Mittwoch, 14.11.2018

SV Erlenbach siegt vor Arbeitsgericht

Prozess Mittwoch, 22.08.2018 - 17:47 Uhr

Phi­l­ipp Hörst hat die ers­te Run­de ver­lo­ren, doch al­le Zei­chen ste­hen auf Ver­län­ge­rung. Nach­dem der ehe­ma­li­ge Spie­ler des SV Er­len­bach mit ei­ner Kla­ge ge­gen den ak­tu­el­len Fuß­ball-Lan­des­li­gis­ten ge­schei­tert ist, wol­len der 27-Jäh­ri­ge und sein An­walt Axel Schwab al­ler Vor­aus­sicht nach in Be­ru­fung ge­hen.

Hörst fordert vom SVE die Nachzahlung von 4211,55 Euro Gehalt und Prämien für die Saison 2017/18. Das Arbeitsgericht Aschaffenburg sah am Mittwoch keinen Anspruch.

»Wir haben nichts Anderes erwartet«, sagte Vereinsvorsitzender Erich Czermin nach der Verhandlung gegenüber unserem Medienhaus. Einem möglichen Prozess in nächster Instanz sieht er »ganz entspannt entgegen angesichts des eindeutigen Urteils«.

Keine weiteren Zeugen gehört

Der Vorsitzende Richter Markus Löffler hatte in seiner Begründung angeführt, dass die Klägerseite ihrer Beweislast nicht nachgekommen sei und nicht ausreichend Gründe für eine Beweisaufnahme geliefert habe. Hörsts Anwalt Schwab äußerte gegenüber dem Main-Echo sein Unverständnis, dass keine Zeugen vernommen wurden. Sein Mandant könne unter anderem umfassende SMS-Chats mit Vertretern des SV Erlenbach vorlegen.

Der strittigste Punkt: Hörst, der insgesamt vier Spielzeiten für den SVE in der Bayernliga auflief, behauptet, er habe neben dem üblichen Spielervertrag noch eine Vereinbarung über Prämien unterzeichnet. Letztere »auf dem Weg vom Parkplatz in die Kabine«. Abschriften beider Kontrakte habe der Verein ihm nicht ausgehändigt. Beim Bayerischen Fußball-Verband ist nur der Grundvertrag hinterlegt.

Club bestreitet Prämienvertrag

Clubchef Czermin bestreitet, das Hörst zusätzlich zum monatlichen Basisgehalt von 250 Euro - der vorgeschriebenen Mindestsumme für Vertragsfußballer - und einer Fahrtkostenpauschale Erfolgsboni zugesichert worden seien. »Es gab mit Philipp Hörst keine weiteren Absprachen«, betonte er nach der Sitzung.

In der Verhandlung hatte Czermin lediglich bestätigt, dass einige andere Spieler Prämien bekämen. Gegenüber unserer Redaktion berichtete er von überhöhten Forderungen einiger Akteure bei den Vertragsgesprächen für die laufende Saison: »Wir haben einige Spieler ziehen lassen, die das Doppelte verdienen wollten.«

Zurück zum Heimatverein

Hörst, der mittlerweile zu seinem Heimatverein FSV Wörth zurückgekehrt ist, nannte vor Gericht die genaue Summe, die er dem SVE vergangenes Jahr präsentiert hatte: »Ich habe 653,17 Euro aufgerufen. Ich hatte mich mit Verhandlungsstrategien beschäftigt.« Da würden krumme Zahlen empfohlen. Der Verein habe auf den 250 Euro Grundgehalt bestanden - allerdings plus Boni. »Es gibt keinen zusätzlichen Prämienvertrag mit dem Kläger«, unterstrich SVE-Anwalt Michael Pfeffer. Er erteilte der Anregung des Vorsitzenden Richters, einen Vergleich zu erreichen, eine entschiedene Absage: »Dem Verein wird es sehr schwer fallen, Herrn Hörst auch nur einen Cent zu zahlen.«

Als Grund nannte Pfeffer einen Artikel in der jüngsten Ausgabe der Prima-Sonntag, in dem gleich drei - namentlich nicht genannte - ehemalige Spieler dem Verein ausstehende Zahlungen vorwerfen. Zudem ist von Handgreiflichkeiten die Rede.

»Noch nie ist es bei uns zu Handgreiflichkeiten gekommen - noch nie«, beteuerte der Vorsitzende Erich Czermin. »Ich würden gerne wissen, welche Spieler das waren.« Über Hörsts Anwalt fand der Artikel sogar Eingang in die Prozessakten, die aller Voraussicht nach noch anwachsen dürften.

Thorsten Schmitt

Hintergrund: Neben Prämien will Hörst Grundgehalt und Anteil an Sponsorengeld

93 Partien in der Bayernliga Nord für den SV Erlenbach hat Defensivmann Philipp Hörst von der Saison 2014/15 bis zur vergangenen Spielzeit absolviert. Zu seinen vorigen Stationen zählen Viktoria Aschaffenburg und die Offenbacher Kickers, für die er in der U 19-Bundesliga aufgelaufen war.

Seinen letzten Einsatz für den SVE hatte Hörst am 4. November 2017 im Heimspiel gegen den Würzburger FV, in dem er nach einer halben Stunde wegen einer Knieverletzung vom Feld musste.

Weil Hörst danach auch nicht mehr am Mannschaftstraining teilnahm, zahlte der Verein die monatlichen 250 Euro aus dem Spielervertrag nicht mehr. Für die Monate November 2017 bis Juni 2018 summiert sich dieses Grundgehalt auf 2250 Euro – etwa die Hälfte des Betrags, den Hörst vom SVE fordert. Im Prozess am Mittwoch stellte der Vorsitzende Richter Markus Löffler mehrfach fest, dass der Spieler dem Verein keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorgelegt habe. Auch nicht Ende März, nachdem bei einer weiteren Untersuchung ein Knorpelschaden diagnostiziert worden war, der eine mittlerweile erfolgte Operation notwendig machte.

Die Behandlungskosten, welche die Berufsgenossenschaft bislang nicht übernommen hat, sind ein weiterer Streitpunkt zwischen Hörst und dem SVE, der aber nicht Gegenstand des aktuellen Verfahrens war.

In dem Prozess berichtete Hörst, er habe sich in den ersten Monaten dieses Jahres bei einem Verein nahe seines Studienortes Heidenheim fit gehalten. Dort habe er auch in den Vorjahren schon mittrainiert. »Das war kein Problem. ›Komm, wenn du kannst‹, hat es geheißen«, sagte Hörst.

Dritter Bestandteil seiner Geldforderung von insgesamt 4211,55 Euro war eine vorgebliche Sponsorenvereinbarung. Der Verein habe ihm versprochen, ihn zu beteiligen, wenn er seinen Onkel, einen Geldgeber des SVE, überzeuge, dass dieser sein Engagement erhöht. Den Anspruch auf in diesem Fall 250 Euro konnte Hörst aber aus Sicht des Gerichts ebenfalls nicht belegen. (tees)

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