Der 29-jährige Schiedsrichter Nicolai Fleckenstein aus Goldbach ist in die Landesliga aufgestiegen

»Zusätzliches Werkzeug« Zeitstrafe

Schiedsrichter
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Beim Finale des Bachgau-Pokals zwischen Mosbach/Radheim und Pflaumheim hat Schiedsrichter Nicolai Fleckenstein schon von der Zeitstrafe Gebrauch gemacht.
Foto: Petra Reith
Im Fuß­ball mar­kiert der 30. Ju­ni Jahr für Jahr ein En­de - das der vor­aus­ge­gan­ge­nen Sai­son. Für Ni­co­lai Fle­cken­stein hat am 30. Ju­ni 2022 ein neu­er Le­bens­ab­schnitt be­gon­nen: Sei­ne Frau Ju­lia hat Sohn Rio zur Welt ge­bracht. »Das ist das Sc­höns­te über­haupt«, sagt der frisch­ge­ba­cke­ne Va­ter: »Die Familie steht über allem.«

Auch über dem Fußball, in dem es für den Schiedsrichter Fleckenstein in der abgelaufenen Spielzeit aber ebenfalls bestens lief. Nach nur einem Jahr in der Bezirksliga ist der 29-jährige Industriekaufmann in die Landesliga aufgerückt. Dass es so schnell gehen würde, hat er nicht unbedingt erwartet. »Der direkte Aufstieg war aber natürlich das Ziel. Es darf noch weitergehen«, sagt Fleckenstein, der in Goldbach wohnt und für den TSV Keilberg pfeift.

Erst einmal etablieren

Zunächst einmal will er sich allerdings in der sechsthöchsten Spielklasse etablieren. »Wie man hört, ist das noch mal ein großer Schritt in die Verbandsklasse.« Nicht unbedingt wegen größerer Kulissen, ein Zuschauermagnet ist die Landesliga nicht gerade. Auch was die fußballerische Qualität angeht, geht Fleckenstein nicht von einem riesigen Unterschied aus. Er rechnet jedoch damit, auf »schwierigere Charaktere« zu treffen - zum Beispiel auf Spieler mit Erfahrung aus höheren Klassen, die sich nun in der Landesliga verdingen.

Fleckenstein selbst hat als Spieler bis zur Bezirksliga gekickt, zuletzt in der Saison 2017/18 für die Keilberger. »Nach dem dritten Schlüsselbeinbruch - alle links - war aber Schluss.« Er wandte sich wieder der Schiedsrichterei zu, mit der er erstmals 2013 angefangen, zwischenzeitlich jedoch zugunsten des Spielens ausgesetzt hatte. »Nach meinem dritten Platzverweis als Spieler - natürlich völlig unberechtigt - wollte ich auch einmal die andere Sicht des Fußballs einnehmen«, erklärt er augenzwinkernd den ersten Antrieb, zur Pfeife zu greifen.

Selbst lange am Ball gewesen zu sein - Fleckenstein lief für Goldbach, Hain, Großwelzheim, Unterafferbach und eben Keilberg auf -, helfe ihm als Schiedsrichter enorm. »Ich weiß, wie Spieler ticken. Ich kann eher absehen, ob es gleich knallt«, sagt der 29-Jährige. Einen weiteren Vorteil sieht er in seiner Größe von 1,97 Meter: »Definitiv!« Schließlich habe er dadurch einen guten Überblick über das Geschehen.

Regelverstöße sind eine Sache, schlimmer allerdings findet Fleckenstein ungebührliches Verhalten. Ihm liege daran, »die Sinne wieder für etwas mehr Fairness und einen respektvolleren Umgang miteinander zu schärfen - sowohl auf als auch neben dem Sportplatz«. Gerade die Schiedsrichter und Assistenten, die dies als Hobby machen, sähen sich zum Teil mit »krassen Auseinandersetzungen« konfrontiert. »Ich habe leider das Gefühl, dass speziell seit der Pandemie immer weniger Fehler verziehen werden und die Empathie etwas verloren gegangen ist«, meint Nicolai Fleckenstein, der an der Seitenlinie in der Regel von Peter Flach und Ibrahim Soysal unterstützt wird. Als Ersatzmänner stehen Ferhat Günday, Marcel Simon und sein Bruder Pascal Fleckenstein parat. Er selbst darf als Assistent bis zur Regionalliga mitwirken. »Das wäre für mich natürlich ein Highlight, wenn sich das ergäbe«, sagt Fleckenstein.

Als Schiedsrichter steht ihm künftig »ein zusätzliches Werkzeug« zur Verfügung: die im Seniorenbereich bis zur Landesliga wieder eingeführte Zeitstrafe. Fleckenstein begrüßt die Entscheidung: »Aus meiner Sicht haben wir Schiedsrichter mit der Zeitstrafe jetzt mehr Möglichkeiten zur Verfügung, um auf strafbare Aktionen oder Fehlverhalten von Spielern und Spielerinnen zu reagieren«, sagt der 29-Jährige: »Für Vergehen, wo man bisher gesagt hat, Gelb ist zu wenig, aber Rot wäre letztlich zu streng, haben wir nun mit der Zeitstrafe einen größeren Ermessensspielraum und können auch hiermit ein Zeichen setzen.« Er kann sich gut vorstellen, dass eine befristete Unterzahl positive Wirkung beim betroffenen Akteur und seinem Team zeigt.

»Braucht ein paar Spiele«

Mit Blick auf die Praxis sagt er: »Wie bei jeder Regeländerung braucht es ein paar Spieltage, bis sich alle daran gewöhnen.« Vermehrte Debatten wegen der Zeitstrafe sieht Fleckenstein nicht als Problem: »Diskussionen über die Berechtigung von Verwarnungen oder gar Platzverweisen hast du meist ohnehin auf jedem Sportplatz.«

Die anhaltende Kontroverse um den Video Assistant Referee (VAR) im Profibereich kann der Landesliga-Schiedsrichter nicht nachvollziehen. »Das ist das beste Mittel, das sie eingeführt haben. Es ist der fairste Weg.«

Bei ihren Einsätzen nutzen Fleckenstein und seine Assistenten Headsets als technisches Hilfsmittel. »Absolut empfehlenswert, wenn man es zu nutzen weiß«, meint der 29-Jährige. Der »Input von außen« sei enorm wichtig: »Jedoch darf es nicht ablenken. Du musst dich immer auf das Spiel konzentrieren können.« Das gilt für Schiris wie für Papas.

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