Samstag, 19.01.2019

Kopfstoß von Andreas Schantz: Die verflixten Hundert

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Ein Ju­bi­läum be­kommt offenbar nicht jedem Verein. Denn es gibt ihn, den Hundertjährigen, der aus seiner Liga absteigt, oder zumindest seinen runden Geburtstag mit den neuen Nachbarn eine Etage tiefer feiert, weiß Andreas Schatz.

Hun­dert Jah­re - für man­chen ist das ein Wunsch­traum, für man­che auch ein Alb. Die meis­ten Men­schen er­rei­chen nach wie vor nicht die­ses ge­seg­ne­te Al­ter. An­ders ist es bei den Ve­r­ei­nen, die zu­neh­mend ins ho­he Al­ter kom­men. Ein De­mo­gra­fie­pro­b­lem hat das Ve­r­eins­we­sen des­halb nicht. Aber of­fen­bar be­kommt zu­min­dest das Ju­bi­läum nicht je­dem: Es gibt ihn nämlich, den Hundertjährigen, der aus seiner Liga absteigt, oder zumindest seinen runden Geburtstag mit den neuen Nachbarn eine Etage tiefer feiert.

Der einstige Bundesliga-Dino Hamburger SV ist beispielsweise im 99. Jahr des Bestehens als Fusionsverein erstmals aus der höchsten deutschen Fußballklasse abgestiegen. Für Borussia Mönchengladbach und den 1. FC Nürnberg ging es in der Saison 1998/99 abwärts - und beide verpassten es, rechtzeitig zu ihrem »Hundertjährigen« im Jahr 2000 wieder aufzusteigen. Für Gladbach war es der erste Abstieg aus der Bundesliga seit dem Aufstieg 34 Jahre zuvor. Der dritte Absteiger des Jahres, der VfL Bochum, hatte eigentlich auch ein Jubiläum: Dessen eigenständige Fußballabteilung wurde nämlich 1949 gegründet.

Muffensausen

Vielleicht verkrampft einfach mancher Kicker, wenn er statt ans Runde an den Runden denkt. Indizien hierfür gibt es auch hierzulande. In der Landesliga Nordwest rangiert der SV Erlenbach wenige Tage vor seinem Jubiläumsjahr 2019 auf dem letzten Tabellenplatz. Liga-Konkurrent Alemannia Haibach, der 2019 ebenfalls in den Club der Hundertjährigen aufsteigt, bekommt offenbar auch das Muffensausen - am 14. Spieltag waren die Grün-Weißen noch Erster, doch je näher das Jubiläumsjahr rückte, umso mehr ging es bergab.

Noch ist es nicht kritisch, aber der Geburtstag ist ja auch erst im Oktober. In der Kreisklasse Aschaffenburg 1 gibt es auch noch einen Jubiläumssorgenfall: Der SV Schöllkrippen dümpelt gut sieben Monate vor seinem 100. Geburtstag (hier steht der TV Pate) ebenfalls ganz unten in der Tabelle.

Und die gute Viktoria aus Aschaffenburg schaffte es im Jahr ihres Hundertsten 2001 nur auf den zehnten Platz in der Oberliga Hessen. Ein Menetekel, denn auch in der Saison darauf brillierten die Unterfranken in Hessen nicht. Und im Jahr darauf ging es dann runter in die Landesliga!

Die Schwächephase rund um den Hundertsten trifft übrigens nicht nur Fußballvereine. Der TV Großwallstadt wurde 1988 nur Sechster in der Bundesliga. Im Jahr zuvor war er noch Vize. Immerhin gelang im Jahr darauf der Pokalsieg und 1990 noch einmal ein Meistertitel. Abgesehen vom Euro-City-Cup 2000 war es das dann aber mit der Herrlichkeit des Oldie.

Dass man zum Hundertsten aber auch vom Glück verfolgt sein kann, bewiesen die Kicker von Eintracht Frankfurt 1999. Fjörtoft - richtig! Der norwegische Profi rettete die Party mit seinem legendären Übersteiger-Tor Sekunden vor Ende der letzten Bundesliga-Partie. Dank mehr erzielter Tore blieb die Eintracht bei Punkt- und Tordifferenzgleichheit mit dem 1. FC Nürnberg erstklassig. Zwei Jahre später stürzten aber auch die Adler ab.

Was tröstlich stimmt: Die Frankfurter sind trotz ihres hohen Vereinsalters wieder im Höhenflug. Und das nächste größere Jubiläum ist noch fern.

Ihre Meinung zum Thema: lesermeinung@main-echo.de

Andreas Schatz

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