Mittwoch, 26.06.2019

Die Laune-Elf: System, Schlüsselspieler sowie Stärken und Schwächen der Würzburger Kickers

Pokalfinale
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Würzburger Kickers
ARCHIV - Fußball: 2. Bundesliga, Würzburger Kickers - Arminia Bielefeld, 26. Spieltag am 01.04.2017 in Flyeralarm-Arena, Würzburg (Bayern). Würzburger Fans schwingen vor Anpfiff der zweiten Halbzeit Fahnen des Vereins. Ob der Verein am Sonntag nun absteigt oder den Klassenerhalt in der 2. Fußballbundesliga schafft - die Zweitklassigkeit hatte bislang für die Stadt viele Vorteile und hat sich positiv auf den Tourismus ausgewirkt. (zu dpa «Ein Jahr Fußball-Bundesliga - Was hat das in Würzburg gebracht?» vom 18.05.2017) Foto: Nicolas Armer/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Foto: Nicolas Armer (dpa)

An die­sem Sams­tag trifft Vik­to­ria Aschaf­fen­burg auf die Würz­bur­ger Ki­ckers. Im Lan­des­po­kal­fi­na­le geht es nicht nur um ei­nen Ti­tel - son­dern auch um den Ein­zug in den DFB-Po­kal. Doch mit wem be­kommt es der Re­gio­nal­li­gist da über­haupt zu tun? In wel­chem Sys­tem spielt Würz­burg? Wel­che Stär­ken und Schwächen hat die Mann­schaft?

Und warum sind die Schlussmänner in dieser Saison ein großes Thema bei den Kickers? Eine Charakteristik in sechs Kategorien. System: Trainer Michael Schiele, seit Oktober 2017 im Amt, setzt in aller Regel auf ein 4-4-2-System. Gleichwohl sind die Kickers unter dem 41-Jährigen taktisch sehr flexibel geworden. So haben sie sich auch schon mit einer Dreierkette formiert oder in einem 4-3-3.

Starke Defensivachse

Schlüsselspieler: Kapitän Sebastian Schuppan im Abwehrzentrum, Dave Gnaase und Janik Bachmann im defensiven Mittelfeld vor der Viererkette und Orhan Ademi (elf Tore) mit Dominic Baumann (neun) im Angriff: Diese Achse trägt das Würzburger Spiel. Hinzu kommen auf den Außenbahnen dribbelstarke Akteure wie Simon Skarlatidis und ebenso geradlinige wie dynamische Spieler wie Fabio Kaufmann.

Stärken und Schwächen: Die Kickers zeichnen sich durch eine hohe spielerische Qualität aus und haben exzellente Einzelkönner in ihren Reihen. Allerdings sind sie recht unbeständig und launisch, sonst wäre in dieser Spielzeit eine noch bessere Platzierung als Rang fünf realistisch gewesen. Auch die mangelhafte Chancenverwertung war - gerade in der Vorrunde - ein wiederkehrendes Thema. Letztlich beschloss Würzburg die Saison aber mit der drittbesten Offensive. 56 Tore überboten nur der Karlsruher SC (64) und SV Wehen Wiesbaden (71).

Spielweise: Hoch und weit - das entspricht nicht Schieles Gusto. Der Kickers-Coach setzt vielmehr auf einen gepflegten Kurzpassstil, der Ballsicherheit, Umsichtigkeit und Technik erfordert. Selbst unter Druck suchen Spieler wie Innenverteidiger Daniel Hägele oder die Mittelfeldmänner Skarlatidis und Patrick Sontheimer eine fußballerische Lösung.

Hintergrund: 77 Zu- und 76 Abgänge seit 2014

Die Würzburger Kickers sind ein Klub im steten Wandel. Seit 2014 und dem ausgerufenen Ziel, aus der Regionalliga in den professionellen Fußball vorzudringen, haben die Rothosen 77 Spieler verpflichtet und 76 abgegeben. Ioannis Karsanidis, inzwischen beim Chemnitzer FC, blieb (bereits ab 2013) fünf Jahre - sonst kein einziger Spieler länger als deren drei, das Gros sogar höchstens zwei. Das war freilich auch dem Durchmarsch in die 2. Bundesliga geschuldet, doch jetzt steht ein erneuter Umbruch bevor. Erste Wechsel für die Saison 2019/20 sind bereits fixiert: So kehrt etwa Maximilian Breunig aus der Nachwuchsabteilung des FC Ingolstadt zurück an den Dallenberg. Und neben anderen gehen Dennis Mast und Patrick Göbel (zum Halleschen FC) sowie Patrick Drewes (VfL Bochum).

Schlussmänner: Die Torwartfrage hat die Kickers in dieser Saison immer wieder beschäftigt. Patrick Drewes ist die etatmäßige Nummer eins, hat aber nur die Hälfte aller Spiele absolvieren können. In der Vorrunde musste der 26-Jährige wochenlang mit einer Oberschenkelblessur passen, seit Mitte März fällt er mit einem Syndesmoseriss aus. In dieser Zeit setzte Trainer Schiele zunächst auf Leon Bätge, der aus der Nachwuchsabteilung der Frankfurter Eintracht stammt - zuletzt erhielt allerdings Eric Verstappen den Vorzug. Nach einem 0:2 bei seinem Debüt in Zwickau gewannen die Kickers zuletzt viermal in Serie.

Hoch aus der Bezirksliga

Story: Die Würzburger Kickers haben 1977/78 in der 2. Liga gespielt, sind dann aber in die Tiefen des Amateurfußballs gestürzt. 2003/04 kam Würzburg in der siebtklassigen Bezirksliga an - und profitierte 2012 von einer Reform: Die Kickers übersprangen als Landesliga-Meister die Bayernliga und spielten fortan in der Regionalliga. Ab 2014 gelang unter Trainer Bernd Hollerbach der Durchmarsch bis in die 2. Liga, nach dem direkten Wiederabstieg spielen die Kickers 2019/20 ihre dritte Saison in Serie in der 3. Liga.

Analyse der Viktoria Aschaffenburg

Das sagt der Trainer Michael Schiele:»Wir haben uns durchgemogelt«
ARCHIV - 14.07.2016, Bayern, Fürth: Fußball 2. Bundesliga: Fototermin SpVgg Greuther Fürth für die Saison 2016/17 am 14.07.2016 im Sportpark Ronhof - Thomas Sommer in Fürth (Bayern). Der damalige Co-Trainer Michael Schiele. (zu "Trainer Schiele verlängert Vertrag bei den Würzburger Kickers" vom 05.10.2018) Foto: Daniel Karmann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit
Foto: Daniel Karmann (dpa)

Vier Siege in Serie - und damit die Saison in der dritten Liga auf Tabellenplatz fünf beschlossen: Die Würzburger Kickers sind gut in Form. Im Kurzinterview mit unserem Medienhaus spricht Trainer Michael Schiele (Foto: Daniel Karmann/dpa) nun über den Weg seiner Mannschaft ins Endspiel - und den Anspruch, mit dem die Rothosen die Partie am Schönbusch angehen.

Ihre Mannschaft hat die letzten vier Spiele in der dritten Liga gewonnen, obwohl der Klassenerhalt längst feststeht. Was sagt das aus über Ihre Spieler?
Schiele: Das spricht für ihren Charakter. Wir haben zum Beispiel an Ostern mal ein paar Tage frei gegeben oder mal eine Trainingseinheit ausgelassen, aber ich habe in keinem einzigen Spiel einen Spannungsabfall festgestellt. Vielleicht spielt es in diesem Zusammenhang auch eine Rolle, dass einige noch um Verträge spielen. Aber selbst wenn das nicht so wäre: Man muss sich ja auch in Zukunft in die Augen schauen können - daran habe ich appelliert.

Auf dem Weg ins Endspiel hat Ihr Team 1:3 in Schweinfurt verloren, im Nachgang aber vor dem Sportgericht gewonnen, weil Schweinfurt nur drei statt vier U-23-Akteure für sein Aufgebot nominiert hatte. Später setzte sich Ihr Team gegen Illertissen erst im Elfmeterschießen durch. Allzu souverän waren die Kickers in diesem Pokaljahr also nicht.
Schiele:
Wir haben uns zwischenzeitlich ein bisschen durchgemogelt, aber es gibt in Bayern eben auch viele gute Mannschaften in diesem Wettbewerb. Beim Halbfinale in Haching sind wir dann gut mit der Drucksituation umgegangen (3:0, d. Red.) - und jetzt haben wir auch den Anspruch, den Pokal zu gewinnen. Wir wissen aber, dass es nicht leicht wird, die massive Aschaffenburger Abwehr zu knacken.

Lastet der Druck eher auf den Kickers als auf der Viktoria?
Schiele: Natürlich haben wir Druck. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir in den DFB-Pokal einziehen wollen. Wir haben keine Lust, zu Hause auf der Couch zu sitzen, wenn die anderen Profimannschaften spielen - und dazu müssen wir jetzt eben in Aschaffenburg gewinnen.

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