Dienstag, 19.03.2019

"In meinem Alter muss ich regelmäßig spielen"

Philipp Ochs
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Gleich klingelt's: Mit einem Last-Minute-Tor hat Philipp Ochs einen perfekten Einstand bei Aalborg BK gefeiert. »Ich bin zufrieden, dass ich auf einem sehr guten Niveau viel Spielzeit bekomme«, sagt der Wertheimer zu seiner Leihe nach Dänemark. Foto: imago
Foto: Henning Bagger

Mit zwölf Jahren ist Philipp Ochs 2009 von seinem Heimatverein SV Viktoria Wertheim zur TSG 1899 Hoffenheim gewechselt. Vor der aktuellen Spielzeit hat er seinen Vertrag beim Bundesligisten bis 2020 verlängert – und ging auf Leihbasis nach Dänemark. Im Main-Echo-Interview spricht der U21-Nationalspieler über seinen denkwürdigen Einstand, die bisherige Saison und seine Ziele.

Philipp Ochs, wissen Sie, auf welchem Tabellenplatz Ihr Heimatverein SV Viktoria Wertheim aktuell in der Landesliga Nordbaden steht?

Ich weiß, dass sie nicht so gut dastehen, aber auf welchem Tabellenplatz genau weiß ich nicht. Da mein großer Bruder dort mit ins Trainergeschäft eingestiegen ist, bekomme ich schon viel mit über unsere Familiengruppe bei WhatsApp, zum Beispiel wie die Mannschaft gespielt hat. Aber nein, den Tabellenplatz weiß ich gerade nicht.

Wie oft tauschen Sie sich mit Ihrer Familie aus?

Wir schreiben uns jeden Tag in der Familiengruppe. Mit meiner Mama versuche ich, mindestens jeden zweiten Tag über FaceTime (Chat-Dienst für Audio- und Videoanrufe, Anm. d. Red.) zu sprechen. Wir sind also immer in Kontakt.

Stehen Sie auch in ständigem Kontakt zu Ihrem Stammverein Hoffenheim?

Natürlich. da gibt es immer wieder einen Austausch, zwischen Berater und Verein, zwischen mir und dem Verein.

Aalborg ist nach Zweitligist Bochum ihre zweite Leih-Station. Wird es die letzte sein?

Ich hoffe, dass es die letzte wird. (Lacht) Für mich war einfach wichtig, dass ich regelmäßig Spielzeit bekomme und mir einen Stammplatz erkämpfen kann. Da sah es in Hoffenheim nicht so gut aus. Ich bin in einem Alter, in dem ich regelmäßig spielen muss. Mit Aalborg hat alles gepasst und deshalb kam es zu dem Leihgeschäft.

Ihr Einstand in der dänischen Superligaen im August war denkwürdig: Mitte der zweiten Hälfte eingewechselt, in der 90. Minute den 1:0-Siegtreffer erzielt, in der Nachspielzeit Gelb-Rot gesehen? Wie haben Sie Ihr Debüt in der dänischen Superligaen erlebt?

Das ist sicher ein besonderes Spiel gewesen mit Höhen und Tiefen. Ich glaube, das Tor war überragend. Es hat mich riesig gefreut, nach meiner Einwechslung endlich wieder zu treffen. Gelb-Rot war, wie soll ich sagen, ... unglücklich, sage ich mal. Aber das Tor und der Sieg haben das schnell vergessen gemacht.

Wie zufrieden sind mit Ihrer bisherigen Saison in Aalborg?

Auf jeden Fall bin ich zufrieden, dass ich regelmäßig spiele und auf einem sehr guten Niveau viel Spielzeit bekomme. Als Team haben wir aber in den letzten Spielen von den Ergebnissen her nicht so gut performt. Da geht mit Sicherheit mehr.

In der Liga ist Aalborg seit acht Wochen ohne Sieg und auf den siebten Platz abgerutscht. Woran hängt's?

Wir spielen sehr gut. Ich glaube, es liegt daran, dass wir nach einer Führung den Sack nicht zu bekommen, dass wir das zweite, das dritte Tor nicht schießen. Da müssen wir effizienter werden.

Wie schätzen Sie das Niveau der Superligaen im Vergleich zu Deutschland ein?

Mit dem Top-Niveau der Bundesliga, mit dem BVB und Bayern, kann man das nicht vergleichen. Ich würde sagen, es ist ein sehr gutes Zweitliga-Niveau. Teams wie der FC Kopenhagen könnten aber auch in der Bundesliga mitspielen.

Der Modus ist interessant: Die besten sechs der 14 Teams nach Vor- und Hinrunde spielen den Meister aus. Ist das für Aalborg das Ziel?

Auf jeden Fall. Wir wollen uns unter den Top 6 beweisen.

Fast die Hälfte der Spiele endete in der aktuellen Saison unentschieden. In der Bundesliga sind es weniger als ein Drittel. Wird in Dänemark vorsichtiger gespielt? Oder besser verteidigt?

Es ist eine Liga, die sehr leidenschaftlich ist. Da wird mit aller Wucht versucht, das Tor zu verteidigen. Es herrscht eine große Kompaktheit. Deshalb ist es einfach schwieriger, Tore zu schießen.

Sind die Fans auf den Rängen genau so leidenschaftlich wie die Mannschaften beim Verteidigen? Ist die Stimmung mit der in deutschen Stadien vergleichbar?

Es gibt Vereine, die einen unglaublichen Fan-Support haben, aber auch welche, bei denen es ruhiger ist. Ich glaube schon, dass es in Deutschland interessanter ist, stimmungsvoller als in Dänemark.

In der Bundesliga spielen mit den Werksclubs aus Leverkusen und Wolfsburg sowie mit Leipzig und Ihrem Stammverein Hoffenheim Clubs, die bei den meisten anderen Fans gar nicht wohl gelitten sind. Gibt es in der Superligaen vergleichbare Fälle?

Ich glaube, dass die gar nicht so auf die Investoren gucken. Die Fans stehen hinter ihrer Mannschaft und lassen die anderen in Ruhe.

Für die deutsche U 21 steht kommendes Jahr die EM an. Das bislang letzte Turnier 2017 gewann die DFB-Auswahl. Ist das der Maßstab für das aktuelle Team?

Wir haben untereinander noch keine Ziele abgesprochen. Ziel war es zunächst einmal, uns für die Endrunde zu qualifizieren. Jetzt haben wir mit Holland und Italien zwei Testgegner auf sehr gutem Niveau, mit sehr viel Klasse. Dann haben wir im März noch einen Lehrgang, danach werden wir sehen, wie weit wir mit der Mannschaft sind und welche Ziele, wir uns setzen.

Wo spielt Philipp Ochs nächste Saison?

Stand jetzt bin ich ab dem 1.7. wieder in Hoffenheim. Aktuell mache ich mir darüber keine Gedanken, sondern kümmere mich nur um Aalborg - dass ich dort spiele und wir unsere Ziele erreichen. Im Sommer werden wir dann sehen. Im Fußball geht alles sehr schnell.

Thorsten Schmitt
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