Mittwoch, 20.02.2019

Kommentar von Manfred Weiß: Zu wenig für den WM-Titel

Handball-WM
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Die deutschen Handballer stehen nach dem verpassten Finaleinzug geknickt in der Halle.
Foto: Axel Heimken

Das Klei­ne Fi­na­le ge­gen Fran­k­reich hat noch­ ein­mal ge­zeigt, wes­halb die deut­sche Hand­ball-Na­tio­nal­mann­schaft bei die­ser Welt­meis­ter­schaft nicht reif für den Ti­tel war.

Wie­der­um konn­te das Team von Bun­des­trai­ner Pro­kop kei­ne kon­stan­te Leis­tung über 60 Mi­nu­ten ab­ru­fen.

In fast allen der neun Partien zuvor hatte man sich mindestens eine Schwächephase geleistet. Im Kampf um die Bronzemedaille waren es zwei. Ein Sieg war machbar - dazu aber darf man dem Gegner fehlerbedingt keine fünf Treffer schenken, die er mühelos per Wurf ins leere deutsche Tor erzielen konnte.

Nicht clever genug

Eine starke Abwehr- und Torhüterleistung (sieht man vom Halbfinale gegen Norwegen ab), Teamgeist und Kampfeswille, ein Weltklasse-Linksaußen und ein beständig auf hohem Niveau spielender Kreisläufer Yannik Kohlbacher - das ist am Ende zu wenig, um in der Weltspitze ganz nach vorne vorzustoßen. Für den großen Wurf fehlten vor allem im Rückraum Konstanz, Harmonie und Cleverness.

Und dennoch: Trotz der zwei Pleiten in der Endrunde hat das Team den Handballsport nach der verpatzten Europameisterschaft 2018 den Deutschen wieder näher gebracht. Das belegen Spitzenwerte bei den TV-Einschaltquoten. Das ist auch das Resultat einer breit angelegten und strategisch klugen WM-Kampagne des Deutschen Handballbundes. Vor allem aber wusste die Mannschaft bei ihren Auftritten Werte zu vermitteln, diein einer kälter werdenden Gesellschaft nur selten noch wahrzunehmen sind. Dazu zählt Härte im Wettstreit, gepaart mit Respekt vor dem Gegner und Fairness. Während sich der Profi-Fußball immer weiter von den Fans entfernt, ist der Handball ihnen wieder näher gekommen.

Neues Vertrauen erarbeitet

Was so nicht zu erwarten war: Bundestrainer Prokop, der für das EM-Scheitern Verantwortliche, hat den Weg zur Mannschaft zurück gefunden. Zweifel an seiner Autorität waren nicht spürbar, seine Ansprache ans Team stimmte. Mit Ausnahme des Halbfinales, als er kein Mittel fand, der indisponierten Abwehr Halt zu geben, hat er gut gecoacht.

Ein Wermutstropfen: Sein Entschluss, mit Patrick Groetzki nur einen Rechtsaußen mitzunehmen, hat sich als falsch erwiesen. Dessen Fehlwürfe waren auch der Hauptgrund, dass Frankreich nach solider deutscher Führung zu schnell wieder im Spiel war. Prokop wird das Team nun mit jungen Akteuren wie Drux, Wiede, Suton, Kohlbacher auf die nächsten großen Turniere vorbereiten. Das Vertrauen dazu hat sich der Bundestrainer erarbeitet. Auch damit hat der Hand- dem Fußball etwas voraus.

 Manfred Weiß

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