Mittwoch, 27.03.2019

Kommentar von Burkard Nadler: Lokaler Fußball startet wieder – Brutale Fouls härter bestrafen

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Unser Mitarbeiter Jörg Albert hat den Unparteiischen Frank Staudinger bei einem Kreisklasse-Spiel zwischen dem VfB Eichenbühl und dem TSV Collenberg mit der Kamera begleitet.
Foto: Jörg Albert

Der Ruf nach här­te­ren Stra­fen zur Tä­ter-Ab­sch­re­ckung ist leicht und führt um­so öf­ter in die Ir­re. Nicht im Fuß­ball. Hier kom­men Foul-Spie­ler, die Geg­ner fahr­läs­sig oder ab­sicht­lich ver­let­zen, zu glimpf­lich da­von. Da­ran wird sich lei­der auch mit dem Start des zwei­ten Fuß­ball-Halb­jah­res an die­sem Wo­che­n­en­de in Bay­ern und Hes­sen nichts än­dern. Sportredakteur Burkard Nadler mit einem Kommentar über die fehlende Fairness im Fußball.

Tätlichkeit, Schiedsrichter-Beleidigung und so genanntes »rohes Spiel«: Dafür gibt es im Amateurfußball die meisten Roten Karten. Der Schiedsrichter beschreibt und bewertet die Umstände rund um einen Platzverweis gründlich, das funktioniert heutzutage gut. Und ein unabhängiges Sportgericht entscheidet dann, wie lange ein Rotsünder aus dem Verkehr gezogen wird.

Abschreckung ist anders

In der Fußball-Gerichtsbarkeit gibt es aber einen Fehler im System: Brutale und rücksichtslose Fouls werden nicht hart genug bestraft.

Das ist nicht in erster Linie die Schuld der ehrenamtlichen Sportrichter. Sie arbeiten gründlich und sind um Fairness bemüht. Aber sie finden in der Rechts- und Verfahrensordnung des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) den Paragrafen 66: »Ein Spieler, der gegen seinen Gegenspieler roh spielt, ist mit einer Sperre von zwei Wochen bis zu sechs Monaten zu belegen. Roh spielt, wer rücksichtslos im Kampf um den Ball den Gegner verletzt oder gefährdet.«

Nur zwei Wochen Sperre für ein rücksichtloses und vielleicht folgenschweres Foul? Es ist nur das Minimum, aber bei so einer kurzen Auszeit bleibt es tatsächlich meistens, mal sind es drei oder vier Partien. Das ist einfach zu wenig, um aggressive Kicker wirksam abzuschrecken.

Denn manchmal läuft es so: Ich trete einen Gegner in brenzliger Lage absichtlich um und sage hinterher, dass es doch nur im Zweikampf war, der Ball war ja noch irgendwie in der Nähe. Rette damit das Spielergebnis, bin zwei oder drei Partien gesperrt, um dann wieder in den mannschaftlichen Alltag zu kommen, als wäre nichts gewesen.

Nicht einmal »Gelb« gesehen

Und mein Gegner hat sich vielleicht schwer verletzt, muss Wochen oder Monate aussetzen und ist krankgeschrieben. Oder muss die Fußballschuhe ganz an den Nagel hängen. Dieses Schicksal droht beispielsweise einem Top-Kicker aus Gemünden, der sich im Sommer bei einem Foul in einem Testspiel schwer am Knöchel verletzt hat und dessen Laufbahn auf dem Spiel steht. Sein Gegner bekam nicht einmal eine Gelbe Karte.

Zum Vergleich: Der BFV schreibt in Paragraf 70 weiter vor, einen Amateurfußballer, der ohne gültige Spielgenehmigung auf dem Platz steht, mindestens vier Wochen und bis zu sechs Monate zu sperren. Vorneweg vier Wochen wegen eines Vergehens, das - im doppelten Sinn - kaum jemandem weh tut. Das kommt zwar fast nie vor, zeigt aber, dass der Verband auch anders durchgreifen kann.

Das untere Limit für rohes Spiel sollte auf vier Partien angehoben werden, je nach Vergehen plus x. Völlig egal, ob die Attacke im Kampf um den Ball passiert ist oder nicht. Eine andere Idee: Wer rücksichtlos foult und »Rot« sieht, sollte gleich so lange gesperrt bleiben, bis sein verletzter Kollege wieder einsatzfähig ist. Aber diesen Paragrafen wird es in diesem Fußballer-Leben sicher nicht mehr geben.

Burkard Nadler

Alle Artikel zum Thema »Fouls und Verletzungen im Fußball« sind in unserem gleichnamigen Dossier zu finden

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