Samstag, 17.08.2019

Kopfstoß von Thorsten Schmitt: Parallele Final-Dramen

Kopfstoß
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Es war ein­mal ein End­spiel in Lon­don, so un­glaub­lich episch. So ge­schicht­s­träch­tig, dass wir uns sechs Ta­ge spä­ter an die­ser Stel­le nicht um Ta­ges­ak­tua­li­tät sche­ren brau­chen. Es war Ra­sens­port der al­ler­größ­ten Art, den die­se Gent­le­men dar­bo­ten. Ein Dra­ma in sel­te­nen drei Ak­ten.

Drei? Waren es nicht fünf Sätze, in denen Novak Djokovic auf dem Centre Court des All England Lawn Tennis and Croquet Clubs Roger Federer niederrang? 7:6, 1:6, 7:6, 4:6, 13:12! Entscheidung im Tiebreak, der in Wimbledon für den finalen Durchgang erst seit diesem Jahr greift. Und erst beim Stande von 12:12. Eine Vorlage, aus der Djokovic und Federer das Allerbeste machten. Und da sie nicht gestorben sind, loben wir sie noch heute.

Es war einmal ein weiteres Endspiel in London, das fast zeitgleich mit dem Wimbledon-Finale 15 Kilometer nördlich über die Bühne ging. Ebenfalls unglaublich episch, aber hierzulande so geschichtsunträchtig, dass auch sechs Tage später kaum jemand Notiz genommen hat.

Im Lord's Cricket Ground sicherte sich Gastgeber England zum ersten Mal überhaupt den Weltmeistertitel in der Ein-Tages-Variante des Schlagballspiels, das weltweit zu den populärsten Sportarten überhaupt zählt. Nun ließe sich einwenden, dass Indien mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern für ein nicht unerhebliches Ungleichgewicht sorgt. Dort ist Cricket der Zuschauermagnet schlechthin.

Premierentitel für England

Die indische Auswahl scheiterte bei der WM im Halbfinale nach dramatischer Aufholjagd an Neuseeland. Doch das war nichts gegen das, was sich im Finale abspielte. Die Neuseeländer, die wie die Engländer keines der elf vorausgegangenen WM-Turniere gewonnen hatten, kamen auf 241 Zähler. Die Gastgeber hinkten in ihrem Durchgang leicht hinterher, um mit dem letzten Ball und dem letzten Schlagmann auszugleichen.

Ein sogenanntes Super-Over musste die Entscheidung bringen. England legte 15 Punkte vor, Neuseeland stand vor dem finalen Ball bei 14. Die beiden Schlagmänner erliefen einen Zähler, verpassten aber knapp den zweiten, der den Triumph bedeutet hätte. Wieder stand es unentschieden. Doch weil die Engländer den Ball im regulären Spiel häufiger aus dem Feld geschlagen hatten, gewannen sie den Titel.

Da hätten sie in Wimbledon beim Stand von 12:12 im fünften Satz auch Roger Federer zum Sieger erklären können, weil der bis dahin insgesamt mehr Punkte erzielt hatte. Oder mehr Gewinnschläge verbucht. Aber es ist ja nicht der All England Lawn Tennis and Cricket Club.

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