Donnerstag, 19.07.2018

Rainer Bonhof: Borussias Tradition ist wesentlicher Teil unserer DNA

Interview Dienstag, 10.07.2018 - 13:12 Uhr

Mönchengladbachs Vizepräsident spricht über die Bedeutung der Vereinsgeschichte im heutigen Profi-Fußball

Die Tra­di­ti­ons­mann­schaft des Fuß­ball-Bun­des­li­gis­ten Bo­rus­sia Mön­chen­g­lad­bach gas­tiert am Sams­tag, 14. Ju­li, auf dem Glatt­ba­cher Sport­ge­län­de am Pfaf­fen­berg. Die Elf, die nach dem le­gen­dä­ren Trai­ner Hen­nes Weis­wei­ler be­nannt ist, spielt ge­gen den hei­mi­schen FSV, der heu­er sein 90-jäh­ri­ges Be­ste­hen fei­ert. Main-Echo-Redakteur Manfred Weiß hat aus diesem Anlass Fragen gestellt zur Bedeutung von Tradition im heutigen Profi-Fußball, der frühere Bundesliga- und Nationalspieler sowie heutige Borussia-Vizepräsident Rainer Bonhof hat sie beantwortet.

Borussia Mönchengladbach hat eine Respekt gebietende Tradition vorzuweisen – dank vieler besonderer Spielmomente, kantiger Charaktere und lockerer Sprüche. »Abseits ist, wenn dat lange Arschloch mal wieder zu spät abgespielt hat«, lautet ein solches, sehr markantes Zitat. Bitte erklären Sie doch unseren jüngeren Lesern, was es mit der Äußerung auf sich hat.
Bonhof: Das ist ein Spruch, den man unserem damaligen Trainer Hennes Weisweiler zugesprochen hat. Er soll damit Günter Netzer (einstige streitbare Mittelfeld-Ikone der Borussia, Anm. d. Red.) gemeint haben, man hat den beiden damals eine Hassliebe nachgesagt.

Hennes Weisweiler ist auch der Namensgeber für die Tradition-Elf der Borussia. Jenseits aller Klischees: Worin liegt Ihrer Meinung nach die besondere Leistung dieses ehemaligen Trainers?
Bonhof: Er war der Macher der Fohlenelf. Er hat Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga an die Spitze und zu internationaler Bekanntheit geführt. Hennes Weisweiler war durch seine Tätigkeit an der Sporthochschule unheimlich gut vernetzt und hat viele Talente nach Gladbach geholt. Aus denen hat er dann eine Spitzenmannschaft geformt.

Bundesligaclubs wie RB Leipzig oder VFL Hoffenheim haben an Tradition im Vergleich zur Borussia wenig vorzuweisen. Wie wichtig ist denn die reichhaltige Geschichte des Vereins für die Stellung des Clubs im deutschen Profi-Fußball?
Bonhof: Wir sind stolz auf unsere Geschichte. Die Fohlen-Philosophie, die auf diese Geschichte zurückgeht, ist heute ein wesentlicher Teil unserer DNA, sie ist Teil unseres Markenkerns. Aber man muss auch aufpassen, dass man sich nicht in der Tradition verliert und in den alten Zeiten hängen bleibt. Wir wollen traditionsbewusst sein, aber nicht traditionell.

Wie hat die Borussia ihre Traditionspflege organisiert?
Bonhof: Wir haben zwei Leute, die sich darum kümmern: unseren Archivar Elmar Kreuels und meinen ehemaligen Mannschaftskameraden Herbert Laumen. Die beiden halten die Kontakte zu den früheren Spielern und sorgen dafür, dass bei Borussia niemand in Vergessenheit gerät. Aus dem Präsidium und der Geschäftsleitung kommt die Unterstützung für diesen Weg.

In den Siebziger Jahren wurde der Begriff »Fohlenelf« geboren, weil die Borussia durch schnellen, offensiven Fußball die Herzen vieler Fans in ganz Deutschland eroberte. Spielt ein solcher Begriff, wenn er etwa über den Slogan »Der Mythos lebt«, bedient wird, auch eine Rolle im operativen Geschäft, etwa bei der Auswahl neuer Spieler?
Bonhof: Für uns gibt es keine Alternative zu dem Weg, junge Spieler auszubilden oder sie zu finden und zu Borussia zu holen. Dabei hilft weniger die große Geschichte des Vereins, sondern mehr unsere Entwicklung in den letzten zehn Jahren. Junge Spieler sehen, dass sie bei uns den Durchbruch schaffen können, das macht Borussia reizvoll für Talente.

Die goldenen Zeiten der Borussia liegen 40 Jahre zurück. Hand aufs Herz: Interessieren sich die Spieler der aktuellen Bundesligamannschaft überhaupt noch für Büchsenwürfe und Pfostenbrüche auf dem Bökelberg, Günter Netzers Vorliebe für Ferraris oder Zitate von Hennes Weisweiler?
Bonhof: Den jungen Leuten sollte man nicht ständig mit alten Geschichten kommen. Aber Sie können sicher sein, dass es vielen Spielern sehr wichtig ist, dass sie in einen Club mit Tradition und einer großen Anhängerschaft kommen. Und so ein Club sind wir.

 

Hintergrund: FSV Glattbach empfängt Weisweiler-Elf

Über Langeweile braucht sich die Weisweiler-Elf nicht zu beklagen. Ihr Saisonkalender ist fast so voll wie ein Bundesligaspielplan. Bei ihren Auftritten hat sich die Traditionsmannschaft von Borussia Mönchengladbach immer wieder auch illustrer Gegner zu erwehren. Da versucht schon mal ein Team aus Winzern oder eine Zirkus-Mannschaft, den Ex-Profis den Schneid abzukaufen, und vor einiger Zeit hatten Weisweilers Nachfahren sogar eine Auswahl des Vatikans zu bezwingen.
Volles Programm im Sommer
In der Regel aber freuen sich Vereinsmannschaften über publikumsträchtige Gastspiele der Elf. Nach dem Auftritt beim FSV Glattbach am kommenden Samstag, 14. Juli, um 18 Uhr auf dem Sportgelände am Pfaffenberg tritt die Mannschaft im Sommer noch bei der TSG Leihgestern, TuS Hoppstädten, TUS Burgschwalbach, FC Berdenia Berbourg, TUS Wickrath und VFL 45 Bocholt an.
Mit Pflipsen, Criens, Salou
Karlheinz Pflipsen, Hans-Jörg Criens, Martin Schneider, Peter Wynhoff, Bachirou Salou, Jörg Jung, Andreas Brandts – das sind die bekanntesten Spieler von Borussia Mönchengladbach, die am Samstag mit der Weisweiler-Elf beim FSV Glattbach auflaufen. Als Trainer steht Herbert Laumen an der Seitenlinie. Anlass ist das 90-jährige Bestehen des FSV.
Karten für das Spiel der Traditionsmannschaft vom Niederrhein (Anpfiff: 18 Uhr; Einlass: ab 16.30 Uhr) gibt es an den Vorverkaufsstellen m.ehrlich Sport in Stockstadt, in Glattbach in der Gaststätte zur Gemütlichkeit und in der Frisier & Naildesign Lounge sowie an der Abendkasse. Der Veranstalter rechnet mit 800 bis 1000 Besuchern.

Manfred Weiß

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