Montag, 20.05.2019

DFB-Sichtungstag für U11 in Steinfeld, Aschaffenburg und Großheubach: Neues Konzept ist ungezwungener

DFB-Sichtungstag
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Spielszene beim Funino: Es kann eng werden vor dem gegnerischen Stangentor. Fotos: Klaus Werthmann
Foto: Klaus Werthmann

Einfach spielen und weniger nervös sein: So lautete das Motto bei den DFB-Sichtungstagen in Steinfeld, Aschaffenburg und Großheubach.

Lu­kas Sterr (FV Karl­stadt) hat Glück ge­habt. Mit der rech­ten Ha­cke blockt der Zehn­jäh­ri­ge den stram­men Schuss sei­nes Kol­le­gen aus Burg­s­inn ab. Dann schnappt er sich die Ku­gel, passt zum Mit­spie­ler, läuft sich frei, er­hält den Ball zu­rück, spielt ei­nen Geg­ner aus und be­rei­tet das nächs­te Tor vor. Etwa 40 Sekunden hat es gedauert - und Lukas hat fast alles gemacht, was im Fußball wichtig ist. Er hat verteidigt, hat gedribbelt, hat gepasst und hat angegriffen.

Funino heißt die Spielform, die am Sonntag beim Talentsichtungstag der älteren E-Junioren (Jahrgang 2008) in Steinfeld (Landkreis Main-Spessart) unter anderem auf dem Programm stand (siehe Hintergrund). 60 Kicker aus 24 Main-Spessart-Vereinen stellten auf der Fränkischen Platte ihr Talent bei der bayernweiten Veranstaltung unter Beweis, die an 46 Basisstützpunkten und 18 Nachwuchsleistungszentren erstmals nach einem neuen Konzept ausgetragen wurde. Weg von einem Tag im Juli mit ausgewählten Technikstationen, hin zu einer Turnierform mit kleiner Spieleranzahl, bei der die Vereine und Trainer enger eingebunden waren.

Hintergrund: Funino

Beim Funino (Fun, englisch für Spaß; Nino, spanisch für Kind) ist das Feld komprimiert. Es gibt nicht zwei große Tore, sondern vier kleine. Jedes Team greift auf zwei von ihnen an, die zwölf bis 14 Meter nebeneinander entfernt an jeder Längsseite stehen. Torhüter gibt es nicht, ein Team besteht nur aus drei Spielern.
Damit ist jeder Spieler in jeden Angriff eingebunden und hat mehr Ballkontakte, Pässe, Schüsse und Zweikämpfe. Weil auf zwei Tore angegriffen wird, erweitern die Kinder mit dieser Spielform ihr Blickfeld. Zugleich lernen sie, Angriffe auf die andere Seite zu verlagern und taktische Entscheidungen zu treffen. Unter Bedrängnis muss ihnen auf engstem Raum etwas einfallen. Und in der Verteidigung prägen sie sich das Verschieben, die Grundlage der Raumdeckung, ein.
Arrigo Sacchi, der als Trainer des AC Mailand dreimal den Europapokal der Landesmeister (heute Champions League) gewann, ist ein großer Fürsprecher des Funino, weil es »denkende Spieler« produziere. Auch verhelfe es dem »Straßenfußball zur Renaissance«. (kw)

Drei Auswahlkriterien

»Wir wollen Spieler entdecken, die über eine gute Balltechnik verfügen, Bewegungstalent haben und trotz ihres Alters andeuten, dass sie die erforderliche Mentalität für einen Top-Fußballer besitzen«, nennt Stützpunktleiter Siegbert Sternheimer drei Auswahlkriterien. Spieler, die verhindert waren, wurden bereits vorgesichtet. Und diejenigen, die beim Casting nicht in Form waren, können noch nachgesichtet werden. Die talentiertesten 20 Spieler der Sichtung erhalten Einladungen zu weiteren Trainings im Mai, Juni und Juli in Steinfeld. Etwa zehn davon werden im Sommer am einzigen Stützpunkt im Landkreis Main-Spessart zum wöchentlichen Training übernommen.

150 Talente am Schönbusch

»Durch das neue Konzept mit dem Sichtungstag schon im Mai haben wir mehr Zeit, uns zu entscheiden. Das macht das Ganze gerechter«, sagte Sternheimer. Zudem sei das Auswahlverfahren für die Kinder besser, weil sie jetzt mit ihren Vereinen in gewohnter Umgebung zum Sichtungstag anreisen: »Da ist die Aufregung nicht so groß.«

Thomas Raupach, Stützpunkttrainer am Nachwuchsleistungszentrum in Aschaffenburg, sieht das genauso: »Durch das neue Konzept geht es ungezwungener zu, es wird ja nur Fußball gespielt. Früher waren die Kinder bei den Technikstationen viel zu nervös.« Rund 150 Talente nahmen an der Sichtung am Schönbusch teil. Weil zwei Vereine unentschuldigt fern geblieben waren, musste bei der Organisation improvisiert werden. Aber insgesamt zog Raupach ein positives Fazit und hob die Mitarbeit der Vereinstrainer hervor.

60 E-Jugendspieler aus 24 Main-Spessart-Vereinen haben am Sonntag beim Sichtungstag am DFB-Stützpunkt in Steinfeld teilgenommen.
Foto: Klaus Werthmann

Auch im Landkreis Miltenberg wurden am DFB-Stützpunkt in Großheubach Talente gesucht. »Das Niveau war nicht schlecht. Die neuen Spielformen sind gut angekommen«, berichtete Stützpunktleiter Jürgen Schmucker. 72 Kinder aus 20 Vereinen präsentierten sich dort den Augen der Prüfer. Dabei konnten sie sich laut Schmucker bei den spielähnlichen Anforderungen besser als im bisherigen System entfalten.

11 Antworten: Swimming Poolund Fußball-Profi

Was gefällt dir an am Fußball? Dass man in einem Team zusammenspielt.
Hast du ein Vorbild? Ja, viele. Lionel Messi, Kingsley Coman und Serge Gnabry.
Was war dein bislang größtes Erlebnis? Dass ich bei den unterfränkischen Leichtathletikmeisterschaften 2018 in Güntersleben im letzten von drei Versuchen mit dem Schlagball 46,50 Meter erzielt habe. Die ersten zwei Versuche waren megascheiße.
Hast du einen Traum, den du verwirklichen willst? Ich möchte Fußball-Profi werden.
Welches Buch hast du zuletzt gelesen? In der Schule habe ich »Der geheime Kontinent« gelesen. Privat lese ich die Minecraft-Bücher sehr gerne.
Für was würdest du viel Geld ausgeben? Für einen Swimming Pool.
Lieblingsfilm? Habe ich keinen.
Lieblingsmusik? Fußballlieder auf Youtube.
Lieblingsessen? Chicken Wings mit Pommes Frites. Als Nachtisch Obstsalat.
Was magst du gar nicht? Gemüse.
Auf was kannst du nicht verzichten? Auf Fußballspielen.

Zur Person: Lukas Sterr

Lukas Sterr
Foto: Klaus Werthmann

Alter: 10
Wohnort: Karlstadt
Schule: Grundschule Karlstadt
Vereine: FV Karlstadt (Fußball), LG Karlstadt-Gambach-Lohr (Leichtathletik)
Erfolge: 23 Tore in sieben Spielen in der aktuellen Fußball-Runde; 2018 unterfränkischer Meister im Crosslauf, über 800 Meter (Bestzeit: 2:47,34 Minuten) und im Schlagballwurf (Bestweite: 46,50 Meter); ufr. Vizemeister über 50 Meter (Bestzeit: 7,95 Sekunden).
Weiteres Hobby: Schwimmen

Wie gut das ging, konnte man in Steinfeld sehen. Nicht nur beim 3 gegen 3 im Funino, sondern auch beim 4 gegen 4 mit Dribbeltoren und beim 5 gegen 5 mit Kleinfeldtoren. Ständig änderte sich die Richtung. Rasant ging es hin und her. Auf und ab, ohne Pause. Und mittendrinn war Lukas Sterr, ein wahrer Wirbelwind, der in gut 40 Sekunden fast alles gemacht hat, was im Fußball wichtig ist.

 

 

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