Montag, 24.09.2018

»Das Projekt ist alternativlos«

A-Klasse AB 4 Mittwoch, 25.07.2018 - 14:15 Uhr

Christian Appel ist der Sportliche Leiter der Leidersbacher Eintracht. Im Interview spricht der 46-Jährige über die Spielgemeinschaft Leidersbach/Roßbach. Was bei den Jugendmannschaften schon lange unausweichlich ist, scheint nun auch für die Aktiven eine Notwendigkeit.

Über Jahr­zehn­te zähl­te der »Grund« zu den gro­ßen Ta­l­ent­sch­mie­den im re­gio­na­len Fuß­ball. In den 80er Jah­ren gab es dort noch vier Ve­r­ei­ne mit ei­gen­stän­di­gen ak­ti­ven Mann­schaf­ten und Ju­gend­ab­tei­lun­gen beim VfL Lei­ders­bach, der Spiel­ve­r­ei­ni­gung Roß­b­ach, der Ein­tracht Ebers­bach und so­gar beim SV Vol­kers­brunn. Hervorragende Talente wie Ende der 90er Raimund Drößler, Jens Pawlik, Marco Wolf und Andreas Eicker, in der jüngeren Vergangenheit Simon Goldhammer, Sebastian oder Johannes Feyh stammen aus der »Leidersbacher Fußballschule«. Die vier Fußballclubs sind längst Vergangenheit. Vor 25 Jahren bereits fusionierten der VfL Leidersbach und die Eintracht Ebersbach zur Eintracht Leidersbach. Die Volkersbrunner Fußballer waren da schon Jahre von der Landkarte der aktiven Mannschaften verschwunden.

In der kommenden Saison gehen die Kicker der zweiten Mannschaft der Leidersbacher Eintracht und die Spielvereinigung Roßbach gemeinsam auf Punktejagd. Was bei den Jugendmannschaften schon lange unausweichlich ist, scheint auch für die Aktiven eine Notwendigkeit. Über kurz oder lang wird es im Grund nur noch einen Fußballverein geben. Zu dieser Situation und zur neuen Saison stand uns der Sportliche Leiter der Leidersbacher Eintracht, Christian Appel, Rede und Antwort.

Herr Appel, mit der SG Leidersbach/Roßbach entsteht eine neue Spielgemeinschaft. Liebesheirat oder Vernunftehe?
Appel: Ich sehe die Vereinbarung dieser Spielgemeinschaft zunächst sachlich als einen notwendigen Schritt an. Aus der Historie heraus gibt es innerorts zwar eine starke Rivalität, die es behutsam abzubauen gilt. Die Idee ist, die beiden Vereine über die Funktionärsebene und insbesondere durch die aktiven Spieler, die sich ja ohnehin aus gemeinsamen Jugendjahren in der JFG Vorspessart kennen, einander näher zu bringen und die Basis für eine eventuelle gemeinsame Zukunft zu legen. Das ist aus meiner, unserer Sicht der einzige Schlüssel zur Verbesserung der sportlichen Infrastruktur in unserem Ort, denn beide Vereine haben massive Probleme, den Trainingsbetrieb zwischen Oktober und März adäquat zu gestalten.

Es fehlt ein geeigneter Allwetterplatz. Da das Geld in der Leidersbacher Gemeindekasse ohnehin knapp ist, muss zunächst ein gemeinsames Konzept der drei örtlichen Fußballvereine her. Der SV Volkersbrunn ist für uns nämlich ein sehr wichtiger Partner, da wir seit zwei bis drei Jahren große Teile des Trainingsbetriebs unserer Aktiven auf dem dortigen Rasenplatz absolvieren, wofür wir sehr dankbar sind. Weiterhin ist dort die AH-Abteilung ansässig, wo Spieler aus allen Ortsteilen schon seit Jahren in einer gemeinsamen Mannschaft die Fußballrente aktiv gestalten. Somit ist der SVV innerorts keineswegs von der Landkarte verschwunden, im Gegenteil!

Wie sieht es miteiner Fusion aus?
Appel: Über eine Fusion mit der Spvgg Roßbach wurde bislang weder geredet noch laut nachgedacht, dafür ist aktuell noch nicht der Zeitpunkt gekommen. Eine Spielgemeinschaft, das muss man unseren und den Roßbacher Mitgliedern auch vermitteln, ist ja vom Wesen her eine Vereinbarung, eine Saison gemeinsam zu bestreiten. Es entstehen daraus nicht automatisch weitere Verpflichtungen für die beteiligten Vereine. Klar ist aber natürlich schon, dass wir diesen Schritt nicht machen würden, wenn wir nicht eine nachhaltige Entwicklungsperspektive für den Fußball im Grund, weiterhin auch unter Einbeziehung des SV Volkersbrunn, anstreben würden. Dafür braucht es aber nicht zwingend einen kompletten Zusammenschluss der beteiligten Vereine, vielmehr braucht es handelnde Personen, die das große Ganze im Auge haben und verstehen, dass es mit dem Verharren im alten Ortsteildenken nur Rückschritte, nicht aber ein Fortkommen geben kann. Wir können hier ein Signal für ganz Leidersbach geben, denn auch in anderen Bereichen wird noch sehr stark in Ortsteilen gedacht.

Grundsätzlich stehen wir als Fußballvereine vor der Wahl, jetzt gemeinsam Perspektiven für junge Spieler zu schaffen oder nebeneinander einzugehen wie die Primelchen, verbunden mit dem großen Risiko, dass irgendwann keine konkurrenzfähige Mannschaft aus Leidersbach mehr vorhanden sein könnte. Insofern werben wir bei unseren Mitgliedern für eine breite Unterstützung des Projekts. Es ist alternativlos.

In der A 4 sind die Top-Drei-Teams der Vorsaison nicht mehr dabei. Die Liga scheint sehr ausgeglichen. Trauen Sie der neu formierten Mannschaft einen Spitzenplatz zu?
Appel: Wir werden uns, wie in jedem Jahr, zunächst mit dem Ziel Klassenerhalt an die Aufgabe heranmachen. Es gibt keinen Grund, von mehr zu träumen. Für mich wäre es ein Erfolg, wenn das Projekt SG kurzfristig funktionieren würde und wir auch sportlich gute Ergebnisse einfahren könnten. Das hängt aber maßgeblich von der Personalsituation der beiden ersten Mannschaften ab.

Welche Teams sehen Sie vorne mit dabei?
Appel:Ich denke, dass es eine sehr ausgeglichene Klasse ist in diesem Jahr. Wir konzentrieren uns auf unsere Aufgaben und sehen zu, dass wir möglichst viele Punkte sammeln. Einen echten Favoriten kann ich momentan nicht ausmachen.

Worauf lag der Schwerpunkt bei den ersten Trainingseinheiten?
Appel:Wir haben bei der Eintracht mit Markus Brüdigam einen neuen Spielertrainer, da gilt es zunächst einmal, unseren Kader mit ihm bekannt zu machen. Gleichzeitig wollen wir, dass sich über gemeinsames Training und Vorbereitungsspiele auch die Spieler, die in der SG zum Einsatz kommen sollen, kennenlernen. Das sollte dann auch helfen, dass auf dem Platz eine Einheit aufläuft, woran ich im Übrigen auch keine Zweifel habe.

Wo sehen Sie die Mannschaften der Eintracht in den nächsten Jahren?
Appel:Das hängt ganz maßgeblich davon ab, wie sich unsere Spieler ihre Zukunft, bezogen auf den Fußball, vorstellen und wie es uns künftig gelingt, junge Spieler auszubilden und bei den Aktiven zu integrieren. Für die kommende Saison erhoffe ich mir von unseren aktiven Spielern in der Breite deutlich mehr Engagement und Präsenz, als dies in der Rückrunde gezeigt wurde. Ich würde schon gerne sehen, dass unsere Mannschaft sportliche Ziele mit Überzeugung verfolgt und auch den dafür nötigen Aufwand betreibt. Mit 70 oder 80 Prozent kommen wir sicher nicht über das Ergebnis dieser Saison hinaus.

Die Mannschaft steht in der Pflicht, ihre Ziele mit dem Trainerteam zu definieren und sich dann auch mit diesen zu identifizieren. Wir haben Potenzial für die vorderen Plätze, das wird aber daheim auf dem Sofa nicht abgerufen. Soviel muss jedem klar sein. Davon hängt dann auch ab, ob am Sonntag 200 Zuschauer kommen oder doch nur die treuesten 50.

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