Montag, 24.06.2019

Kopfstoß von Thorsten Schmitt: Der entlüftete Schiedsrichter

Kopfstoß
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Kei­ne Be­we­gung! Oder es wird nicht ge­schos­sen! So un­vor­s­tell­bar die­ser Satz bei ei­nem Po­li­zei­film ist, so ... nun gut, auch beim nächsten Elfmeterkrimi werden wir ihn kaum hören. Der Schiedsrichter könnte ihn aber sagen - völlig regelkonform. Denn seit dem 1. Juni fordern die Fußball-Wettbewerbsbestimmungen für die Ausführung eines Strafstoßes ausdrücklich: »... die Torpfosten, die Querlatte und das Tornetz dürfen sich nicht bewegen.«

Hatten die Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) etwa Erdbeben und Orkane im Sinn, als sie diesen neuen Passus formulierten? Egal, jedenfalls hat das hehre Gremium an 13 der 17 Regeln Hand angelegt. Hat präzisiert und modifiziert, um den Fußball besser gegen Unwägbarkeiten zu wappnen.

Neues zum Handspiel

Vor allem bei einem leidigen Thema, das offiziell nicht mehr »absichtliches Handspiel«, sondern »Handspielvergehen« heißt. Weil es von nun an unerheblich ist, ob ein Spieler vorsätzlich mit Hand oder Arm einen Treffer erzielt oder dadurch zu einer Chance kommt: kein Tor!

Schiedsrichter Felix Zwayer hält die umstrittene Elfmeter-Szene nach wie vor für eine nicht eindeutige Spielsituation.
Foto: Peter Kneffel

In anderen Fällen dagegen spielt die Absicht sehr wohl eine Rolle; da sei jedem Spieler zu einer natürlichen Zurückhaltung geraten. Winkt er etwa einer hübschen Fotografin am Spielfeldrand zu, sollte er dies schüchtern mit der Hand vor dem Körper tun. Springt ihm dabei zufällig der Ball daran, kein Vergehen! Wirbt er dagegen allzu euphorisch mit ausgestrecktem Arm um die Gunst der Dame, ist das auch fußballerisch zu übergriffig.

Treffer weg, Gelb bleibt

Langsam sollten es zudem Torschützen angehen lassen, die keine Verwarnung kassieren wollen. Weiterhin gilt, dass das Ausziehen des Trikots beim Jubel mit Gelb geahndet wird. Die Neuerung ist dem Videoschiedsrichter geschuldet: Sollte der Treffer zurückgenommen werden, behält die Karte ihre Gültigkeit, »? da die Wirkung (Gefährdung der Sicherheit, Schädigung des Ansehens des Fußballs, etc.) dieselbe ist.« Mal schauen, wann der erste Angreifer mit Gelb-Rot vom Spielfeld schleicht, nachdem er zweimal umsonst das Image seines Sports beschädigt hat.

Möglich, dass er im Kabinengang von seinem wütenden Coach begleitet wird. Denn Trainer und Betreuer reizen künftig mit beim Kartenspiel. Ist der Täter auf der Bank nicht eindeutig zu ermitteln, haftet übrigens der Chefcoach.

Contenance ist also angesagt, gerade gegenüber den Referees, die regeltechnisch bislang als Luft behandelt wurden. Damit ist Schluss: Der Schiedsrichter gilt ab sofort als ein Mensch aus Fleisch und Blut, der den Ball nicht spielbeeinflussend berühren darf.

Noch einmal zittern

Wie eingangs erwähnt, gelten die aufgeführten und weitere Neuerungen - etwa bei Auswechslungen, Freistoßmauern und Abstößen - ab dem 1. Juni. Eine Ausnahme bildet das Finale der Champions League an diesem Samstagabend zwischen dem FC Liverpool und Tottenham Hotspur. Noch einmal dürfte Jürgen Klopp seine blendend weiße Zähne vor dem vierten Offiziellen fletschen, ohne dafür mindestens Gelb zu sehen. Noch einmal kann der Referee einen Ball ins Tor abfälschen. Noch einmal dürfen Pfosten, Latte und Netz im Angesicht des Strafstoßschützen zittern.

Thorsten Schmitt

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