Montag, 22.07.2019

Kopfstoß von Manfred Weiß: Rapinoe und brave Deutsche

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Megan Rapinoe
Mit Trump nichts am Hut: Megan Rapinoe aus den USA bejubelt ein Tor.
Foto: Ding Xu

Ein deut­scher Sport­ler, der nicht nur Flos­keln ins Re­por­ter-Mi­kro spricht. Der sagt, wenn ir­gend et­was da­ne­ben läuft. Der den Rü­cken durch­drückt und vor Sport­funk­tio­nä­ren oder Po­li­ti­kern nicht den Schwanz ein­zieht! Fällt Ih­nen da je­mand ein? Manfred Weiß hat sich darüber rund um die Frauen-Fußball-WM Gedanken gemacht.

Auf Anhieb vermutlich nicht. Man muss wohl lange kramen im Gedächtnis - und kommt dann vielleicht auf Diskuswerfer Robert Harting! Der hatte im Sommer 2016 den IOC-Präsidenten Thomas Bach mal als »Teil des Doping-Systems« bezeichnet. Grund: Trotz nachgewiesenen Staatsdopings hatte der sinistre Sportverband unter Regie des Tauberbischofsheimer Funktionärs das russische Team nicht komplett von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ausgeschlossen. »Ich schäme mich für ihn«, so Harting damals. Aber - wie beschrieben - das ist lange her! Im Normalfall sind Athleten stromlinienförmig bis zum Gehtnichtmehr.

Wandelnder Protest

Das kann man von Megan Rapinoe nun wirklich nicht behaupten. Die Kapitänin der US-amerikanischen Frauenmannschaft nutzt die Fußball-WM in Frankreich nicht nur zu vorzüglichen sportlichen Leistungen, sondern auch zu markanten Aussagen von stark medialer Relevanz. »Du kannst kein Turnier ohne Homosexuelle in deinem Team gewinnen«, behauptete sie - eine steile These, die dem trivial Heterosexuellen nicht per se einleuchtet. Und dann fiel die Power-Lady, die mit der Basketballerin Sue Bird liiert ist, ins beliebte Trump-Bashing ein. »I'm not going to the fucking White House« dröhnte Rapinoe. Niemals würde sie eine Einladung in das »beschissene Weiße Haus« annehmen. Das muss man wohl so deutlich sagen, wenn man sich selbst wie »ein wandelnder Protest fühlt«.

Gerne mal Skandalnudel!

»Fucking Deutscher Bundestag«!!! Eine solche Schmähung harrt in Deutschland noch der Artikulation. Aber wer weiß schon, ob nicht auch hierzulande irgendwann ultrarechte Knallchargen das Sagen haben. Klar, dass die gesellschaftliche Spaltung Amerikas deftige Wortsalven provoziert. Aber die US-Kickerinnen scheinen auch ganz gerne in die Rolle der Skandalnudeln zu schlüpfen. So hat schon die ebenso aparte wie eigenwillige Ex-Torhüterin Hope Solo immer wieder kräftig ausgeteilt. Die Schwedinnen bezeichnete sie mal leichthin als »Feiglinge« und ihre ehemalige Trainerin, die Solo aus der Nationalelf verbannt hat, bezichtigte sie, keine Leaderin zu sein.

Das immerhin konnte Jill Ellis nun locker kontern - mit dem Einzug ins WM-Endspiel am Sonntag um 17 Uhr gegen die Niederlande. Unbedingt anschauen - mit Bambule ist zu rechnen!

Manfred Weiß

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