TVG will dem frechen Aufsteiger Rostock mit Teamwork begegnen

Handball
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Großwallstadts Linksaußen Moritz Klenk beim Torjubel.
Foto: Stefan Gregor
Hand­ball ist bis­wei­len ein är­ger­li­ches Ge­schäft. Flo­ri­an Ei­sen­trä­ger kann ein Lied da­von sin­gen. Der Ka­pi­tän des TV Großwall­stadt muss­te nach Ope­ra­tio­nen an bei­den Leis­ten vor der Sai­son lan­ge auf sei­nen ers­ten Ein­satz war­ten. Erst­mals voll auf der Höhe nach lan­ger Ver­let­zung war er ver­gan­ge­nen Sonn­tag. Er zeigte beim 36:26-Kantersieg gegen den TSV Bayer Dormagen eine starke Leistung, traf dreimal blitzsauber - und verletzte sich erneut.

Wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel wird der Kapitän mehrere Wochen fehlen. Schon am Samstag gegen den HC Empor Rostock richten sich die Blicke zwangsläufig auf Moritz Klenk, der es nun auf Linksaußen richten soll.

Der Routinier Eisenträger und der Youngster Klenk zählten im Spiel gegen Dormagen zu insgesamt fünf TVG-Spielern, die extrem treffsicher agierten und sich keinen einzigen Fehlwurf leisteten. Überhaupt war das Team gegenüber dem mutlosen Auftreten beim 25:29 drei Tage zuvor gegen Rimpar kaum wiederzuerkennen. Die Mannschaft von Trainer Ralf Bader sprühte vor Energie und Spielwitz und war auf allen Positionen torgefährlich. Mario Stark und Kuno Schauer führten klug Regie. Sie ließen den Ball im Rückraum geschickt zirkulieren, so dass sich Tom Jansen und auch der durch eine Rückenverletzung gehandicapte Savvas Savvas in Szene setzen konnten. Trainer Bader: »Wir hatten nur drei technische Fehler - das ist für uns ein absoluter Spitzenwert.« Auch der Coach hat ein Extralob für das Spielmacher-Duo Stark/Schauer parat: »Für die beiden stand nur ein Wurf aufs Tor zu Buche, jeder hatte aber acht Assists. Die Breite in unserem Spiel und die überraschenden Akzente haben mich stark an unseren Sieg in Hagen erinnert.«

Wichtig fürs Selbstbewusstsein

Trotz der Erleichterung, die nach dem Abpfiff im TVG-Lager festzustellen war, fordert Bader »eine richtige Einordnung«. Bayer hatte seiner Meinung nach wegen der langen Spielpause als Folge von Coronafällen bei einigen Gegnern sein »Potenzial nicht aufs Parkett bringen können«. Dennoch taugt der souveräne Sieg dazu, dem zwischenzeitlich durch sechs Infektionen selbst aus dem Tritt geratenen TVG neue Sicherheit einzuimpfen. Und Selbstbewusstsein wird nötig sein, wollen die Blau-Weißen am kommenden Samstag gegen Empor Rostock bestehen und in der Tabelle zum unteren Mittelfeld aufschließen.

Die Mannschaft von der Ostsee hat als Aufsteiger einen Bilderbuchstart hingelegt. In zwei Heimspielen bezwang Rostock die Bundesligaabsteiger Nordhorn-Lingen (22:19) und Coburg (29:27), ehe man sich durch einen Sieg bei den Rimpar Wölfen (27:25) auch in der Fremde sofort Respekt verschaffte. Mit 13:9 Punkten steht das Team von Trainer Till Wiechers auf dem sechsten Tabellenplatz. Auswärts hat Empor 4:4 Punkte geholt und war in jedem Spiel auf Augenhöhe: ganz sicher bei den Siegen in Rimpar und Lübeck (je 27:25), aber auch bei den knappen Niederlagen in Dresden (34:35) und Eisenach (26:27). Dass Rostock wie Mitaufsteiger Eintracht Hagen das Tableau der angestammten Zweitligateams ordentlich durcheinanderwirbeln könnte, hatten Experten vor Saisonbeginn erwartet - auch Ralf Bader.

Taktikfuchs Wiechers

Natürlich war der TVG-Coach erleichtert über den starken Auftritt seines Teams gegen Dormagen. »Es war eine ganz andere Energie zu spüren als gegen Rimpar. Schon in den beiden Trainingseinheiten zuvor war fest- zustellen, dass sich in den Köpfen eine Wendung zum Positiven hin vollziehen würde.« Jetzt fordert Bader von seinen Spielern, dass sie weiter an den gegen Bayer wieder entdeckten »Basics« festhalten. »Kampfkraft und Emotionen - das brauchen wir auch, um Rostock zu besiegen.« Der Gegner aus dem hohen Norden wird dem TVG alles abverlangen. Hohe individuelle Qualität, das taktische Verständnis von Trainer Wiechers und die Bereitschaft der Mannschaft, den Matchplan ihres Coaches diszipliniert umzusetzen - das sind für Bader die Trümpfe der Rostocker.

Kampfkraft und Emotionen - das brauchen wir auch, um Rostock zu besiegen.

Im Angriff bringt Wiechers oftmals den siebten Feldspieler. Dann agiert Rostock auch mal mit zwei oder sogar drei Kreisläufern. In der Abwehr spielen die beiden Torhüter Leon Mehler und Robert Wetzel eine starke Saison. Gleiches gilt für den pfeilschnellen Rückraumakteur Robin Breitenfeldt sowie für Kreisläufer Jonas Thümmler, der vor der Saison aus Dresden an die Ostsee wechselte. Im linken Rückraum sind Tim Völzke und Jonas Ottsen torgefährlich, rechts sorgt Philipp Asmussen für spielerische Akzente.

Nicht vogelfrei-kreativ agieren

Nach den Dormagen-Erfahrungen muss es das Ziel des TVG sein, den HC Rostock ein Stück weit mit dessen eigenen Mitteln zu schlagen. Statt sich in »vogelfreier Kreativität« - so Bader - zu versuchen, sollen seine Handballer selbstbeherrscht und mit Teamwork auf das disziplinierte Spiel der Gäste reagieren.

Die Blicke der Fans werden dabei auch auf Moritz Klenk ruhen, der den verletzten Eisenträger wohl bis zur Winterpause ersetzen muss. Der Kapitän glaubt, dass das gut gelingen kann, auch wenn es dem erst 19-Jährigen »in den letzten Spielen gut getan« habe, »nicht die ganze Last allein tragen zu müssen«.

Beim Namen Klenk müsste es älteren Rostockern übrigens in den Ohren klingeln. Denn Vater Udo war es, der am 29. April 1979 in einem deutsch-deutschen Finale in der Rostocker Sport- und Kongresshalle zweimal traf. Es war sein Beitrag zur knappen 16:18-Niederlage des TVG, die den Unterfranken nach einem 14:10-Heimsieg erstmals den Europapokal der Landesmeister bescherte.

Handball, 2. Bundesliga, Saison 2021/22, 13. Spieltag

SG BBM Bietigheim - HC Elbflorenz; ASV Hamm-Westfalen - VfL Eintracht Hagen; TuSEM Essen - VfL Lübeck-Schwartau; TSV Bayer Dormagen - TV Emsdetten; EHV Aue - ThSV Eisenach; Eulen Ludwigshafen - TuS Ferndorf; HSG Nordhorn-Lingen - VfL Gummersbach; HSC Coburg - DJK Rimpar Wölfe; TV Großwallstadt - HC Empor Rostock (Samstag, 27. November, Untermainhalle Elsenfeld, 19.30 Uhr); TV Hüttenberg - Dessau-Rosslauer HV

Wir berichten live!

Wir begleiten den TV Großwallstadt am Samstag beim Spiel gegen den HC Empor Rostock: Fundierte Vorberichte, Zwischenstände, aktuelle Einschätzungen, Fotos und Videos - das alles gibt es ab 18.30 Uhr LIVE in unserem Handball-Blog.

Abrufbar ist der Handball-Blog in der ME-App und unter main-echo.de/handball

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