Donnerstag, 17.01.2019

Achtbar geschlagen: DJK-TuS Leider und Viktoria verlangen Bundesliga-Nachwuchs alles ab

Hallenfußball
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Aschaffenburg, Frankenstolz-Arena, Brass-Cup, U17-Bundesligaturnier Torwart von Leider Max Weigand gegen Eintracht Braunschweig Fotograf: Björn Friedrich
Foto: Björn Friedrich (Björn Friedrich)

Die U 17-Teams von Ausrichter TuS Leider und Viktoria Aschaffenburg punkten beim Brass-Cup 2019 gegen hochklassige Gegner. Der Turniersieger kommt aus der Nachbarschaft.

 

Impressionen vom Brass Cup 2019: Das U17-Bundesligaturnier
Quelle: Roman Grombach, Thorsten Schmitt

Pünkt­lich zum ers­ten Halb­fi­na­le hockt Max im Darm­stadt-Tri­kot da. Und sieht, wie sei­ne Li­li­en die Ein­tracht aus Braun­schweig zerpflü­cken - 5:0 in zehn Mi­nu­ten. Der Sie­ben­jäh­ri­ge ver­schwin­det kurz und kehrt strah­lend im Nürn­berg-Jer­sey zu­rück. Erlebt, wie der FC Augsburg in Führung geht, doch der Club gleicht noch aus - Neunmeterschießen, das die Nürnberger mit 4:3 für sich entscheiden.

Damit steht fest: Die Gruppensieger spielen nur um Platz drei, die beiden Zweitplatzierten um den Titel beim U 17-Bundesligaturnier zum Abschluss des 24. Brass-Cups in der Aschaffenburger Frankenstolz-Arena.

Kinder, Kinder

Weil Max zu den Einlaufkindern für das Endspiel gehört, hat er inzwischen ein Trikot von Ausrichter DJK-TuS Leider angezogen. Obwohl er ja eigentlich für den VfR Nilkheim kickt. Der Siebenjährige grinst und verrät seinen Favoriten für die zunächst anstehende Partie um Rang fünf: Er hofft auf einen Sieg von Hertha BSC gegen Fortuna Düsseldorf. Und setzt wieder auf das richtige Team - 1:0 für die Berliner.

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Brass-Cup, U17-Bundesligaturnier
Foto: Björn Friedrich |  12 Bilder

Für Max und viele andere Kinder ist das Turnier ganz klar ein großes Erlebnis. Gefühlt sogar noch mehr als die U 19-Bundesligaturniere, die seit 1996 den Höhepunkt des Brass-Cups bildeten. Weil es immer schwerer wurde, die A-Junioren namhafter Clubs nach Aschaffenburg zu locken, hat Organisator Michael Ehrlich die große Talentschau dieses Jahr erstmals auf die U 17 verlagert.

Dass der steinige Weg zur Profikarriere da noch weiter ist, kümmert die jungen Zuschauer nicht. In erster Tribünen-Reihe recken sie den Nachwuchsspielern die Hände zum Abklatschen entgegen. Halten ihnen das Turnierheft für Autogramme hin.

Mainaschaffer Borusse

»Das ist auch neu für mich«, sagt Benedict Mbuku und ergänzt: »Es ist schön, den Kindern Freude zu bereiten.« Im vergangenen Sommer ist der Mainaschaffer von Viktoria Aschaffenburg zu Borussia Dortmund gewechselt. In der neuen Heimat lebt der 15-Jährige bei einer Gastfamilie und hat sich nach eigenen Angaben prima eingelebt. »Die leben dort den Fußball«, sagt Benedict und liefert ein Beispiel: Als er an einem Samstagnachmittag einkaufte, seien im Supermarkt die Zwischenstände der gerade laufenden Bundesliga-Partie der Borussia durchgesagt worden.

Mit der U 16, die der BVB nach Aschaffenburg entsandt hat, überwintert Benedict auf Platz eins der Westfalenliga. »Ich spiele sehr viel, auf allen Defensivpositionen«, berichtet er. In der Frankenstolz-Arena läuft es allerdings nicht nach Wunsch. »Bedingt«, sei er zufrieden, sagt Benedict: »Wir hatten sehr viel Pech. Wir haben als U 16 gut dagegengehalten und bis auf die Ergebnisse gut gespielt.«

11:10 Tore stehen für die Dortmunder nach den fünf Vorrundenpartien zu Buche, aber nur die drei Punkte vom 6:0-Erfolg gegen Gastgeber DJK-TuS Leider, dem höchsten Tagessieg. In der Tabelle reicht das nur zum vorletzten Platz. Die Darmstädter haben in der anderen Gruppe mit derselben Tordifferenz neun Zähler geholt und sind als Zweiter ins Halbfinale eingezogen.

Viktoria bändigt die Löwen

Gestartet sind die Lilien am Morgen mit einem 3:0 gegen Viktoria Aschaffenburg. »Die Niederlage war unnötig«, sagt Viktoria-Kapitän Niklas Borger, der »eigentlich recht zufrieden« ist. Teamkollege Linus Thöming meint: »Wir sind schwer reingekommen, haben uns dann aber von Spiel zu Spiel gesteigert.«

In der dritten Partie gelingt dem Landesliga-Dritten Aschaffenburg sogar ein 2:1-Coup gegen den Bayernliga-Zweiten 1860 München. »Das war eine überragende Teamleistung«, lobt Kapitän Niklas. Mitspieler Abdullah Aksoy, der zwei Sekunden vor Schluss den Siegtreffer erzielt hat, schwärmt: »Jeder ist ausgerastet. Das war ein schönes Gefühl.«

Im letzten Spiel verpassen die Viktoria-Jungs eine noch größere Überraschung. Gegen Hertha BSC, immerhin Spitzenreiter der Bundesliga Nord/Nordost, kassieren die Aschaffenburger nach 2:1-Führung noch den Ausgleich. »Hertha hat schon eine andere Klasse als 1860«, schätzt Linus das Remis sogar höher ein als den Sieg.

Die Ergebnisse von  Viktoria Aschaffenburg

Viktoria – SV Darmstadt 98 0:3
FC Augsburg – Viktoria 4:0
Viktoria – 1860 München 2:1
Karlsruher SC – Viktoria 1:0
Hertha BSC – Viktoria 2:2

Trotz der vier Punkte landet die Viktoria am Ende der engen Gruppe; ein Erfolg gegen die Berliner hätte Rang drei bedeutet. »Ich hätte schon gerne um Rang fünf gespielt«, meint Abdullah.

Leider trotzt dem Finalisten

Auch beim Team von Ausrichter Leider überwiegt trotz des letzten Platzes der Stolz - vor allem auf das 1:1 gegen den späteren Finalisten Nürnberg. »Das war das geilste Spiel. Wir haben uns in jeden Ball reingeworfen«, sagt David Weindel, der gegen den Club trickreich getroffen hat. »Ball erobert, Gegner gelocht und mit ein bisschen Glück abgeschlossen«, erzählt der 16-Jährige, dem beim 1:5 zum Abschluss gegen Braunschweig noch ein zweites Tor gelungen ist. »Am Ende ging gar nichts mehr«, sagt David. Sei's drum: »Ich hätte nicht mit einem Punkt gerechnet.«

Die Ergebnisse der DJK-TuS Leider

Leider – Kickers Offenbach 0:3
Borussia Dortmund – Leider 6:0
Leider – Fortuna Düsseldorf 1:3
1. FC Nürnberg – Leider 1:1
Braunschweig – Leider 5:1

Ein Sonderlob verteilt er an Torwart Max Weigand, der mit etlichen Paraden weitere Gegentreffer verhindert hat. »Ich habe viel Zuspruch bekommen, auch von anderen Trainern, da kann ich auf jeden Fall zufrieden sein«, sagt der Keeper. Den Fans in der Halle stellt Max das Prädikat »überragend« aus. David stimmt ihm zu.

Umjubeltes Einlagespiel

Für die größte Stimmung sorgt vor dem Halbfinale das Einlagespiel zweier Teams des Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes (HBRS), eines betreut von Trainer-Legende Dragoslav Stepanovic. Allen voran begeistert Florian Pessniker, Schütze zum 3:0-Endstand, die über 3000 Zuschauer. Er reißt sich nach der Partie das Trikot vom Leib, dreht wild jubelnd eine Ehrenrunde und löst damit eine La-Ola-Welle aus.

Und dann kommt Max. Erst im Darmstadt-Trikot. Dann im Nürnberg-Jersey. Schließlich im Leider-Dress an der Hand eines FCN-Talents. Strahlt über das ganze Gesicht. Nur die Krönung bleibt dem Siebenjährigen verwehrt. Denn sein eigentlicher Lieblingsclub heißt doch 1. FC Nürnberg, der im Endspiel mit 1:2 unterliegt.

Die erste Auflage des U 17-Bundesligaturniers beim Brass-Cup gewinnt der SV Darmstadt 98 Womit sich die Geschichte wiederholt hat: Die Lilien gewannen auch 1996 die Premiere der prominent besetzten U 19-Konkurrenz.

 

 

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