Donnerstag, 22.11.2018

»Wir sind auf jeden Fall breit aufgestellt«

Interview Mittwoch, 25.07.2018 - 14:00 Uhr

Christian Schönig ist der neue Trainer der Aschaffenburger U 19 und will mit seinem Team in der kommenden Saison in die Bayerliga aufsteigen. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Kevin Zahn vergleicht Schönig unter anderem die Stärken und Schwächen seines Teams mit der französischen Nationalmannschaft.

Für Vik­to­ria Aschaf­fen­burg ist in der A-Ju­nio­ren-Lan­des­li­ga Nord das kla­re Ziel: der Auf­s­tieg in die Bay­ern­li­ga. Gro­ße Hoff­nun­gen setzt der Ve­r­ein in sei­nen neu­en U 19-Trai­ner Chris­ti­an Sc­hö­n­ig (42). Zeit für ei­nen Ver­g­leich mit dem Welt­meis­ter: Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Kevin Zahn vergleicht Schönig Stärken und Schwächen seines Teams mit der französischen Nationalmannschaft.

Herr Schönig, über die WM könnte man die Bilanz ziehen: Es gab viele Überraschungen, aber am Ende hat sich der Favorit Frankreich souverän durchgesetzt. Ist Ihr Team französisch genug, um die Meisterschaft in der A-Junioren-Landesliga Nord zu holen? Blau und Weiß: Die Farben stimmen ja schon einmal?
Schönig: (lacht) Ja, das stimmt. Das ist schwierig zu sagen. Ich muss mir erstmal die Qualität von meiner Mannschaft anschauen. Wir hatten noch nicht unseren Trainingsauftakt. Ich habe auch noch keinen Vergleich, was die anderen Teams in der Liga so können. Unsere B-Jugend hat um die Meisterschaft mitgespielt, da haben wir eine gute Qualität. Ich hoffe, wir können das in die A-Jugend übertragen. Dazu noch der ältere Jahrgang als Fundament. Ich muss mir jetzt erstmal anschauen, wie die Vorbereitung läuft, wie die ersten Punktspiele laufen. Trotzdem: Ziel muss es sein, in die Bayernliga aufzusteigen. Punkt.

Bleiben wir erstmal bei den Franzosen: Was denken Sie, warum haben sie den Titel gewonnen?
Schönig: Weil sie zwei, drei sehr gute Individualisten hatten, weil sie viel Tempo hatten, einen guten Keeper und eine recht starke Defensive. Sie haben individuelle Klasse und mannschaftliche Geschlossenheit gezeigt und so verdient gewonnen. Auch, weil sie im Abwehrbereich als Mannschaft verteidigt haben. Das war kein Feuerwerk, aber grundsolide.

Der breite Kader, sagen viele Beobachter, war für Frankreich ein großer Vorteil. Auch aus der zweiten Reihe konnten sie immer wieder nachlegen. Wie schaut das bei Ihnen aus?
Schönig: Von der Anzahl her sind wir auf jeden Fall breit aufgestellt. Wir haben schon fast zu viele Spieler: 26 Feldspieler und zwei Torhüter. Jugendleiter Florian Christ hat die Vorplanung übernommen und fast alle Spieler aus der B-Jugend übernommen. Es sollte nicht mehr passieren, dass der Kader so knapp wird wie in der vergangenen Runde. Ich muss schauen, wie sich der große Kader auf die Stimmung bei dem ein oder anderen auswirkt. Im Winter können wir ein erstes Fazit ziehen. Am Anfang ist das aber gut für mich: Jeder gibt Vollgas und versucht in die Mannschaft reinzukommen.

Das Spielsystem der Franzosen - hinten dicht halten, schnell nach vorne spielen: Ist das etwas für Sie?
Schönig: Das wäre das Optimale. Aber bei uns läuft das andersherum: Wir müssen zuerst schauen, welche Qualitäten wir besitzen und dann entscheiden, in welchem System wir spielen. Klar habe ich Wunschvorstellungen, aber ob die sich erfüllen? Ich will in der Abwehr im 4-4-2 stehen und unser Offensivspiel etwas offener gestalten, mit nur einer Sechs. Wenn ich sehe, dass das nicht funktioniert, dann spielen wir ein anderes System. Wie soll ich denn ein schnelles Umschaltspiel nach vorne spielen, wenn ich in der Offensive nicht die Schnelligkeit haben?

Die Franzosen haben auf dem Weg zum Titel Argentinien, Uruguay, Belgien und Kroatien aus dem Weg geräumt. Wer ist der größte Konkurrent der Viktoria?
Schönig: Das kann ich noch nicht beantworten, ich habe mir noch kein einziges Spiel angeschaut. Ich bin ja unverhofft ins Traineramt reingerutscht, da war die Saison bereits vorbei. Mir ist egal, wie die anderen spielen: Wir versuchen unser Ding durchzuziehen. Wir versuchen unsere Grundordnung zu halten und in der Defensive einigermaßen stabil zu stehen. Wenn man im Spiel sieht, wo die Schwäche des Gegners liegt, kann ich das anpassen.

Da spielt die Erfahrung als eine Rolle. Der französische Nationaltrainer Didier Deschamps ist als Spieler selbst Weltmeister geworden. Was bringen Sie mit?
Schönig: Viel Erfahrung in einzelnen Bereichen, da ich seit 25 Jahren im höherklassigen Fußball tätig bin, sei es als Spieler, Trainer oder Mitarbeiter beim Deutschen Fußball Bund (DFB). Ich habe Teams von der Bambini bis zur ersten Mannschaft trainiert. Ich habe Einblick in den Topbereich im Jugendfußball in Deutschland und international. Ich arbeite seit elf Jahren für den DFB und bin verantwortlich für die Eliteschulen des Fußballs. Ich schaue mir die Leistungszentren und die Arbeit dort an. Ich beurteile das und gebe eine Einschätzung dazu ab. Viele Ideen der Topvereine kann man auch zwei Stufen tiefer, wo die Viktoria spielt, noch übertragen. Außerdem habe ich als Spieler in der dritten Liga gespielt, bei den Amateuren von TSV 1860 München. Ich habe damals auch ein paar mal bei den Profis mittrainiert, aber nicht den Sprung geschafft. Ich kenne daher alle Facetten von der Bundesliga bis in den Amateurbereich.

Wollen Sie es den Franzosen in der A-Junioren-Landesliga Nord nachmachen und die Meisterschaft holen?
Schönig: Ja, das ist immer mein Credo: Wenn man Sportler ist, hat man einen gewissen Anspruch. Klar wollen wir versuchen aufzusteigen. Inwieweit das realistisch ist, wird sich zeigen. Ich werde alles dafür tun, dass wir mit der A-Jugend in die Bayernliga aufsteigen. Wenn die 1. Mannschaft in der Regionalliga spielt, solltest du in der Jugend mindestens Bayernliga spielen.

Sie haben als Trainer vor allem Erfahrung in Hessen gesammelt. Was wird eine Umstellung in Bayern?
Schönig: Ein Riesen-Unterschied ist: In der Hessenliga sind Vellmar und Kassel die weitesten Strecken. Sonst spielt man in Offenbach, Wiesbaden und Darmstadt. Das macht einen Unterschied, ob man um 11 Uhr ein Spiel in Weiden hat. Da fährst man um 6 Uhr los. Aus eigener Spieler-Erfahrung kenne ich das. Das ist nicht ganz einfach für die Spieler, direkt aus dem Bus zu gehen und Top Leistung zu bringen. Da ist eine gute Spielvorbereitung am Vorabend besonders wichtig.

Und Ihre ersten Eindrücke von der Viktoria?
Schönig: Viktoria Aschaffenburg ist hier im Umfeld der beste Verein. Das gilt sowohl für die Klasse als auch das Umfeld. Jochen Seitz kenne ich schon lange. Auch Gerald Mai, Simon Goldhammer? alles Jungs, die ich seit vielen Jahren kenne. In Alzenau war ich ja schon A-Junioren-Trainer und wurde mit der Mannschaft Meister der Hessenliga. Aschaffenburg fehlt mir als Station noch. Ich bin zuversichtlich, dass das gut wird und freue mich auf die Aufgabe.

Kevin Zahn
 

 Zur Person:

Alter: 42 Jahre
Wohnort: Großkrotzenburg
Beruf: DFB-Talentförderung Eliteschulen des Fußballs
Stationen als Trainer: JFC Frankfurt (Junioren), Bayern Alzenau (Junioren), Germania Großkrotzenburg, Viktoria Aschaffenburg (Junioren)
Stationen als Spieler: Elsava Elsenfeld, SV Erlenbach, Teutonia Obernau, TSV 1860 München, SV Viktoria Aschaffenburg, SG Höchst, Alemannia Haibach, FV Bad Vilbel, FC Bayern Alzenau 
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