Samstag, 17.08.2019

Kopfstoß von Oliver Banach: Warum die Kicker von Flora Tallinn in Frankfurt das Spiel ihres Lebens spielten

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Eintracht Frankfurt - FC Flora Tallinn 2:1
Die Frankfurter Ultras feiern Gert Krams von Tallinn nach dem Spiel.
Foto: Arne Dedert (dpa)
Am En­de wa­ren sie sch­licht ge­plät­tet. Ein­fach »Dan­ke« woll­ten sie sa­gen, die tap­fe­ren Ki­cker aus Tal­linn. »Dan­ke« für ei­ne tol­le At­mo­sphä­re, die sie so noch nie er­lebt hat­ten. Aus der klei­nen Ges­te wur­de ei­ne gro­ße - und ein un­ver­gess­li­ches Er­leb­nis für die Es­ten.

»Wahnsinn«, hatte Sitznachbar Frank Liivak vor gut zwei Wochen schon gesagt. Wie der Zufall es wollte, flog das Team aus Tallinn just im selben Flieger nach Frankfurt, wie der Verfasser dieser Zeilen. Der eine zurück vom Urlaub in die Heimat, die anderen zurück vom Europa-League-Quali-Spiel in Nis.

Klar, dass dem nächsten Gegner der Eintracht ein paar Videos von Choreos und Stimmung im Waldstadion gezeigt wurden. Das Handy wanderte quer durch den Flieger, kaum einer der Esten, der nicht schwer beeindruckt war. Nur, dass die Quali-Partie bereits ausverkauft sei, 48 000 auf Tallinn warten, das wollte keiner glauben.

Daheim spielen sie vor gut 1000 Fans, auch in Nis herrschte eher Tristesse. »Alles schmutzig, runtergekommen. Furchtbar, auch die Atmosphäre«, erzählte der estnische Nationalspieler hoch über den Wolken und freute sich auf die Duelle gegen die Bundesliga-Prominenz.

Tolle Fans, tolle Gäste

Zwei Wochen später konnte auch er es nicht fassen. Die Realität hatte die Erwartungen weit übertroffen. Die Eintracht-Kurve feierte nach Abpfiff die Gäste ob ihres sympathischen und sportlich durchaus ordentlichen Auftritts. Die waren so beeindruckt, dass sie ihre Trikots an die Frankfurter Fans verschenkten, zu den Eintracht-Anhängern auf den Zaun stiegen, abklatschten. Sogar die Kapitänsbinde flog in die Kurve. Erst als die Esten in der Kabine verschwunden waren, wurde das eigene Team für den 2:1-Sieg gefeiert.

»Die Fans der Eintracht waren großartig«, sagte Jürgen Henn, der Trainer der Esten. »Wir sind nach dem Spiel in die Kurve gegangen, um uns zu bedanken, weil das für uns die beste Atmosphäre war, die wir je erlebt haben.«

Und Tallinn war vorgewarnt. Vielleicht sollten sie demnächst mal in Vaduz anrufen. Nicht, dass die Liechtensteiner in zwei Wochen völlig unvorbereitet auf die Eintracht und ihre Fans trifft.

Ihre Meinung zum Thema: lesermeinung@main-echo.de

Oliver Banach

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