Mittwoch, 26.06.2019

Am 9. März nimmt das Wunder seinen Lauf: Karlburgs Trainer Patrick Sträßer spricht über das Meisterstück

Interview
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Meisterjubel: Karlburg-Coach Patrick Sträßer und sein Sohn Pascal (8 Jahre), für den er künftig mehr Zeit haben wird. Foto: Julien Christ
Foto: Julien Christ, julienchrist.com

Der TSV Karlburg hat sich die Meisterschaft in der Landesliga Nordwest gesichtert. Grund genug, um einmal beim Trainer Patrick Sträßer nachzufragen, der an diesem Samstag gegen Röllbach sein letztes Spiel machen wird. Im Interview spricht der 46-Jährige über das Meisterstück, seinen bevorstehenden Abschied - und ein Huhn auf dem Trainingsplatz.

Es war ein denk­wür­di­ges Fuß­ball­spiel, an das sich Pa­trick Strä­ß­er noch in Jahr­zehn­ten er­in­nern wird. Zum Start nach der Win­ter­pau­se am 9. März la­gen Strä­ß­ers Karl­bur­ger in Höch­berg nach 85 Mi­nu­ten 1:3 zu­rück - und ge­wan­nen das Spiel 4:3. So nahm der TSV Fahrt auf und krön­te sich Mo­na­te spä­ter zum Meis­ter der Lan­des­li­ga Nord­west.

An diesem Samstag beschließt Karlburg die Saison beim TuS Röllbach. Für Sträßer ist es das letzte Spiel, ehe er ein Sabbatjahr einlegt. Vor seinem Abschied spricht der 46-Jährige mit unserem Medienhaus über das unverhoffte Meisterstück, die Trennung vom TSV - und ein Huhn auf dem Trainingsplatz.

Überraschung, Sensation, Wunder: Mit welchem Titel würden Sie die Karlburger Meisterschaft versehen?
Patrick Sträßer: Man kann alles dazu sagen. Dass wir das geschafft haben, ist überwältigend, weil es völlig überraschend war. Trotzdem war die Art und Weise sehr souverän. Wir sind nie eingebrochen.

Foto: Carmen Mölter

Bereits zum Auftakt hat Ihre Mannschaft 5:1 in Aufkirchen gewonnen.
Sträßer: Das war auf Anhieb ein entscheidender Sieg, weil Karlburg seit sehr viel Jahren nicht mehr das erste Spiel gewonnen hatte (zuletzt 2012 beim 3:2 gegen die FT Schweinfurt, d. Red.). Und zu diesem Zeitpunkt wussten wir ja auch noch nicht, dass Aufkirchen am Ende absteigt. Dieser Sieg war erst mal nur eine Bestätigung für die erfolgreiche Relegation.

Dann blieb der TSV allerdings in den ersten drei Heimspielen ohne Sieg. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Sträßer: Nein. Ich habe mit meinem Co-Trainer Daniel Diroll viel darüber nachgedacht, aber wir haben da keinen Ansatz gefunden. Wir haben nichts anders gemacht als auswärts.

Da ist es aber rund gelaufen. Ihre Mannschaft hat neun der ersten zehn Auswärtsspiele gewonnen.
Sträßer: Dadurch war die Punkteausbeute okay. Aber das Verhältnis war nicht toll. Auswärts sind ja nicht so viele Zuschauer dabei, da haben sie nur die Ergebnisse mitgekriegt, deswegen war das zu dieser Zeit nicht gerade angenehm. Diese tolle Auswärtsgeschichte hatte einen faden Beigeschmack.

Lesen Sie auch einen Kommentar von Burkard Nadler:
Ein Abstieg wäre keine Schande

Nach dem ersten Heimsieg gegen Schwebenried/Schwemmelsbach (2:1) gab es drei Niederlagen vor eigenem Publikum, darunter ein 1:4 gegen Haibach. Wurde in diesem Spiel deutlich, dass Karlburg noch keine Spitzenmannschaft ist?
Sträßer: Ja. An dem Tag war es ein großer Unterschied zwischen Haibach und uns. Sie haben uns nach den ersten 20 Minuten auf spielerische Art und Weise beherrscht. Nach dem Spiel musste ich schon erst mal schlucken, aber wir haben uns dann weiterentwickelt.

Im November, nach dem 1:0 im letzten Heimspiel gegen Geesdorf, haben Sie Ihren Abschied verkündet. Warum?
Sträßer: Weil die Verantwortlichen und ich unterschiedliche Auffassungen haben. Es ist nichts Gravierendes, aber ich will das nicht in der Öffentlichkeit präzisieren. Ich glaube, es ist auch okay, nach zwei Jahren als Meister aufzuhören. (Lacht.)

Jetzt können Sie es ja zugeben: Dachten Sie, Ihr Abschied könnte Einfluss auf die Leistung haben?
Sträßer: Nein. Warum sollte ein Spieler auch weniger machen, nur weil der Trainer am Saisonende geht? Jeder spielt ja auch für sich selbst. Außerdem hat die Mannschaft selbst den Erfolg gesehen.

Die Meisterschaft in Zahlen: 1,96

1,96 Punkte pro Spiel: Seit Einführung der fünfgleisigen Landesliga zur Saison 2012/13 hat eine solche Ausbeute noch nie genügt, um am Ende auf dem ersten Platz zu stehen. Den bislang niedrigsten Schnitt hatte die Spvgg Ansbach 2013/14 (2,02) – den besten übrigens Don Bosco Bamberg 2014/15 (2,58).

Und ist drangeblieben. Zum Jahresabschluss 2018 gab es ein 1:0 in Lengfeld.
Sträßer: Da hat die Mannschaft den unbedingten Siegeswillen gezeigt. Sie wollte auf Platz eins überwintern - das hat man in jeder Phase des Spiels gemerkt. Dabei hat damals keiner an die Meisterschaft gedacht.

Auch, weil Karlburg in den Vorjahren nach der Winterpause zuverlässig abgebaut hat?
Sträßer: Natürlich hatten wir das im Hinterkopf. Aber ich bin nicht müde geworden, darauf hinzuweisen, dass die Jungs zum Beispiele Läufe machen sollen, wenn sie nicht zum Training kommen können. Dann haben wir eine sehr, sehr gute Rückrunde gespielt.
 
Beginnend mit dem 4:3 in Höchberg, bei dem Ihre Mannschaft nach 85 Minuten noch 1:3 zurücklag. War das die Initialzündung für den späteren Titelgewinn?
Sträßer: Wir haben kein gutes Spiel gemacht, nach dem Anschlusstreffer aber wieder gemerkt: Ja, wir können es. Dann haben wir das Spiel noch gedreht. Wenn das Spiel schon nach 85 Minuten vorbei gewesen wäre, wäre heute Höchberg Tabellenführer.
 
Die Meisterschaft in Zahlen: 3645

Karlburg steht – zumindest vor dem letzten Spieltag – auch in der Zuschauertabelle auf Rang eins. 3645 Besucher kamen in dieser Saison ans Sportgelände in der Au. Das entspricht einem Schnitt von 243.

 

 
 
Wann haben Sie daran geglaubt, dass es klappen kann mit der Meisterschaft?
Sträßer: Am vergangenen Samstag. Nein, Spaß beiseite: Da kann ich keinen genauen Zeitpunkt benennen. Spätestens nach dem 1:1 in Haibach habe ich aber die Hoffnung gehabt, dass wir es schaffen. Wenn wir es da noch verspielt hätten, wäre die Enttäuschung jetzt schon sehr groß.
 
Es gab einige Knackpunkt-Spiele - in denen Ihre Mannschaft mit Ausnahme des 0:3 in Kahl immer bestanden hat.
Sträßer: Zum Beispiel beim 1:1 gegen Rimpar. Oder eben beim Spiel in Haibach. Und jetzt sind wir tatsächlich Meister. Von diesem Gefühl zehrt man lange. Man muss das auch genießen. Es ist eine vielleicht einmalige Sache, Landesligameister zu werden.

An welches Spiel erinnern Sie sich noch in 20 Jahren?
Sträßer: An das Spiel in Höchberg. Das war etwas Besonderes, das erlebe ich wahrscheinlich nie mehr: in dieser Kürze drei Tore zu machen. Natürlich bleibt aber auch das 3:0 gegen Euerbach/Kützberg in Erinnerung, da haben wir es ja perfekt gemacht.

 

Die Meisterschaft in Zahlen: 7

Die zuvor beste KarlburgerPlatzierung in der vor sieben Jahren eingeführten Landesliga Nordwest war Rang 7 - im Premierenjahr. Danach folgten Platz 14, 10, 11, 13 und 14.

 

Wie geht es jetzt für Sie weiter?
Sträßer: Ich pausiere. Es ist durchaus möglich, dass ich irgendwann wieder einsteige, aber erst mal freue ich mich drauf, mehr Zeit für meine Kinder zu haben. Außerdem bauen wir zu Hause den Garten um. Das ist viel Arbeit. Aber dann kann der Sommer kommen.

Zum Abschluss spielt Karlburg noch mal in Röllbach. Was ist da von Ihrer Mannschaft zu erwarten?
Sträßer: Wir fahren mit dem Bus nach Röllbach, dort werden dann alle Reservisten spielen. Da es auch für Röllbach um nichts mehr geht, kann man das guten Gewissens machen. Die Saison ist gedanklich abgehakt.

Zur Person: Patrick Sträßer
Der TSV Karlburg feiert die Meisterschaft in der Landesliga Nordwest; Saison 2018/2019; Meistertrainer Patrick Sträßer
Foto: Julien Christ (julienchrist.com)

Geburtstag/-ort:16. Februar 1973 in Rimpar
Wohnort:
Rimpar
Beruf:
Sozialversicherungsfachangestellter
Familienstand:
verheiratet, zwei Kinder
Hobbys:
Hunde, Ski-, Motorrad- und Bootfahren
Frühere Stationen als Spieler:
ASV Rimpar, FC Würzburger Kickers, SSV Kitzingen
Frühere Stationen als Trainer:
Sportfreunde Stettbach, SV Stadtschwarzach, TSV Grombühl,TSV Prosselsheim, TG Höchberg (Co-Trainer), Würzburger FV II, ASV Rimpar

Welchen Einfluss hatte das auf die Spielvorbereitung?
Sträßer: Nach Absprache mit Manuel Römlein (Kapitän der Mannschaft, d. Red.) haben wir nur einmal trainiert. Am Donnerstag. In Kostümen.

Wie bitte?
Sträßer: (Lacht.) Wir haben nur einen Abschlusskick gemacht. Und da sind die Jungs in Kostümen gekommen. Einer war Jesus, einer ein Huhn, einer Mexikaner.

Und das sagen die anderen:

»Das gibt einen Aufschwung für den ganzen Landkreis«:
Was der Karlburger Aufstieg für Nachbarklubs und einstige Rivalen bedeutet

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