Samstag, 19.01.2019

Profifußballer Thilo Wilke: Aus Unterfranken über die USA nach Australien

Interview
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Thilo Wilke hat in den USA zwei Jahre lang für die Shaw Bears gespielt, eine College-Mannschaft in Raleigh. Foto: Universität Shaw
Foto: Universität Shaw
Zentrale Figur: In Florida hat Thilo Wilke (Mitte) als Kapitän ein Tor gegen die Profimannschaft Jacksonville Armada erzielt. Foto: privat
Foto: privat

Thilo Wilke hat nach zwei College-Jahren in den USA als Fußballprofi in Adelaide unterschrieben. Die Freundin des hat der 27-Jährigen will mitkommen.

Zwei Jah­re lang hat Thi­lo Wil­ke in den USA stu­diert und Fuß­ball ge­spielt. In Ral­eigh, North Ca­ro­li­na, hat der 27-Jäh­ri­ge aus Karl­stadt sein Stu­di­um der Be­triebs­wirt­schafts­leh­re zu En­de ge­bracht - und ist jetzt im Pro­fi­fuß­ball bei den Ade­lai­de Rai­ders, ei­nem aus­tra­li­schen Zweit­li­gis­ten, un­ter­ge­kom­men. Unser Medienhaus hat mit Wilke vor dem Wechsel ans andere Ende der Welt gesprochen.

Erst USA, jetzt Australien: Wie ist es dazu gekommen?
Wilke: Ich bin vor zwei Jahren in die USA gegangen, um mein Englisch aufzufrischen und am College Studium und Fußball zu vereinbaren. Eigentlich wollte ich nur für ein Jahr bleiben, aber es hat mir so gut gefallen, dass ich noch ein zweites angehängt habe.

Und wie hat es Sie jetzt nach Australien verschlagen?
Wilke: Ich habe einen Agenten kennengelernt, der Spieler aus Europa ans College holt. Er war selbst am College und später dann als Profi in Zypern und Australien. Ich habe ihn gefragt, ob er noch Kontakte hat. Bei seinem damaligen Verein in Australien, einem Drittligisten, hat es nicht geklappt, er hat mich aber an einen anderen Verein vermittelt.

An die Adelaide Raiders, einen Zweitligisten, der 1952 von kroatischen Einwanderern gegründet worden ist.
Wilke: Genau. Laut Regularien darf ein australischer Verein nur zwei Ausländer in seinem Kader haben. Ich hatte großes Glück, dass noch ein Platz frei war.

Wie hoch ist das Niveau?
Wilke: Das kann ich kaum einschätzen. Ich vermute, es ist vergleichbar mit der Regionalliga in Deutschland.

Thilo Wilke hat mit fünf Jahren beim FV Karlstadt mit dem Fußballspielen begonnen. Als er später sein Studium aufnahm, wechselte er zum damaligen Landesligisten FT Schweinfurt, ehe er auch für den TSV Karlburg, TSV Aubstadt und TSV Abtswind spielte. Im Januar 2017 landete er schließlich in Raleigh, USA, nachdem er ein Video mit Spielszenen bei diversen Colleges eingereicht hatte, um ein Stipendium zu erhalten.

Wann fliegen Sie nach Australien?
Wilke: Aller Voraussicht nach in zwei Wochen. Ende Februar geht die Saison los. Die Vorbereitung läuft schon seit Mitte Dezember. Ich sollte eigentlich längst dort sein, ich habe aber lange gezögert und auf das ein oder andere Probetraining in den USA spekuliert.

Warum?
Wilke: Hauptsächlich wegen meiner Freundin, die ich in Raleigh kennengelernt habe.

Jetzt aber doch Australien. Warum?
Wilke: Meine Freundin bemüht sich gerade um eine Stelle in Adelaide. Sie kommt also vielleicht mit. Und es ist natürlich auch der Reiz des Neuen. Es geht nicht ums große Geld, aber der Fußball gibt mir die Möglichkeit, noch ein Land zu sehen und den Lebensunterhalt mit meinem Hobby zu bestreiten. Und man muss dazu auch sagen: In den USA ist für mich zuletzt der Alltag eingekehrt.

Wie meinen Sie das?
Wilke: Nach eineinhalb Jahren in Raleigh kennt man jede Ecke, die Innenstadt, die Restaurants. Man entdeckt nichts mehr. Trotzdem weiß ich die Zeit sehr zu schätzen. Ich kann viel mitnehmen.

Zum Beispiel?
Wilke: Ich habe mich vor allem physisch weiterentwickelt. Am College beginnt das Training morgens um 7, also noch vor den Vorlesungen. Einmal hatten wir einen Fitnesstest - um 6. Ich war gerade erst aufgestanden, es war noch dunkel, und auf einmal sollte ich sprinten. Das ist eklig, aber es härtet ab.

In der zurückliegenden College-Saison hat Thilo Wilke in 14 Spielen 17 Tore erzielt. Mit dem Schnitt von 1,21 Treffern pro Spiel war er der zweitbeste aller Angreifer in den gesamten USA, die in der zweiten College-Liga spielen. Das hat ihm eine Berufung in zwei All-Star-Teams eingebracht - eine Auszeichnung, die in den USA eine immense Bedeutung hat. In der Summe war Wilke in 28 College-Spielen 31-mal erfolgreich.

Sprints in den Morgenstunden, unmittelbar nach dem Aufstehen: Das kostet sicher Überwindung.
Wilke: Natürlich. An einem gewissen Punkt habe ich mir aber gesagt: Von nichts kommt nichts. Ich muss jeden Tag einen Ball berühren. Wenn dann mal kein Training war, bin ich selbst auf den Platz gegangen. Mir war klar: Wenn ich mit Fußball eine Zukunft haben will, komme ich da nicht drumherum.

Sie haben auch in den Semesterferien Fußball gespielt, um voranzukommen.
Wilke: Ja. Es gibt eine Liga, in der man drei Monate lang spielen kann. Im ersten Jahr war ich in Rochester, im zweiten in Florida. Da waren die Bedingungen hochprofessionell.

Inwiefern?
Wilke: Ich habe ein Apartment in Florida bekommen und konnte jeden Sonntag eine Essensbestellung für die nächste Woche aufgeben: Nudeln, Obst, Gemüse. Dann konnte ich mich ausschließlich auf den Fußball konzentrieren. Wir hatten jeden Tag um 10 Uhr Training und zusätzlich die Möglichkeit, ins Fitnessstudio zu gehen. Bei Spielen wurden per GPS Daten ermittelt, und bei Auswärtsspielen sind wir manchmal am Vortag angereist und haben im Hotel übernachtet.

Australien ist keine Fußballnation. Cricket, Football und Rugby sind weitaus populärer, doch Fußball ist - wie in den USA - auf dem Vormarsch. Das liegt nicht zuletzt an prominenten Trainern. Derzeit sind etwa Markus Babbel (Western Sydney Wanderers) und Marco Kurz (Adelaide United) in der erstklassigen A-League tätig.

Zwei Jahre in den USA: Was bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?
Wilke: Die beiden Spielzeiten in den Semesterferien. In meinem ersten Spiel in Rochester habe ich vor 1500 Zuschauern das erste Tor der Vereinsgeschichte erzielt. Und in Florida habe ich gegen Jacksonville Armada, eine Profimannschaft, als Kapitän ein Tor zum 3:2 geschossen. Am Ende haben wir 4:2 gewonnen.

Was erwartet Sie jetzt in Australien?
Wilke: Ein Sportplatz mit Tribüne und ein eigener Spind. (Lacht.) Nein, im Ernst: ein Verein, der gerade in die zweite Liga aufgestiegen ist. Es ist eine spannende Sache. Ich bekomme eine Unterkunft und eine Auflaufprämie. Andere Vertragsdetails werde ich noch aushandeln. In fünf Jahren kann ich solche Abenteuer nicht mehr als Fußballer erleben. Deshalb muss ich jetzt die Zeit nutzen.

Irgendwann aber auch sesshaft werden.
Wilke: Ja. Irgendwann will ich kein Wandervogel mehr sein. Dann will ich was Festes finden - vielleicht auch bei einem ambitionierten Verein in Deutschland.

 

Zur Person: Thilo Wilke

Geburtstag/-ort: 20. Juni 1991 in Würzburg

Herkunft: Karlstadt

Beruf: Fußballspieler

Familienstand: ledig, in einer Beziehung

Hobbys: Handball, Freunde, Familie

Größe: 1,78 Meter

Gewicht: 73 Kilogramm

Lieblingsverein: SC Freiburg

Hintergrund

» Irgendwann will ich kein Wandervogel mehr sein. «

Thilo Wilke,künftig Profi in Australien

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