Montag, 22.07.2019

Kopfstoß von Thorsten Schmitt zur Cri­cket-Weltmeisterschaft in England: Bei Regen gibts Mittagessen

Kopfstoß
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Das Mit­ta­ges­sen ist ein­ge­nom­men, da der Platz noch im­mer zu feucht ist, um zu spie­len. Al­lei­ne für sol­che Sät­ze soll­te man Cri­cket lie­ben. Zu le­sen war er am Don­ners­tag­mit­tag im Li­veti­cker zur Par­tie Neu­see­land ge­gen In­di­en, die um 10.30 Uhr hät­te be­gin­nen sol­len.

Ach, da war und ist ja was: Seit dem 30. Mai und noch bis 14. Juli spielen in England und Wales zehn Nationalteams den Weltmeister im One-Day-Cricket aus - in Deutschland weitestgehend unbemerkt. Der Modus: Erst spielt jeder gegen jeden, dann die besten Vier in zwei Halbfinalpartien um den Einzug ins Endspiel. Macht maximal 48 Matches binnen 46 Tagen - wenn das Insel-Wetter nicht wäre. Doch im Cricket sieht man Niederschläge pragmatisch: abwarten, vielleicht Tee trinken, immer in der Hoffnung, dass der Regen endet und das Feld schnell trocknet.

Es muss keinen Sieger geben

Geschieht dies nicht und wird die Zeit bis zur Dunkelheit zu knapp für ein ordentliches Ein-Tages-Match - dann lässt man es einfach gut sein und teilt sich schiedlich-friedlich die Punkte. Kein Grund zur Panik. Geschweige denn für ein Nachholspiel. Wo höhere Mächte walten, muss der Mensch doch nicht um Sieg oder Niederlage streiten.

Nun gut, er könnte Hallen bauen, groß genug um ein ordentliches Cricket-Match zu beherbergen. Doch das käme womöglich dem Turmbau zu Babel gleich. Und Sie wissen schon, babylonische Sprachverwirrung uns so.

OMG WTF SRY LBW - Stop, das letzte war keine gängige Abkürzung in der modernen Kommunikation. LBW steht für Leg Before Wicket: Wenn der Schlagmann beim Cricket mit dem Bein (oder einem anderen Körperteil) verhindert, dass der Ball das Holzgestell hinter ihm trifft, das es zu beschützen gilt. Vereinfacht ausgedrückt.

Eine Lektion in Geduld

Cricket ist ein komplexes Spiel. Aber mal ehrlich: Diese hierzulande gemeinhin als sterbenslangweilig angesehene Sportart ist viel lebensnäher als die meisten anderen. Eine Lektion in Demut, in Geduld. Wäre das irdische Dasein ein Handballspiel - um Gottes Willen: Die meisten von uns würden nach 30 Sekunden kollabieren. Selbst der härteste Manager würde die Pausensirene nicht mehr hören.

Cricket lehrt uns: Wirst du mit Bällen (oder Steinen oder Schwierigkeiten) beworfen, dann wehre sie ab, schlage sie so weit fort wie möglich. Nur nicht zu waghalsig: Sonst bist du schneller raus, als dir lieb ist. Wenn aber keiner dich beschmeißt, weil ihm der Regen gerade zu nass ist. Alles gut, zieh die Pause vor.

P.S.: Am Donnerstag um 16.03 Uhr wurde das Spitzenspiel zwischen Neuseeland und Indien ersatzlos abgesagt.

 

Thorsten Schmitt

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