Donnerstag, 17.01.2019

Im Fokus eines Fußball-Zweitligisten: Der Floh des TuS Leider

Porträt
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Unglaublich treffsicher: Leiders Daniel Meßner macht in der Bezirksliga häufig den Unterschied. Foto: Björn Friedrich
Foto: Björn Friedrich

Stolze 35 Tore hat Daniel Meßner hat für den TuS Leider in der Bezirksliga geschossen – nun hat ein Zweitligist angerufen.

Die Schu­he ha­ben lan­ge durch­ge­hal­ten. Da­ni­el Meß­ner hat sie mehr­mals mit Kle­be­band zu­sam­men­ge­hal­ten und sich erst Mit­te No­vem­ber, nach die­sem glück­lo­sen 0:1 in Markt­b­reit, von ih­nen ge­t­rennt. Zwei Jah­re lang trug er die Schu­he schon, doch in die­ser Sai­son lief es be­son­ders gut: 16 Spiele, nicht mal eines ohne Tor, im Schnitt zwei pro 90 Minuten. An jenem Sonntagnachmittag in Marktbreit fand seine Serie aber ein Ende. »Dann konnte ich die hässlichen orangenen Dinger endlich wegschmeißen«, sagt Meßner und lacht.

Jetzt, eine Woche nach dem Spiel in Marktbreit, trägt er schwarze Schuhe. Es ist ein kalter, windiger Tag, der Jahresabschluss des TuS Leider. Der TSV Retzbach ist zu Gast an der Darmstädter Straße. Tabellenzweiter gegen Tabellenvierter. Ein Verfolgerduell, das gute Unterhaltung verspricht und beste Unterhaltung bietet.

Nach den 90 Minuten schlurft Meßner, Rückennummer 14, mit hängenden Schultern vom Platz. Er hat an diesem Tag keine quietschbunten Schuhe gebraucht, um aufzufallen. Er hat auch so drei Tore geschossen, Leider ein irrwitziges Spiel aber 5:6 verloren. Minuten später steht Pressesprecher Manfred Schoch in einem grünen Container am Spielfeldrand neben dem Sportheim und zieht an einer Zigarre. »Messi«, sagt er dann und schüttelt den Kopf, »Messi ist Wahnsinn.«

Daniel Meßner wird hier von allen Messi genannt. Auch hier, an der Darmstädter Straße, rufen sie seinen Namen, wenn er ein Tor schießt. Sie verbeugen sich nicht, wie sie das in Barcelona, im Camp Nou, machen, wenn sie Lionel Messi, dem Floh, huldigen. In Leider rufen sie einfach: »Messi!« Ganz nüchtern. Es ist schließlich Alltag, dass Messi trifft.

Erste Chance, erstes Tor

Auch in den vergangenen Jahren hat Meßner zuverlässig Tore geschossen, schon in den beiden Vorsaisons jeweils über 30, doch in dieser Spielzeit läuft es besonders gut. Bereits zur Winterpause sind ihm 35 Treffer gelungen. »Dieses Jahr ist es mein Plus, dass ich immer mit der ersten Chance ein Tor gemacht habe«, sagt Meßner, »und dann läuft es einfach.«

Wie an diesem Tag gegen Retzbach. Die Gäste führen nach nicht mal fünf Minuten 2:0, zur Halbzeit steht es allerdings 2:2. Der Anschlusstreffer? Ein Schuss aus der Drehung. Torschütze? Messi. Der Ausgleich fällt durch einen Flachschuss aus schier unmöglichem Winkel. Erneut der Torschütze: Messi. Am Spielfeldrand stehen die Zuschauer und johlen.

Meßner selbst spricht ruhig und nüchtern, wenn er nach seinen Toren gefragt wird. »Das Spiel ist auf mich zugeschnitten«, sagt er, um seine sagenhafte Bilanz zu relativieren, »meine Tore sind also ein Verdienst der Mannschaft.« Weitaus forscher äußert sich Pressesprecher Schoch. Er glaubt: »Messi würde sich auch zwei, drei Klassen höher durchsetzen. Natürlich gibt es einen Unterschied zur Regionalliga - da hätte er aber auch andere Mitspieler.«

»Bist du bescheuert?«

Antritt, Schnelligkeit, Schusstechnik, Gespür für die Situation: All das an Meßner ist außergewöhnlich für einen Spieler in der Bezirksliga. Kein Angreifer versteht es wie er, das Spiel auf seinen Kern zu reduzieren: das Toreschießen. Warum also wagt er nicht mal einen Anlauf im höherklassigen Fußball? »Viele fragen mich, ob ich bescheuert bin«, verrät Meßner, »sie sagen: 'Du könntest da und da spielen und spielst in der Bezirksliga'.« Die Gemeinschaft, das Umfeld und Spielertrainer Steffen Bolze haben ihn immer wieder dazu bewogen, Leider, seinem Heimatverein, das Ja-Wort fürs nächste Jahr zu geben.

Auch in der Rückrunde wird Meßner für den TuS spielen. »Wenn kein großartiges Angebot mehr kommt«, schränkt er ein. Nach der Saison könnte er sich dann aber tatsächlich verabschieden. Meßner liegt ein konkretes Angebot aus der dritten Liga vor, im Frühjahr darf er gar bei einem Zweitligisten im Probetraining vorspielen. Erfüllt sich dann, mit 26, also doch noch der Traum vom professionellen Fußball? »Es wäre außergewöhnlich, wenn das klappen würde«, sagt Meßner. Für ihn ist klar: »Ich würde es auf jeden Fall probieren.«

Zur Person: Daniel Meßner

Geburtstag/-ort: 29. Oktober 1992 in Aschaffenburg

Wohnort: Leider

Beruf: Mitarbeiter im Außendienst

Familienstand: verheiratet

Größe: 1,76 Meter

Gewicht: 65 Kilogramm

Hobbys: Fußball, Krafttraining, Spinning

Lieblingsverein: FC Bayern München

Frühere Stationen: FC Viktoria Kahl, SV Viktoria Aschaffenburg (Junioren)

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