Montag, 25.06.2018

Mit Freude ins Abenteuer Kreisliga

Meister-Porträt Sonntag, 10.06.2018 - 20:05 Uhr

Der SV Richelbach holt sich nach einer hauchdünnen Entscheidung am letzten Spieltag den Meistertitel in der Kreisklasse AB 3. Im Interview erzählt Coach Stephan Sommer, wie er die letzten Momente der Saison erlebt hat und was das Ziel im kommenden Jahr sein wird.

In der Kreis­klas­se Aschaf­fen­burg 3 war es am En­de ei­ne hauch­dün­ne Ent­schei­dung zwi­schen dem SV Ri­chel­bach und dem TSV Großh­eu­bach. Beide Vereine waren nach dem letzten Spieltag punktgleich, doch der SVR hatte den besseren direkten Vergleich (2:1, 3:1). Richelbachs Meistercoach Stephan Sommer stellte sich den Fragen unseres Medienhauses.

In der Hinrunde bester Verein und Herbstmeister, aber in der Rückrunde »nur« Dritter. Ging da etwas die Puste aus?
Sommer: Die Verletzung unseres Torhüters Marcel Grimm in einer entscheidenden Phase hat uns in höchste Not gebracht. Zwar haben wir zwei junge gute Torhüter, aber die Erfahrung und Ruhe, die Marcel der Mannschaft gibt, ist noch nicht zu ersetzen. Ich bin froh, dass er sich bereits drei Wochen nach seiner Bänderverletzung wieder mit geschientem Fuß und Schmerzen in den Dienst der Mannschaft gestellt hat. Das war nach der Niederlage in Mönchberg genau das richtige Zeichen eines Kapitäns an sein Team: Ich bin wieder da und ich gehe voran!

Fünf Niederlagen am Ende, zeigt das wie stark die Kreisklasse war?
Sommer: Fünf Niederlagen, zwei Unentschieden und mit 19 Siegen zwei mehr als in der Vorsaison, sind für mich eine ziemlich überragende Bilanz, wenn man sich die Qualität der Kreisklasse vor Augen führt. Uns war ganz klar, dass Großheubach und Bürgstadt, die sich im Winter prächtig mit Serkan Dogan verstärkt haben, noch einmal aufkommen würden. Gerade Bürgstadt mit seinen vielen gewonnen Nachholspielen hat im April eindrucksvoll seinen Anspruch auf die Krone untermauert.

Erst am 11. Spieltag an der Spitze. Woran lag es und gab es Zweifel?
Sommer: Wir selbst haben uns nie als den Favoriten gesehen, auch wenn wir im Vorjahr nur knapp an der Meisterschaft gescheitert sind. Sich nach dem Scheitern wieder ganz oben festzubeißen, die Geister der letzten Saison aus den Knochen und Köpfen zu vertreiben, Verletzungsmiseren wie den langen Ausfall von Alex Berberich zu überstehen und schließlich noch einmal eine Schippe drauf zu packen, ist eine wahre Meisterleistung.

Was war das Geheimnis des Erfolges?
Sommer: Unser Geheimnis ist die mannschaftliche Geschlossenheit und die Bereitschaft für den Fußball auf andere schöne Dinge zu verzichten. So haben für das Nachholspiel am ersten Mai bei Türk Miltenberg viele Spieler langgeplante Ausflüge mit Freunden oder der Familie abgesagt, um sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen.

Am letzten Spieltag beinahe noch alles verspielt, was geht einem in so einem Moment durch den Kopf?
Sommer: Dieser Tag war ein Wellenbad der Gefühle. Wir vergeben nicht nur in der ersten Halbzeit hochkarätige Chancen. Dann kommt es im Fußball eben so, wie es kommen muss und der Gegner geht in Führung. In der 70. Minute nagelt Bene Löhr einen Distanzschuss in den Winkel und erzielt das erlösende 2:1. In diesem Moment fühlst du dich wie der sichere Sieger bis zu einem schwach verteidigten Kopfball und dem nicht unverdienten 2:2, das dich lähmt. Spätestens ab da waren wir mit einem Ohr in Großheubach, wo es gegen Faulbach auch nur 2:2 stand. Unsere beiden Gegentore zum Spielende habe ich nur noch schemenhaft wahrgenommen. Die Spieler schleichen als Verlierer zur Trainerbank. Wir haben uns kurz gesammelt und wie gebannt unserem Vorstand gelauscht, der telefonisch in Kontakt zu Großheubach stand und dem wir wie einem Radiomoderator der Bundesliga-Schlusskonferenz an den Lippen hingen: »2:2«, »noch 2 bis 3 Minuten«, »Faulbach hält dagegen«, »Hebboch vergibt eine Riesenchance« und dann endlich: »Das Spiel ist aus«. Danach sind bei uns alle Dämme gebrochen. Wahnsinn, wir sind Meister!

Großheubach hat es über die Relegation geschafft. Haben sie das verfolgt?
Sommer: Na klar hab ich das verfolgt. 1100 Zuschauer, bestes Fußballwetter und eine super Sportanlage: Fußballfan, was willst du mehr? Für Amorbach tut es mir sehr leid, da sie eine fantastische Rückrunde gespielt haben und mit 38 erreichten Punkten nicht absteigen sollten. Ich wünsche den Amorbachern die baldige Rückkehr. Für den TSV Großheubach kann ich mich dennoch freuen, da ich aus der vergangenen Saison weiß, wie furchtbar es sich anfühlt, sich nicht für ein tolles Jahr zu belohnen. Auch der TSV hat eine wahnsinnige Rückrunde gespielt. Nach der Niederlage bei uns sind sie marschiert und haben uns gejagt. Starke Leistung und deshalb auch ein verdienter Aufsteiger.

Ein kleiner Ausblick. Ändert sich etwas in der Mannschaft, wie wird die Kreisliga angegangen, kommen neue Spieler?
Sommer: Wir sind ein Verein, der sich unter normalen Umständen weniger durch große Fluktuation im Spielerkader auszeichnet. Unsere Stärke ist wie bereits erwähnt das Gemeinschaftsgefühl. Die Mannschaft bleibt in groben Zügen beisammen und wird eventuell an wenigen Stellen verstärkt. Ansonsten gehen wir das große Abenteuer Kreisliga geschlossen mit Freude an und versuchen die Klasse zu halten.

Carsten Maier
 

Zur Person: Stephan Sommer

Funk­ti­on im Ve­r­ein: Trai­ner
Al­ter: 35 Jahre
Lauf­bahn als Spie­ler: VfB Ei­chen­bühl und TSV Großh­eu­bach
Lauf­bahn als Trai­ner: U 17 und U 19 Ju­gend­spiel­ge­mein­schaft SV Ri­chel­bach, FC Hepp­diel, VfB Ei­chen­bühl, SV Ri­chel­bach
Lie­b­lings­ve­r­ein: Ein­tracht Frank­furt
Hobbies: Sport
Besonderer Moment: Gewinn des Landkreispokals

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