Mittwoch, 19.12.2018

Sorry, geht gar nicht

Kopfstoß von Oliver Banach
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29.03.2008, Wertheim: Oliver Banach. Autor: Victoria Schilde Bildunterschrift 2017-08-18 --> Oliver Banach Foto: Main-Echo
Fotograf: Victoria Schilde

Vier Wochen ohne ein einziges Wort über den FC Bayern, wie es zuletzt Willi Lemke forderte. Das geht gar nicht, findet unser Redakteur Oliver Banach. Seine Befürchtung: Es könnte sich was ändern und der ganze Spaß hätte ein Ende.

Entschuldigung lieber Willi Lemke, aber es geht einfach nicht. Vier Wochen lang, so sein Vorschlag, sollten die Medien nicht mehr über den FC Bayern berichten, der sich ständig vehement über eben diese Medien beschwere. An sich ist das ja eine tolle Idee des ehemaligen Managers von Werder Bremen. Die Verantwortlichen, so Lemke, würden vor Wut mutmaßlich an die Decke gehen.
Sehr wahrscheinlich sogar. Das wäre dann aber so spaßig, dass man erst recht darüber berichten sollte.
Ernsthaft nachdenken?
Doch vielleicht passiert ja etwas völlig anderes, scheinbar Verrücktes. Die komplett der realen Welt entrückten Herren an der Säbener Straße könnten eventuell ernsthaft über die wahren Gründe der Bayern-Krise nachdenken.
Wollen wir das wirklich?
Was kam denn zuletzt heraus, wenn die Gedanken in München kreisten? Eine an Lächerlichkeit nicht zu überbietende Pressekonferenz (Menschenrechte), eine öffentliche Debatte um Instagram-Posts einer Spielerfrau, die völlige Demontage eines Trainers und zuletzt beleidigte Weiß- Verzeihung, Leberwürste.
Lächerlich
Bayern-Legende Paul Breitner den Zutritt zur Ehrentribüne zu verweigern, nur weil dieser seine klare und durchaus nachvollziehbare Meinung zum Theater rundum den wiederauferstandenen FC Hollywood kund tat – Lächerlich.
Was würde passieren, wenn die Herrscher über das bayerische Fußball-Imperium tatsächlich Zeit und Muse fänden, sich vernünftige Gedanken zu machen?
Sie würden höchstwahrscheinlich erkennen, dass andere Teams rechtzeitig einen Umbruch eingeleitet haben. Dass andere Vereine längst Talente erkennen, wenn diese noch in der scheinbaren Versenkung kicken. Dass bei den aktuell ersten Drei der Bundesliga eine kompetente sportliche Führung mit einem starken Sportdirektor am Werk ist, die ruhig einen Plan verfolgt. Die ihren Trainer in Ruhe arbeiten lässt, die sich gezielt Rat von außen holt, offen für neue Ideen (auf und neben dem Platz) ist.
Bald wieder Langeweile
All das würden sie auch in München erkennen. Und sie würden handeln, anstatt zu lamentieren und abstruse Verschwörungstheorien zu wittern. Mit dem Ergebnis, dass die Bundesliga bald wieder so langweilig wäre, wie in all den Jahren zuvor.
Nur höchstwahrscheinlich mit anderen Gesichtern an der Münchener Spitze. Denn die erste Erkenntnis sollte lauten, dass der Fisch vom Kopf her stinkt.
Und das kann doch niemand ernsthaft wollen. Am wenigsten Willi Lemke. Der ehemalige Intimfeind von Uli Hoeneß dürfte, wie fast ganz Fußball-Deutschland, momentan einen Heidenspaß haben.
Nur die Bayern-Fans schieben Frust. Aber die hatten jahrelang genug Spaß. Gönnt den anderen doch auch mal ein bisschen Freude. Auch wenn es momentan jede Menge Schadenfreude ist.

Oliver Banach

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