Montag, 19.11.2018

Bärenstarke Achse und eine Horde Wildpferde

Hessenliga Montag, 23.07.2018 - 21:16 Uhr

Bayern-Trainer Angelo Barletta fordert von seinen Spielern schnelle Balleroberungen und Dominanz: »Wir wollen die Großen ärgern«. Die verpatzte Relegation in der Vorsaison spiele bei den Alzenauern keine Rolle.

Von ei­nem Trau­ma will An­ge­lo Bar­let­ta nichts wis­sen. »Wenn, dann hat es nicht die Mann­schaft, son­dern mich er­wischt«, sagt der Trai­ner des Fuß­ball-Hes­sen­li­gis­ten FC Bay­ern Al­zenau mit ei­nem La­chen. Angesprochen auf den Abschluss der Saison 2017/2018, die mit der bitteren 1:8-Niederlage im Relegationsspiel gegen den FC Villingen endete, ist sich der 41-Jährige sicher, dass das Thema in Alzenau abgehakt ist. »Man darf nicht die gesamte Runde an dem letzten Spiel festmachen, sondern muss die Vizemeisterschaft in der Hessenliga als Riesenerfolg werten.«

Und mit dieser Aussage trifft der Ex-Profi den Nagel auf den Kopf. Kaum einer der selbsternannten Experten hatte den Unterfranken den zweiten Rang in der Endabrechnung zugetraut. Hinter dem übermächtigen Meister SC Hessen Dreieich wurden Teams wie der Regionalliga-Absteiger Teutonia Watzenborn-Steinberg, der Traditionsclub Borussia Fulda und der finanzstarke TSV Lehnerz hochgehandelt. Doch mit einer Energieleistung in den drei letzten Begegnungen sicherten sich die Bayern die Vizemeisterschaft und die damit verbundene Qualifikation für die Relegationsspiele um den Aufstieg in die Regionalliga Südwest - mit bekanntem Ausgang.

»Natürlich wären wir gerne aufgestiegen. Begegnungen gegen Traditionsmannschaften wie Kickers Offenbach, Waldhof Mannheim oder den FSV Frankfurt wären absolute Highlights für unseren Verein gewesen«, räumt der Alzenauer Vorsitzende, Andreas Trageser, unumwunden ein. Aber ein Beinbruch ist der Verbleib in der Oberliga Hessen nicht. Denn sowohl in Hinblick auf die Infrastruktur, wie auch im sportlichen Bereich wollen die Bayern den nächsten Schritt gehen. Im Spätherbst beginnt der Ausbau der Main-Echo-Arena (wir berichteten), die mit einer zusätzlichen Sitzplatztribüne ausgestattet wird und nach Fertigstellung aller Baumaßnahmen bis zu 4000 Zuschauer fassen soll. Auch im Marketingbereich geben die FCB-Verantwortlichen Gas. Ein eigens gedrucktes Fan-Magazin soll die Anhänger auf dem Laufenden halten und im Großraum Alzenau zu den Heimspielen der Hessenliga-Elf kostenlos verteilt werden.

»Wir sehen den Einzugsbereich unserer Zuschauer im gesamten Kahlgrund und den Bereichen Gelnhausen und Freigericht«, berichtet Trageser. Der letztjährige Zuschauerschnitt von 350 Besuchern pro Match ist durchaus noch steigerungsfähig. »Wir wollen die Fans mit attraktivem Offensivfußball zu uns locken. Wenn unser Stadion fertig gestellt ist, können wir unseren Anhängern auch ein Stück weit Eventcharakter bieten«, freut sich Trageser auf den Ausbau der Alzenauer Heimspielstätte.

Apropos Fans. Die treue Anhängerschaft wird das blau-weiße Team zu den weiten Auswärtsfahrten wieder mit einem großen Fan-Bus begleiten, während die Mannschaft sämtliche Strecken mit Kleinbussen bewältigen wird. »Wir haben eine feste Schar an Zuschauern, die uns auch auf den fremden Plätzen unterstützt«, ist Thomas Schielein, der ebenfalls in der Bayern-Vorstandschaft aktiv ist, auf den Zusammenhalt im Verein sehr stolz. In dieser Saison führen die längsten Anreisen nach Kassel (195 Kilometer), Lohfelden (190) und Baunatal (185), die Matches in Bad Vilbel (33), Neu-Isenburg (38) und Friedberg (42) liegen dagegen im Nahbereich von Alzenau.

Was die Betreuung der FCB-Kicker angeht, herrschen bei dem unterfränkischen Hessenligisten fast schon Profibedingungen vor. Coaches und Spieler können zum Trainingsbetrieb lediglich mit dem Kulturbeutel einlaufen, da die Sportbekleidung komplett vom Verein gestellt und zur jeweils nächsten Übungseinheit gewaschen wird. Mit Jogi Hock, Martina Strate und Annemarie Fleckenstein kümmern sich gleich drei Teammanager um das Wohlbefinden der Barletta-Elf. Zwei Naturrasenplätze und ein Kunstrasenspielfeld runden das Wohlfühlklima ab. »Das ist ein wichtiges Pfund im Kampf um die Spieler«, erklärt Andreas Trageser den Rundum-Service. »Wir können und wollen nicht die großen Gehälter wie viele andere Vereine bezahlen. Dafür bieten wir ein tolles Umfeld«, so Trageser weiter.

Rund 200 000 Euro beträgt der Etat für das Hessenliga-Team - und dürfte damit zu den niedrigsten in der Klasse zählen. Zum Vergleich: Die drei großen Mannschaften von Hessen Kassel, Barockstadt Fulda und Gießen liegen mit ihrem Finanzbudget allesamt im Millionenbereich. »Sie haben damit natürlich ganz andere Voraussetzungen wie wir. Der FC Bayern Alzenau sieht sich nach wie vor als Ausbildungsverein. Bei uns steht wirtschaftliches Handeln an erster Stelle und wir werden definitiv nicht über unseren Verhältnissen leben«, beschreibt Trageser die Devise in puncto Finanzpolitik. Im Klartext bedeutet dies, dass es keine Vollprofis in Reihen des FCB gibt. Selbst Ex-Profi Kreso Ljubicic (vom FC Winterthur), der als Königstransfer zur neuen Saison gilt, geht einer geregelten Arbeit im kaufmännischen Bereich nach und spielt im Nebenamt Fußball. »Letztendlich geben wir angesichts der starken Konkurrenz das Saisonziel aus, dass wir vorne mitspielen und die großen Mannschaften ärgern wollen«, so das Statement von Trageser.

Dass Ljubicic eine zentrale Rolle in der kommenden Runde spielen soll, ist laut Angelo Barletta klar. Gleichzeitig möchte er aber auch nicht die gesamte Verantwortung an ihm festmachen: »Für ihn ist das jetzt ein neuer Lebensabschnitt, an den er sich erst einmal gewöhnen muss. Auf der anderen Seite soll er unser Ankerspieler sein und gerade unseren jungen Spieler Disziplin und Ordnung vorleben.«

Neben Ljubicic werden Keeper Ioannis Takidis (Trageser: »Der beste Torwart der Hessenliga«), Kapitän Marcel Wilke, Rückkehrer Markus Auer und der nach seinem Kreuzbandriss wiedergenesene Torjäger Salvatore Bari (Barletta: »Wir wollen ihm die nötige Zeit geben«) eine stabile Achse in der Bayern-Elf bilden. »Unsere Wirbelsäule steht«, sagt Barletta zu seinem Grundgerüst. Und Andreas Trageser ergänzt: »Um diese Achse herum haben wir lauter junge, hochtalentierte und hungrige Spieler. Wie eine ganze Horde Wildpferde.«

Hinter der klaren Nummer eins im Tor, Ioannis Takidis, soll der aus den eigenen U 19-Junioren aufgerückte Brao Armend Erfahrungen sammeln und als Back-Up zur Verfügung stehen. In der Innenverteidigung sind Wilke und Auer gesetzt, Milosevic ergänzt das Duo. Als Außenverteidiger stehen Rico Kaiser, Francesco Calabrese, Philipp Wörner (Barletta: »Er macht einen immer besseren Eindruck«) und Tarek Seijdovic bereit. Neben Ljubicic können Luca Bergmann, Patrick Kalata und Luca Bergmann im zentralen Mittelfeld eingesetzt werden. Für die Außenbahnen sind Hochstein, Quartuccio, Köhler, Pieczyk und Kubilay vorgesehen.

Als zentraler Stürmer kommt neben Salvatore Bari der 23-jährige Elias Niesigk in Frage. Hinsichtlich seines geplanten Spielsystems wollte sich Barletta noch nicht festlegen: »Ich möchte mich nicht festlegen, sondern variabel bleiben. Generell ist meine Grundidee die schnelle Balleroberung und eine gewisse Dominanz im Spiel.« Der 41-Jährige gab aber auch zu bedenken, dass man seine taktischen Vorstellungen immer nur nach dem vorhandenen Spielermaterial ausrichten kann: »Ich muss mich immer auch nach den Fähigkeiten meiner Fußballer richten.«

Die Voraussetzungen sind also gut für eine wiederum erfolgreiche Saison in Alzenau. »Ich habe richtig Bock auf mehr. Als wir gegen Pirmasens 2000 Zuschauer im Stadion hatten, hat man gesehen, dass wir hier etwas bewegen können«, erinnert sich Barletta gerne an das erste Relegationsspiel zurück. Von einem Trauma ist also nichts mehr zu spüren.

Jörg Albert

 

Bayern Alzenau – Das Personal:

Trainer: Angelo Barletta (im 3. Jahr). – Co-Trainer: Dennis Bochow (im 3. Jahr) und Birger Nass (im 2. Jahr). – TW-Trainer: Marcel Richter (im 3. Jahr). – Teammanager: Jogi Hock, Martina Strate. – Meisterschaftsfavoriten: FC Gießen, Hessen Kassel, SG Barockstadt Fulda-Lehnerz. – Saisonziel: Neuaufbau, vorne mitspielen und die Großen ärgern. – Erw. Zuschauerschnitt: 350 (Vorjahr: 350).

Zugänge: Philipp Hochstein (Sportfreunde Seligenstadt), Carmelo Quartuccio (Eintracht Frankfurt U 19), Kreso Ljubicic (FC Winthertur), Markus Auer (Eintracht Stadtallendorf), Noah Schmitt (Eintracht Frankfurt U 19), Nicola Köhler (FSV Frankfurt U 19), Brao Armend, Luca Bergmann, Cetin Kubilay (alle eigene U 19). – Abgänge: Aliue Sawaneh (Eintracht Stadtallendorf), Can Özer, Keanu Hagley (beide Hessen Dreieich), Aret Demir, Dominique Jourdan (beide Wormatia Worms), Christopher Krause, Anthony Wade (beide FC Eddersheim), Patrick Rühl (FV Bad Vilbel), Kristijan Bejic (unbekannt) .

Der Kader:
Tor: Ioannis Takidis (37), Brao Armend (18). – Abwehr: Marcel Wilke (28), Markus Auer (22), Philipp Wörner (20), Christopher Schielein (23), Rico Kaiser (21), Tarek Seijdovic (22), Luca Wegmann (20). – Mittelfeld: Kreso Ljubicic (29), Danilo Milosevic (25), Patrick Kalata (21), Francesco Calabrese (21), Luca Bergmann (19), Felix Pieczyk (20), Nicola Köhler (19), Noah Schmitt (19). – Angriff: Salvatore Bari (30), Philipp Hochstein (23), Carmelo Quartuccio (18), Cetin Kubilay (19), Elias Niesigk (23). – Durchschnittsalter: 22,94 Jahre (Vorjahr: 24,4). – Spielführer: Marcel Wilke.

 
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