Die Kreisliga TBB startet in ihre 45. Saison: Die Vereine aus dem Raum Wertheim im Überblick

Reicholzheim ist so gut wie lange nicht besetzt

Kreisliga TBB
15 Min.

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Alex Jesser (links) spielte nach der Abmeldung der SV Viktoria Wertheim einige Monate für den unterfränkischen Bezirksligisten TSV Lohr und ist jetzt neuer Spielertrainer beim nordbadischen Kreisligisten VfB Reicholzheim.
Foto: Denise Nadler
An die­sem Frei­tag star­tet die 45. Aufla­ge der Kreis­li­ga Tau­ber­bi­schofs­heim mit dem »Er­öff­nungs­der­by« Pül­frin­gen ge­gen Brehm­bach­tal in die neue Sai­son 2022/2023. Vor dem Anp­fiff um 18.30 Uhr fin­det ein Rah­men­pro­gramm mit Eh­ren­gäs­ten statt.

15 Teams sind in dieser Runde am Start. Gespielt wird im klassischen Format »Hin- und Rückrunde«. Bei 15 Teams bedeutet das 30 Spieltage. Hinsichtlich der Auf- und Abstiegsregel bleibt alles wie gehabt. Es gibt drei Direktabsteiger, und der Viertletzte, also der Tabellen-12., bestreitet die Relegation gegen den Dritten der Kreisklasse A. Der Meister steigt automatisch in die Landesliga Odenwald auf, der Vizemeister geht in die Aufstiegsrelegation zur Landesliga.

Nicht mit von der Partie, obwohl in der Kreisliga startberechtigt, ist die SV Viktoria Wertheim. Nach einem riesigen personellen Umbruch verzichtete der Stadtverein auf sein Startrecht und tritt mit der ersten Mannschaft stattdessen in der Kreisklasse B an.

Als der absolute Top-Favorit auf den Meistertitel gilt wie im Vorjahr der TSV Tauberbischofsheim. 13 der 15 Kreisliga-Teams sehen die Messestädter vorne. Als weitere Titelkandidaten wurden in unserer Umfrage (Mehrfachnennungen waren möglich) der VfB Reicholzheim (6 Nennungen), der TSV Assamstadt (6), Hundheim/Steinbach (2) und Unterschüpf/Kupprichhausen (1) genannt. - Die Vereine aus dem Raum Wertheim im Porträt:

Kickers DHK Wertheim

Fragen an Trainer Florian Büttner:

Welche Mannschaften sind für Sie in dieser Runde die großen Favoriten?
Büttner: Zwei Mannschaften sehe ich vorne. Reicholzheim, weil sie durch die geholten Spieler von Viktoria Wertheim noch stärker geworden sind. Hundheim/Steinbach, weil der Landesliga-Absteiger ohnehin schon eine gute Mannschaft hat.

Welcher Mannschaft trauen Sie Außenseiterchancen zu?
Büttner: Unterschüpf/Kupprichhausen.

Wer ist Kapitän Ihrer Mannschaft? Gibt es da besondere Auswahlkriterien?
Büttner: Das ist Felix Beuschlein. Auswahlkriterien gibt es bei uns keine. Der Kapitän wird zu allererst durch die Mannschaft bestimmt.

Was hat Ihnen in der Vorbereitung schon gut gefallen/was nicht?
Büttner: Das ist nicht relevant. Der kommende Sonntag zählt, da ist es egal wie gut die Vorbereitung war.

Was erwarten Sie von dieser neuen Spielzeit? Auf was freuen Sie sich?
Büttner: Viele spannende Spiele und hoffentlich Fairness von allen Seiten. Damit meine ich Trainer, Spieler, Schiedsrichter und Verband.

Wo möchten Sie mindestens am Ende der Runde landen (Platzierung)?
Büttner: Ein einstelliger Tabellenplatz ist das Ziel, erreicht durch ehrliche und harte Arbeit auf dem Platz.

Gibt es bei Ihnen ein bevorzugtes Spielsystem?
Büttner: Nein, da muss man schauen, welche Spieler und welche Spielertypen wir im Team haben.

 

Unsere Lageeinschätzung: In der vergangenen Saison haben sich die Kickers weit unter Wert verkauft. Die Gründe sind vielfältig. Da wäre zunächst das Defensivproblem. Mit 61 Gegentoren kassiert das Team von Trainer Florian Büttner im Schnitt zwei Treffer pro Partie. Zu viel für eine Mannschaft, die den Anspruch hat, im gesicherten Mittelfeld spielen und landen zu wollen.

Baustelle Nummer zwei: Die fehlende Konstanz. Über 40 Spieler liefen in der letzten Runde für die erste Mannschaft aus - oft notgedrungen. Ein Einspielen eines Mannschaftkerns ist so kaum möglich. Zu oft musste Florian Büttner improvisieren, die Mannschaft wieder und wieder umstellen. In der Schlussphase der Saison gab es dann auch noch ein »Sperrfristen-Problem«. Weil Spieler in der zweiten Elf eingesetzt und Fristen nicht eingehalten wurden, führte das empfindlichen Sperren. So konnten Sebastian Kippes, Luca Garrecht und Marcel Weimer im Abstiegskampf nicht eingreifen.

Die Vorbereitungsspiele verliefen durchwachsen. Vor allem das jüngste 0:4 gegen Kreuzwertheim sowie das magere 0:0 gegen Eichel dürfte bei Florian Büttner mehr Fragen als Antworten aufgeworfen haben. Rechnet man im August noch das knappe 0:1 im Kreispokal gegen Unterschüpf/Kupprichhausen hinzu, stehen drei Begegnungen ohne Torerfolg hintereinander.

Unsere Prognose: Vom Potential her gehört die Mannschaft in die Top 10 der Liga - Tendenz nach oben. Aber wenn zu oft von Potential gesprochen wird, heißt das nichts anderes, als dass die Mannschaft es noch nicht gezeigt. Die Kickers brauchen ein eingespieltes Team und möglichst einen guten Beginn. Aufsteiger Dittwar/Heckfeld ist zum Saisonstart sicherlich ein schlagbarer, aber trotzdem kein einfacher Gegner.

Stärken: Die Mannschaft verfügt über viele gute Einzelspieler. Schlüsselspieler sind Patrick und Marcel Weimer, Sebastian Traub, Philipp Amend, Leon Ries und Felix Bolg. Sie hatten in der vergangenen Saison die meisten Einsatzzeiten. Nicht zu vergessen Pascal Beck, der mit seinen acht Toren maßgeblich zum Klassenerhalt beitrug.

Schwächen: Die wurden bereits genannt. Mit Dirk Schmidt (Karriere-Ende) hat der Club einen wichtigen Eckpfeiler in der Abwehr verloren. Der 33-Jährige stand 22-mal im Kader, davon 21-mal in der Startaufstellung. Schon daran kann man seinen Wert erkennen. Er wird der Mannschaft fehlen.

 

VfB Reicholzheim

Fragen an Pressesprecher Marcel Hahn:

Welche Mannschaften sind für Sie in dieser Runde die großen Favoriten?
Hahn: Für uns der TSV Tauberbischofsheim. Die hatten vorher schon einen guten Kader gehabt und diesen noch mal effizient verstärkt.

Welcher Mannschaft trauen Sie Außenseiterchancen zu?
Hahn: Unterschüpf/Kupprichhausen muss man immer auf dem Zettel haben. Die Offensive ist bärenstark.

Wer ist Kapitän Ihrer Mannschaft? Gibt es da besondere Auswahlkriterien?
Hahn: Kevin Trauth, da er sowohl auf wie auch neben dem Platz präsent und trotzdem loyal ist. Außerdem spricht er, wenn es nötig ist, auch mal ein Machtwort.

Was hat Ihnen in der Vorbereitung schon gut gefallen/was nicht?
Hahn: Die Harmonie zwischen neuem Trainerteam, Neuzugängen und der bestehenden Mannschaft. Das hat von Anfang an funktioniert.

Was erwarten Sie von dieser neuen Spielzeit? Auf was freuen Sie sich?
Hahn: Einfach, dass es wieder losgeht und natürlich auf die normalen »Kreisliga-Tugenden«, sprich Kameradschaft, hoffentlich viele Siege und das Bierchen mit den Jungs danach. Und all das bitte ohne große Corona- Einschläge.

Wo möchten Sie mindestens am Ende der Runde landen (Platzierung)?
Hahn: Ich denke, wenn wir Platz fünf erreichen, ist das ein gutes Resultat. Die Kreisliga hat in diesem Jahr enorm an Qualität gewonnen, es wird eine harte Saison.

Gibt es bei Ihnen ein bevorzugtes Spielsystem?
Hahn: Generell am liebsten ein 4-2-3-1. Wir sind aber mittlerweile flexibler geworden. Mal schauen, was die Runde bringt.

 

Unsere Lageeinschätzung: Der VfB Reicholzheim steht vor einem - zumindest kleinen - Neuanfang. Die Integration der Neuzugänge von der SV Viktoria Wertheim wird Zeit brauchen. Die ersten Pflichtspiele werden zeigen, wie weit dieser Prozess fortgeschritten ist. Das in den letzten Jahren gewachsene Gefüge innerhalb Mannschaft hat sich verändert und wird sich weiter verändert.

Die Neuzugänge, inklusive Spielertrainer Alex Jesser, werden den Anspruch haben, Sonntag für Sonntag auf dem Platz zu stehen. Im Umkehrschluss heißt das: Vier altgediente VfB-Kicker müssen um ihren Stammplatz kämpfen. Der Konkurrenzkampf wird härter. »Das gab es bei uns bislang so nicht, aber ich sehe das gar nicht negativ«, so Pressesprecher Marcel Hahn.

Natürlich wird es noch Zeit brauchen, ehe sich die Mannschaft gefunden hat, ehe sich die Abläufe eingespielt haben und die Mannschaft ihre volle Stärke ausschöpfen kann. »Von daher werden wir anfangs sicherlich auch mal Rückschläge hinnehmen müssen, was in dieser Phase aber völlig normal ist«, meint Hahn.

Unsere Prognose: Die Mannschaft ist insgesamt stärker einzuschätzen als im vergangenen Jahr. Von den Neuzugängen, allesamt mit reichlich Landesliga-Erfahrung, können die jungen Spieler viel lernen. Die Verantwortlichen haben eine gute Mischung aus jung und alt gefunden. Die Mannschaft kann auch in diesem Jahr wieder vorne mitspielen. Schon in der Vorsaison schrammte der VfB haarscharf am Vizemeistertitel vorbei. Auch das ist der jetzt beginnenden Runde wieder ein realistisches Ziel, wenngleich die Funktionäre mehr auf Understatement setzen.

Stärken: Mit Alex Jesser hat die Mannschaft jetzt wieder einen Spielertrainer, der Spielstärke, Erfahrung und Erfolgshunger verkörpert und direkt auf dem Spielfeld Kommandos geben und auf die Partie einwirken kann. Mit Co-Trainer Anton Ochs, Simon Lampert und Ivo Seubert verfügt der VfB-Kader zudem über drei treffsichere Offensivkräfte, die jederzeit ein Spiel entscheiden können.

Schwächen: Wenn man der Mannschaft etwas ankreiden will, dann vielleicht, dass sie in der Mitte der letzten Saison einen Tick zu viele Gegentore (36) kassierte. Von einem löchrigen Schweizer Käse zu sprechen, wäre maßlos übertrieben, zumal sich dieses Problemchen gegen Saisonende buchstäblich in Luft auflöste.

 

Türkgücü Wertheim

Fragen an Trainer Pasquale Stefania:

Welche Mannschaften sind für Sie in dieser Runde die großen Favoriten?
Stefania: Assamstadt und Tauberbischofsheim. Das sind für mich die zwei stärksten Mannschaften.

Welcher Mannschaft trauen Sie Außenseiterchancen zu?
Stefania: Die SG Rambo könnte für eine Überraschung sorgen.

Wer ist Kapitän Ihrer Mannschaft? Gibt es da besondere Auswahlkriterien?
Stefania: Das ist Gökce Genc, er ist auch mein Co-Trainer.

Was hat Ihnen in der Vorbereitung schon gut gefallen/was nicht?
Stefania: Wir hatten in der Vorbereitung leider zu viele Ausfälle, vor allem Urlauber. Die Mannschaft ist erst seit ca. zwei Wochen so richtig komplett.

Was erwarten Sie von dieser neuen Spielzeit? Auf was freuen Sie sich?
Stefania: Ein richtiges Team zu formen, das harmoniert, zusammenhält und erfolgreichen Fußball spielt.

Wo möchten Sie mindestens am Ende der Runde landen (Platzierung)?
Stefania: Egal, Hauptsache nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben.

Gibt es bei Ihnen ein bevorzugtes Spielsystem?
Stefania: Nein, gibt es bei uns nicht.

 

Unsere Lageeinschätzung: Dass Pasquale Stefania ab diesem Sommer Trainer bei Türkgücü Wertheim sein würde, hätte er selbst zu Jahresbeginn nicht für möglich gehalten. An sich wollte Stefania bei seinem Ex-Club SV Viktoria Wertheim eine neue und schlagkräftige Kreisliga-Elf aufbauen, doch die ehemalige Landesliga-Elf zerfiel. Die Spieler sind mittlerweile in alle Winde verstreut, heuerten bei neuen Clubs an.

Bei Türkgücü war eigentlich Antonio Lopez als Nachfolger für Spielertrainer Gökce Genc vorgesehen. Doch Anfang August erfolgte überraschend die Trennung. Es übernahm Co-Trainer Stefania - und er ist ein Mann der Tat. Ein Trainer vom »alten Schlag« wenn man so will. Bei ihm zählen Leistung und Disziplin. Und wer diese zwei Grundtugenden nicht beherzigt, spielt in seinem Team nicht - so einfach ist das.

»Wir haben Bomben-Spieler, aber leider keine Mannschaft«, sagte er Ende Juni. Das Potential sei gewaltig, was fehle sei Disziplin und Charakter. Und deswegen käme die Mannschaft einfach nicht voran. Genau das könnte sich jetzt ändern, wenn man Stefania Zeit gibt und die Spieler mitziehen.

Spielerisch, das hat die Mannschaft schon längst bewiesen, kann sie alles, was die Spitzenteams auch können. Jetzt muss es ein Trainer schaffen aus viele Individualisten eine Einheit, ein Team, eine Gemeinschaft zu formen, die nicht sich selbst, sondern den Gegner bekämpft. Und wenn das passiert, ist mit Türkgücü zu rechnen - und zwar weit vorne.

Unsere Prognose: Man darf gespannt sein, welche Schockwellen die Ereignisse der jüngsten Zeit vereinsintern ausgelöst haben. Stefania hat etlichen Kickern mitgeteilt, dass er ohne sie plant. Die müssen sich jetzt beweisen. Fraglich ist, was passiert, wenn die Personalnot wieder um sich greift. Schon Stefanias Vorgänger Furkan Hasdemir und Gökce Genc hatte damit zu kämpfen.

Nicht selten, vor allem am Saisonbeginn, bestand der Kader nur aus 13 Spielern. Aber Veränderung ist gut. Wenn es dem neuen Trainer gelingt, die Stärken jedes einzelnen Spielers mannschaftsdienlich zu kanalisieren, dann ist Türkgücü eine Mannschaft, die in die erste Tabellenhälfte vorstoßen kann und dort sicherlich Akzente setzt.

Stärken: Türkgücü verfügt über viele individuelle Einzelkönner. Mit Igli Deliallisi ist jetzt von Kreuzwertheim sogar noch einer hinzugekommen. Satte 1721 Spielminuten absolvierte der Mittelfeld-Allrounder beim benachbarten TSV, stand 19-mal in der Startaufstellung. Auch Burak Aksit, zuletzt in Diensten von Türk Miltenberg, wird die Offensive und die beiden Goalgetter Gökce Genc und Göktürk Kizildeniz noch stärker machen.

Schwächen: Die Unruhe und Turbulenzen im Verein sind das größte selbstgemachte Hindernis des Clubs, hinzu kommen persönliche Eitelkeiten. Ebenfalls ein Problem ist die Abwehr. 70 Gegentore kassierte Türkgücü in der vergangenen Saison.

 

FC Hundheim/Steinbach

Fragen an Hubert Dick, Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit:

(Die Fragen wurden auch an Trainer Michael Hackenberg gestellt, dieser weilte jedoch zum Zeitpunkt der Befragung im verdienten Urlaub. Stellvertretend für ihn antwortete Hubert Dick.)

Welche Mannschaften sind für Sie in dieser Runde die großen Favoriten?
Dick: Der große Favorit ist unserer Meinung nach der TSV Tauberbischofsheim, der schon in der letzten Saison gut dabei war und sich in diesem Jahr noch mal sehr gut verstärkt hat.

Welcher Mannschaft trauen Sie Außenseiterchancen zu?
Dick: Als weitere Kandidaten tippen wir auf den VfB Reicholzheim und den TSV Assamstadt.

Wer ist Kapitän Ihrer Mannschaft? Gibt es da besondere Auswahlkriterien?
Dick: Marcel Hilgner ist in dieser Saison Kapitän: Er wurde von der Mannschaft gewählt, entspricht aber auch den Vorstellungen des Trainerteams.

Was hat Ihnen in der Vorbereitung schon gut gefallen/was nicht?
Dick: Der Trainingseinsatz war trotz der oftmals hohen Temperaturen recht gut. Aufgrund von Verletzungen und Erkrankungen fehlte doch der eine oder andere Stammspieler länger in der Vorbereitungsphase.

Was erwarten Sie von dieser neuen Spielzeit? Auf was freuen Sie sich?
Dick: Obwohl uns zu Beginn der Runde der eine oder andere Spieler fehlen wird, hoffen wir auf einen positiven Start in der Kreisliga. Wir freuen uns auf viele spannenden und faire Spiele und auf das eine oder andere längere Zeit nicht mehr gespielte Derby.

Wo möchten Sie mindestens am Ende der Runde landen (Platzierung)?
Dick: Wir möchten uns am Ende in der oberen Tabellenhälfte wieder finden und denken, dass die Jungs das auch mit ihrer Erfahrung und mannschaftlichen Geschlossenheit umsetzen können. Außerdem möchten wir den einen oder anderen jungen Nachwuchsspieler als Stammspieler in die erste Mannschaft hieven.

Gibt es bei Ihnen ein bevorzugtes Spielsystem?
Dick: Darüber möchten wir zum derzeitigen Zeitpunkt nichts sagen.

 

Unsere Lageeinschätzung: Daran muss man sich erst wieder gewöhnen: Der FC Hundheim/Steinbach spielt erstmals seit vier Jahren wieder in der Kreisliga Tauberbischofsheim. Der Abstieg deutete sich früh an. Nur ein Sieg in den ersten zwölf Spielen, die frühzeitige Trennung von Trainer Jürgen Fieger - all das waren Vorboten. In der Platzierungsrunde gelang dann nur ein einziger Sieg. Zum Klassenerhalt fehlten am Ende 13 Punkte - eine Menge Holz.

Die Gründe waren vielfältig: Corona, Verletzungen, vor allem die von Jens Münkel, aber auch die von Torwart Julian Schüßler. Bis mit Marco Müssig ein passender Ersatz gefunden war, mussten abwechselnd Joachim Ullrich, Marc Brugger und sogar Feldspieler Andy Öchner das Tor hüten. Ungünstige Voraussetzungen in der Liga, in der ohnehin schon alles perfekt laufen muss, um erfolgreich zu sein.

In der Kreisliga nun der Neustart. Die Hundheimer werden allerdings nur gelegentlich als Titelanwärter genannt. Andere Teams werden von der Konkurrenz stärker eingeschätzt.

Unsere Prognose: Wie lange der zweifache Kreisligameister (2007, 2018) in der Liga verbleibt ist schwierig zu beurteilen. Ein sofortiger direkter Wiederaufstiegs ist zwar möglich, jedoch unwahrscheinlich. Zum einen muss sich der Verein nach dem Abstieg erst einmal konsolidieren, zum anderen ist die Konkurrenz um die Aufstiegsplätze in dieser Saison so groß wie lange nicht mehr. Ein Alleingang, so wie von Großrinderfeld in der Vorsaison, wird allgemein nicht erwartet. Trotzdem wird der FCH am Ende unter den Top fünf landen.

Stärken: Die große Stärke des Clubs ist die mannschaftliche Geschlossenheit. Alle ziehen an einem Strang, keiner schert aus. Das Team und nicht der Einzelne steht an erster Stelle. Diese Tugend haben alle Trainer, ob sie nun Dirk Züchner, Mkie Standke oder Sebastian Gegenwart hießen, dem Team eingeimpft. Ebenfalls zu nennen: Die vielen talentierten Nachwuchskicker. Gleich fünf hungrige Youngster bereichern den Kader von Neu-Trainer Michael Hackenberg. Der 18-jährige Marco Müssig durfte sein Können heuer schon in der Landesliga als Schüßler-Vertreter unter Beweis stellen.

Schwächen: Zu Kreisliga-Zeiten galt die Offensive der Hundheimer als unaufhaltsame Torfabrik. In den Spielzeiten 2016/2017 (97 Tore) und 2017/2018 (98 Tore) kratzte der Club zweimal an der 100-Tore-Marke. In der letzten Landesliga-Saison gab es einen Minus-Rekord von nur 25 Treffer (in 27 Spielen) - der schlechteste Wert seit Vereinsgründung. Ob diese Schwäche eins zu eins auf die Kreisliga übertragbar ist, werden die ersten Spiele zeigen.

 

SG Rambo

Fragen an Trainer Kerim Özcelik:

Welche Mannschaften sind für Sie in dieser Runde die großen Favoriten?
Özcelik: Tauberbischofsheim ist für mich der große Favorit. Einfach wegen der individuellen Klasse der Spieler. Die Abgänge haben sie gut kompensiert. Sie spielen einen flüssigen Fußball und haben eine gute Struktur. Auch Reicholzheim sehe ich vorne, die sind ähnlich gut bestückt.

Welcher Mannschaft trauen Sie Außenseiterchancen zu?
Özcelik: Da stünde Unterschüpf/Kupprichhausen auf meine Zettel.

Wer ist Kapitän Ihrer Mannschaft? Gibt es da besondere Auswahlkriterien?
Özcelik: Das ist Torwart Andre Neuberger, aufgrund seiner Erfahrung. Ich denke, nebenbei bemerkt, er gehört zu den besten Torleuten in der Kreisliga.

Was hat Ihnen in der Vorbereitung schon gut gefallen/was nicht?
Özcelik: In der Vorbereitung habe ich von den jungen Spielern schon gute Ansätze gesehen. Weniger schön war, dass ich nie den vollen Kader zur Verfügung hatte.

Was erwarten Sie von dieser neuen Spielzeit? Auf was freuen Sie sich?
Özcelik: Ich freue mich auf viele neuen Sportplätze und viele neue Fans. Ich komme ja aus dem bayrischen Bereich, da kenne ich die Plätze wie meine Westentasche.

Wo möchten Sie mindestens am Ende der Runde landen (Platzierung)?
Özcelik: Landen wollen wir auf einem Nichtabstiegsplatz. Das hat meine Truppe drauf, das haben diverse Testspiele schon gezeigt. Wir haben in der Vorbereitung viel taktisch gearbeitet, wollen flexibel sein und gegen spielstarke Mannschaften einen Plan A und B in der Tasche haben.

Gibt es bei Ihnen ein bevorzugtes Spielsystem?
Özcelik: Da habe ich ehrlich gesagt gar keins. Ich bin der Typ, der gerne flexibel arbeitet und schaut, was in der Situation maximal zu erreichen ist.

 

Unsere Lageeinschätzung: SG-Trainer Kerim Özcelik bezeichnet sich selbst als ein Fußballer der »alten Garde«. Was ihn richtig nervt und aufregt ist, dass bei der heutigen (jungen) Generation der Fußball nicht mehr den Stellenwert hat, wie es bei ihm früher der Fall war. »Nein, das gefällt mir überhaupt nicht. Zu meiner Zeit kam Fußball gleich hinter Familie und Beruf. Heute wird da auf Punktspiele wenig Rücksicht genommen und individuelle in den Urlaub gefahren. Das ist meine große Baustelle«, so der 44-Jährige, der mit dem Verein die »Doppelmeisterschaft« in der Kreisklasse A und C feiern durfte.

Dass ihm jetzt das Prädikat »Erfolgstrainer« anhaftet, setzt Özcelik nicht unter Druck, im Gegenteil, er bleibt entspannt. Er weiß, dass Rückschläge kommen werden, aber das hat der Verein einkalkuliert. »Wir verjüngen unseren Kader. Und das heißt, dass die jungen Hüpfer mit ihrem jugendlichen Leichtsinn an manchen Spieltagen »überperformen« und dann auch mal schwächere Phasen haben, aber das ist ganz normal und wird von uns toleriert.« Rückschläge verkraften und einen langen Atem haben, lautet sein Motto.

Insgesamt elf U 19-Kicker bereichern den Kader in dieser Saison. Die zu intergieren und dabei die Mannschaftsstruktur aufrecht zu erhalten - eine Mammutaufgabe für den Trainer. Aber bange ist Özcelik davor nicht. Er ist ein Typ der gerne flexibel, aber diszipliniert denkt und arbeitet, und genau das auch von seinen Spielern einfordert. Zusammen mit Co-Trainer Tim Weis hat er deshalb einen Mannschaftsrat etabliert, in dem auch die Jüngeren schon Verantwortung übernehmen müssen. »Ich delegiere gerne«, so Özcelik.

Unsere Prognose: Erfahrungsgemäß müssen sich Aufsteiger erst einmal in der neuen Liga orientieren. Die Aufstiegs-Euphorie könnte helfen. Muss sie vielleicht auch, denn gleich zu Beginn gastiert der Neuling bei Titelanwärter Assamstadt, am fünften Spieltag geht es nach Tauberbischofsheim. Die SG Rambo wird vermutlich erst einmal nach hinten rutschen, Erfahrungen sammeln, sich dann aber konsolidieren. Ein Nichtabstiegsplatz ist realistisch.

Stärken: Die SG Rambo hat einen erfolgshungrigen Trainer, der seine Mannschaft auf dem Effeff kennt, der sich schnell auf neue Situationen einstellt und dann richtige und erfolgsversprechende Entscheidungen treffen kann. Hinzu kommt die jugendliche Unbekümmertheit, gepaart mit Erfahrung der etablierten Kicker. Das ist eine gute Mischung.

Schwächen: Unbekümmertheit ist die eine, die fehlende Erfahrung in der neuen Liga die andere Seite der Medaille. Vor allem in der Anfangsphase der Saison wird der Neuling das zu spüren bekommen. Wichtig ist da der Trainer, der seinen Kickern Ruhe, Zuversicht und Selbstvertrauen vermitteln muss. Dafür ist Kerim Özcelik genau der richtige Mann.

Hintergrund

Kickers DHK Wertheim

Platzierung Vorsaison: 10. Platz. - Saisonziel: Ambitionierter einstelliger Saisonplatz. - Meisterschaftsfavoriten: TSV Tauberbischofsheim, FC Hundheim/Steinbach.

Trainer: Florian Büttner (seit 07/2019). - Zugänge: Steffen Lange (FV Gebsattel), Bosse Smekal (eigene Jugend). - Abgänge: Dirk Schmidt, Dirk Hilgner (beide Laufbahn beendet).

Kader: Tor: Felix Bolg, Tobias Hüttermann, Christopher Bartsch, Fabian Kratschmann. - Abwehr: Philipp Amend, Felix Beuschlein, Luca Englert, Daniel Habermann, Luis Hörner, Manuel Mach, Fabian Rutz, Paul Schönfeld, Michael Schreiter, Timo Walendy, Patrick Weimer, Sebastian Kippes, Robin Dinkel, Reinhard Götz. Markus Hörner. Marvin Kuran. - Mittelfeld: Pascal Beck, Fabio Bolg, Luca Garrecht, Marco Kranz, Timo Maier. Sascha Molder. Leon Ries, Cedric Scharnbacher, Robert Schirmacher, Nils Schröck, Marc Strauß, Ralf Taege, Sebastian Traub, Tim Uhlein, Marcel Weimer, Max Hörtreiter, Björn Knopp, Marco Kranz, Markus Lipp, Ebrima Manga, Luca Scheuermann, Sebastian Strauß. - Angriff: Dirk Beuschlein, Erich Meisner, Roberto Tulic, Luca Ulsamer, Tim Landeck.

VfB Reicholzheim

Platzierung Vorsaison: 4. Platz. - Saisonziel: Vorderes Mittelfeld. - Meisterschaftsfavoriten: Tauberbischofsheim, Assamstadt. - Überraschungsmannschaft: Unterschüpf/Kupprichhausen.

Spielertrainer: Alex Jesser (07/2022 - neu). - Zugänge: Labinot Elshani, Raffael Herbach, Ramazan Ciracoglu (alle SV Viktoria Wertheim), Alex Jesser (TSV Lohr). - Abgänge: Joachim Gattenhof (SV Nassig/bereits in der Winterpause).

Kader: Tor: Stefan Ochs, Marcel May. - Abwehr: Kevin Trauth, Andreas Nosov, Ramazan Cirakoglu, Noah Schlör, Michael Köhler, Moritz Volpert. - Mittelfeld: Anton Ochs, Christian Schlör, Alex Jesser, Ivo Seubert, Labinot Elsahni, Felix Roth. - Angriff: Oliver Bick, Julian Siegler, Simon Lampert, Rafael Herbach, Tobias Schumacher, Leopold Bick.

Türkgücü Wertheim

Platzierung Vorsaison: 12. Platz. - Saisonziel: Mittlere Tabellenhälfte. - Meisterschaftsfavoriten: TSV Assamstadt, TSV Tauberbischofsheim. - Überraschungsmannschaft: SG Rambo.

Trainer: Pasquale Stefania (seit 07/2022). - Zugänge: Burak Aksit (Türk Miltenberg), Igli Dellialisi (TSV Kreuzwertheim), Noah Kurter (FC Eichel), Kadir Arslan, Nedim Burgic (beide SV Viktoria Wertheim). - Abgänge: Luca Longo (SV Altfeld).

Kader: Tor: Ahsen Gülecin, Batuhan Genc. Nedim Burgic. - Abwehr: Can Cirakoglu, Ergin Albayrak, Ibrahim Kizildeniz, Igli Dellialisi, Mehmet Hökelek, Noah Kurter, Vlad Mitan, Kadir Arslan. - Mittelfeld: Carlos Lupu, Dennis Zimbelmann, Elyesa Gülecin, Gökce Genc, Salih Erol, Samet Karaveli, Furkan Hasdemir, Ugur Yigit, Mert Kamanmaz. - Angriff: Burak Aksit, Can Pervizi, Göktürk Kizildeniz, Kevin Cem Aksoy.

FC Hundheim/Steinbach

Platzierung Vorsaison: Absteiger Landesliga Odenwald. - Saisonziel: Vorderes Drittel. - Meisterschaftsfavoriten: Reicholzheim, Tauberbischofsheim, Assamstadt. - Überraschungsmannschaft: keine Angabe.

Trainer: Michael Hackenberg (07/2022 - neu). - Zugänge: Marc Dühmig, Kevin Dühmig (beide FC Rauenberg), Silas Wojcik (SV Nassig), Marco Müssig, Justin Baumann, Nico Mark, Luca Horn, Niklas Weiß (alle eigene Jugend). - Abgänge: Stefan Bischof, Christian Münkel, Michael Lutz (alle Karriere beendet).

Kader: Tor: Julian Schüssler, Marco Müssig, Marius Bischof, Maximilian Kuch. - Abwehr: Tobias Benz, Manuel Pahl, Michael Trunk, Robin Götz, Christoph Dick, Marcel Hilgner, Benedikt Pallmert, Dominik Müssig, Pierre Fischer. - Mittelfeld: Manuel Baumann, Jens Münkel, Florian Hirsch, Rene Bundschuh, Andy Öchsner, Steffen Dick, Luca Horn, Niklas Weiß, Silas Wojcik. - Angriff: Alexander Münkel, Kevin Völk, Alex Golotus, Dumitru Nastase, Justin Baumann, Marc Dühmig, Kevin Dühmig, Nico Mark.

SG Rauenberg/Boxtal/Mondfeld

Platzierung Vorsaison: Meister der Kreisklasse A TBB. - Saisonziel: Klassenerhalt. - Meisterschaftsfavoriten: VfB Reicholzheim, TSV Tauberbischofsheim. - Überraschungsmannschaft: keine Angabe.

Trainer: Kerim Özcelik (seit 07/2019). - Zugänge: Robin Lang, Marlon Schulz, Manuel Ballweg, Leon Detsch, Sören Glatzel, Tristan Fabig, Finn Segner, Tim Weis, Tobias Weis, Kevin Trippel, Lukas Hildenbrand (alle eigene Jugend). - Abgänge: Marc Dühmig (FC Hundheim/Steinbach), Sebastian Sulz (SV Miltenberg).

Kader: Tor: Andre Neuberger, Giovanni Gennaro, Sören Glatzel, Steffen Konrad, Joachim Weigand. - Abwehr: Manuel Ballweg, Marvin Eckert, Johannes Eidel, Fabian Häfner, Julian Häfner, Christian Hasenfuß, Julius Hildenbrand, Nico Hildenbrand, Manuel Kuhn, Robin Lang, Marcel Neuberger, Andre Roth, Lukas Spielvogel, Nikolas Spielvogel, Vitali Trippel, Tim Weis, Marius Weigand, Christian Wolz. - Mittelfeld: Michael Arlt, Leon Brümmer, Sven Ebeling, Tristan Fabig, Pascal Felix, Angelo Gennaro, Marian Hepp, Lukas Hildenbrand, Marvin Hildenbrand, Jannik Hiske, Neset Koyunsever, Sven Lappe, Philipp Merola, Louis Müssig, Christian Roth, Tim Theis, Vincent Schuhmacher, Dustin Steiniger, Denny Weis, Tobias Weis, Sven Wolz. - Angriff: Kevin Bahr, Felix Böxler, Leon Detsch, Björn Poschmann, Jan Theis, Finn Segner, Kevin Trippel, Swen Scholz, Marlon Schulz.

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