurück an das Oberverwaltungsgericht Bremen verwiesen, das in zweiter Instanz zugunsten des Landes Bremen und gegen die Deutsche Fußball-Liga (DFL) entschieden hatte. Der Vorsitzende Richter am BVG sprach in seiner ausführlichen Begründung von einem »beträchtlichen Interpretationsspielraum«. Grundsätzlich könnten Fußball-Vereine allerdings für die Kosten in die Pflicht genommen werden.


Es braucht aber auch kein Urteil, um eines festzuhalten: Unbestreitbar hat der Fußball eine gesellschaftliche Verantwortung, die über das Geschehen in den Stadien hinausreicht. Zum einen sind die Vereine, aber auch die friedlichen Anhänger, die mit den Chaoten im Fanblock stehen, gefordert. Ja, es wird in dieser Hinsicht schon einiges getan, es gibt Initiativen zur Gewaltprävention. Aber es muss ein viel klareres Bekenntnis geben: Eure Treue brauchen und wollen wir nicht! Prügeleien und Sachbeschädigungen taugen nicht als Liebesbeweis.


DFB und DFL in der Pflicht


Was zum anderen die finanzielle Frage betrifft: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die DFL als Zusammenschluss der Erst- und Zweitligisten nagen wahrlich nicht am Hungertuch. Es wäre ein richtiges Zeichen, wenn beide einen Fonds einrichten würden, um den Staat und damit die Steuerzahler zu entlasten. Aus freien Stücken, unabhängig davon, ob die Paragrafen in letzter Instanz eine Kostenbeteiligung hergeben.


Das hat etwas mit Selbstverständnis zu tun. »Fußball, das sind wir alle« – so lautet bezeichnenderweise der Slogan einer Kampagne, die der DFB und sein neuer Automobil-Partner jüngst gestartet haben. An diesem Anspruch muss sich der größte Sport-Fachverband der Welt auch messen lassen.


Zuletzt noch einmal: Der Fußball an sich ist nicht das Problem. Aber er kann und er sollte Lösungen anbieten.

Torsten Schmitt

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!