Samstag, 21.09.2019

Ein Kopfstoß von Thorsten Schmitt: Die Währung Neymar

Kommentar
Kommentieren
Neymar. Foto: Andre Penner (dpa)
Foto: Andre Penner
Ein Ney­mar! Das klingt doch schon wie ein Zah­lungs­mit­tel und lie­ße sich ganz un­auf­fäl­lig in ei­ne Lis­te of­fi­zi­el­ler Wäh­run­gen ein­rei­hen: Dir­ham, Es­cu­do, Ney­mar, Pe­so, Rand, Rial. Doch wie viel ist so ein Ney­mar wert? Dar­um wird hef­tig ge­feilscht die­ser Ta­ge in der ent­g­renz­ten Fuß­ball­welt, schreibt unser Sportredakteur Thorsten Schmitt in seinem Kopfstoß.

Es sind schwindelerregende Misch-Kalkulationen, die die Großvereine Paris St. Germain, FC Barcelona und Real Madrid da anstellen. 120 Millionen Euro plus Modric (Vorname: Luka, amtierender Weltfußballer) soll Real PSG zwischenzeitlich geboten haben, um Neymar zu bekommen. Die Franzosen wiederum wollen sich augenscheinlich die Erzrivalität der Königlichen mit Barca zunutze machen und die Währungsspekulationen um den abtrünnigen Brasilianer vollends ausreizen. Dem Vernehmen nach hat der französische Meister den Katalanen folgenden Tauschkurs vorgeschlagen: Neymar gegen 100 Millionen Euro plus Coutinho (Vorname: Philippe, geschätzter Marktwert: 80 Mio.), Semedo (Vorname: Nelson, Marktwert: 40 Mio.) und einen weiteren Spieler.

Der sportliche Wert?

Der sportliche Wert bei dem ganzen Geschachere? Sicher kann ein Neymar besser kicken als die meisten anderen. Er kann dazu außergewöhnlich theatralisch hinfallen und länger auf dem Boden rollen als eine Euromünze tellert. Und herrlich bockig kann er sein, wenn Club und Mitspieler nicht nach seiner Pfeife tanzen.

Das ist aber alles zweitrangig. Ein Neymar lässt sich vor allem vermarkten. Mit ihm kann man Millionen Fußballfans Milliarden aus den Taschen leiern - und zwar echtes Geld. Dagegen werfen Modric und Coutinho nur Peanuts ab.

Würde es sich bei den gehandelten Spielern nicht um Millionäre mit durchaus überschaubaren Arbeitszeiten handeln, man müsste von Menschenhandel sprechen. So ist es eben nur Irrsinn - mit Neymar im Zentrum. Er ist 2017 mit seinem 222-Millionen-Euro-Transfer von Barca zu PSG zur Referenzwährung dieses absurden Spiels geworden. Ob er rein fußballerisch das Zeug hätte, einer der wirklich Großen seiner Zunft zu werden, wird wohl für immer eines bleiben: reine Spekulation.

Thorsten Schmitt

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!