Günter Rohleder hat den Krebs überwunden und will anderen beim Citylauf ein gutes Vorbild sein

Erststarter ist als Mutmacher unterwegs

Citylauf
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Mehr zum Thema: Citylauf in Aschaffenburg
Günter Rohleder hält sich mit 74 Jahren eigentlich mehr mit Fahrradfahren und Wandern fit. Für den Citylauf hat er aber extra ein Lauftraining absolviert, um sich an die acht Kilometer zu gewöhnen.
Foto: Björn Friedrich
Das Le­ben sch­reibt schon ku­rio­se Ge­schich­ten. Da ist Gün­ter Roh­le­der »durch den Laufs­port ei­ni­ges her­um­ge­kom­men«, doch zum City­lauf in Aschaf­fen­burg hat es der Wahl-Nilk­hei­mer nie ge­schafft. Da­bei sei es »schon im­mer ein Traum« für ihn ge­we­sen, am Ren­nen mit­ten durch die Stadt teil­zu­neh­men. Doch es kam immer etwas dazwischen, berichtet der jüngst 74 Jahre alt gewordene Erststarter.

Meist war Günter Rohleder beruflich verhindert, nachdem er 1996 noch seinen Schleusenmeister gemacht und bis zum Betriebsstättenende in Großwallstadt im Dienst gewesen war (zuletzt als Betriebsstättenleiter). Seine berufliche Vita hat einige Kapitel, angefangen von der Maurerlehre, dem Aufstieg zum Polier, dem Wechsel zum Wasser- und Schifffahrtsamt, Umschulung zum Schiffseichmeister bis zur neuerlichen Umschulung zum Schleusenmeister nach Restrukturierung der einst 13 Eichämter in fünf Standorte. Die meisten Kapitel waren zu Ende, bevor der Citylauf Fahrt aufnahm.

2015 bereits gemeldet

Als Günter Rohleder dann 2013 in Rente ging, schien dem ersten Start in Aschaffenburg nichts mehr im Wege zu stehen. »2015 war ich gemeldet. Ich wollte an meinem Geburtstag mitlaufen und war bereits angemeldet.« Doch dann wurde bei ihm eine Krebserkrankung diagnostiziert. Der Traum war erst einmal geplatzt. Drei Zyklen Chemotherapie und Bestrahlung. »Ich konnte zeitweilig nicht mehr sprechen«, beschreibt Rohleder seinen fragilen Gesundheitszustand zu jener Zeit. Ein Jahr habe es gedauert. »Dann war ich wieder fit und konnte wieder anfangen, Sport zu treiben.«

Der Gedanke an den Citylauf half ihm, wieder gesund zu werden. »Ich schaffe das!«, wurde zu seinem Wahlspruch. Ein Zettel mit dem Spruch lag immer auf dem Tisch. Und nun will er mit seiner Teilnahme anderen Menschen sagen: Ihr schafft das! »Ich möchte anderen Menschen Mut machen, immer positiv zu denken oder zu handeln. Dann kann man viel erreichen«, sagt Rohleder. Selbst Sport sei mit mancher Krankheit noch möglich.

Zwar kommt sein Erststart beim Citylauf durch die Corona-Zwangspause später als erhofft. Aber Günter Rohleder hat die Zeit genutzt, um sich gut auf den Lauf vorzubereiten. In Nilkheim hat der Senior, der fast alles mit dem Rad erledigt, eine Strecke abgefahren und für sich als Trainingsroute vermessen. »Bis zum Bahnübergang der Hafenbahn sind es genau 2000 Meter.« Das war auch die Strecke, die er anfangs eher gegangen denn gelaufen ist. Dann wurde daraus eine 4-km-Strecke zum Schönbusch, auf der er sich genau merkte, an welcher Stelle er welche Entfernung gemeistert hat. Der nächste Schritt waren dann einige 6-km-Runden. Und die Citylauf-Route durch die Stadt hat er sich auch ganz genau angeschaut und einige Punkte ausgemacht, die ihm am Laufabend eine Hilfe sein können.

»Ich will auf jeden Fall unter einer Stunde laufen«, sagt Rohleder, weiß aber auch, dass es auf seine Tagesform ankommt. Schließlich leide er auch unter Asthma und COPD, einer Lungenerkrankung. Deshalb war seine Ehefrau Gisela anfangs auch skeptisch. »Aber mittlerweile hat sie gesehen, dass es bei mir sehr gut läuft.«

Wöchentlich beim Tennis

Dabei half wohl auch, dass Günter Rohleder immer noch einmal wöchentlich beim TC Schönbusch auf dem Tennisplatz steht. Und mit den Wanderfreunden Schönbusch manche Tour »mit einer angemessenen Schlussrast« unternimmt. Sein braun gebranntes Gesicht verrät ohnehin, dass der 74-Jährige viel an frischer Luft ist.

Günter Rohleder (links) Mitte der 1960er Jahre nach der olympischen Staffel bei der bayerischen Jugend-Meisterschaft im TVA-Trikot mit (von links): Gustav Hümpfner, Harald Vogel und Helmut Hock.
Foto: Rohleder

Dass er viele Freunde und Bekannte mit seiner Fitness überrascht, liegt aber wohl auch an ein paar älteren Kapiteln seiner Lebensgeschichte. Denn Günter Rohleder ist nicht erst im hohen Alter zum Laufen gekommen. Er hat vielmehr mehrere Jahrzehnte pausiert. Der Vater zweier Söhne kam als Schüler bei einem Abendsportfest in seiner Heimatgemeinde Trennfurt zur Leichtathletik. »Da habe ich gemerkt, dass ich laufen kann.« Rohleder gewann den Lauf über rund 1500 Meter auch dank einer verwegenen Taktik: Einfach los! »Das werde ich nie vergessen. Ich habe die Strecke am Bahndamm gekannt. An der Bahnunterführung wollte der Läufer Richter an mir vorbeiziehen, aber ich habe die Zähne zusammengebissen.«

Dann kam die Freundin ?

Später wechselte er vom TV Trennfurt zum TV Aschaffenburg, in dessen Trikot er auch einen Unterfranken-Titel über 1500 Meter als Jugendlicher Mitte der 1960er Jahre holte. Gut kann er sich auch noch an eine bayerische Meisterschaft erinnern, bei der er mit dem TVA-Team den vierten Platz in der Olympia-Staffel (100, 200, 400, 800 Meter) belegte. Nach Berlin ins Olympia-Stadion zu einem Vergleichswettkampf und selbst bis ins französische Toulouse brachte ihn seine damalige Laufleidenschaft. Mit 18 war dann allerdings Schluss. »Dann kam die Freundin« und andere Interessen, nennt Rohleder die Gründe. »Ich habe eigentlich mit dem Leichtathletik-Sport aufgehört.« Nur Fußball hat er noch bis 30 gespielt. Die Pause endete erst, als Günter Rohleder den Tennissport für sich entdeckte. Erst spielte er in Klingenberg, dann in Wörth und nun ist er freizeitmäßig beim TC Schönbusch auf dem Platz.

Sportabzeichen-Sammler

Auch ein wenig Leichtathletik mischte er wieder in seinen Alltag. Wenn er für das Sportabzeichen trainierte, das er mittlerweile mehr als 20-mal erhielt, dazu ein Dutzendmal das bayerische Sport-Leistungsabzeichen in Gold.

Günter Rohleder ist daher zuversichtlich, dass er die gut acht Kilometer beim Citylauf bewältigen kann. Weitere Ziele für das Laufen hat er sich erst einmal nicht gesetzt. Aber: »Ich hoffe, dass ich noch an mehreren Läufen teilnehmen kann.« Auch, um anderen ein positives Beispiel zu geben.

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