Mittwoch, 27.03.2019

Kopfstoß von Oliver Banach: Warum nur steigt der Löw aufs Drahtseil?

Kommentar
Kommentieren
Joachim Löw hat beim DFB noch einen Vertrag bis 2022.
Foto: Marius Becker

Glück­wunsch, Herr Löw! Das muss man erst ein­mal schaf­fen. Von al­len denk­ba­ren Mög­lich­kei­ten die Sch­lech­tes­te zu wäh­len. Jetzt ist das Ge­sch­rei groß, weht dem Bun­des­trai­ner ein ei­si­ger Wind, nicht nur aus Bay­ern, ins Ge­sicht.

Dass Joachim Löw auf Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels verzichten will - kein Problem. Die Nationalmannschaft ist den stärksten Spielern vorbethalten. Wenn die drei Weltmeister von 2016 nach Meinung des Trainers aktuell nicht dazugehören, soll und muss er auf sie verzichten. Das ist konsequent und richtig.

Warum bloß?

Weder konsequent noch richtig aber die Art und Weise, wie Löw das Trio eiskalt abserviert. Der Zeitpunkt der Verbannung wirkt willkürlich, die Endgültigkeit fast schon wie blinder Aktionismus.

Warum aber tut Löw das?

Will der in der Kritik stehende Bundestrainer aller Welt beweisen, dass er doch in der Lage ist, die nötigen Reformen in der DFB-Auswahl einzuleiten?

Das hätte er viel früher tun müssen. Direkt nach der verkorksten WM in Russland. Lediglich auf Sami Khedira verzichtete Löw. Jedoch nicht endgültig. Seine Leistungen seien künftig entscheidend. Ein Reförmchen - mehr war das nicht.

Es dämmert ihm

Erst jetzt, nach der Blamage in der Nations League, dämmert es dem Trainer, dass damals wohl ein radikaler Schnitt nötig gewesen wäre.

Einer, bei der aber alle das Gesicht hätten wahren können. Ein würdiger Abschied in Absprache mit den verdienten Weltmeistern. Wie seinerseits 2016 bei Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski. Selbst jetzt, gegen Serbien, wäre ein Abschiedsspiel noch möglich gewesen.

Chance verpasst

Auch diese Chance hat Löw verpasst. Er hat stattdessen viel Porzellan zerschlagen und das von ihm ohnehin schon ausgehöhlte Leistungsprinzip (Stichwort WM 2018 und Manuel Neuer) praktisch abgeschafft. Selbst wenn Müller, Boateng und Hummels wieder zu den Besten gehören würden, die Tür bliebe verschlossen. Vom Bundestrainer zugeschlagen.

Damit begibt sich Löw selbst aufs Drahtseil. Geht das erste EM-Quali-Spiel in Holland in die Hosen, wird sie wieder aufflammen, die Debatte um seine Person. Dann könnte es Löw ergehen wie Müller, Boateng und Hummels. Endgültig Schluss in der Nationalmannschaft.

Vielleicht nicht die schlechteste Lösung.

Oliver Banach

Ihre Meinung zum Thema: lesermeinung@main-echo.de

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!