Freitag, 23.04.2021

Das Wasser war sein Element: Masters-Schwimmweltmeister Siegfried Vogel im Alter von 86 Jahren gestorben

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Siegfried Vogel als Zeitnehmer beim bisher letzten Gemündener Dreiflüsse-Triathlon 2018. Foto: ESV Gemünden
Foto: Herbert Lurz
Masters-Schwimmweltmeister Siegfried Vogel aus Lohrhaupten ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Er war für TuS Frammersbach und ESV Gemünden aktiv.

Die rot-weiße Stoff-Schwimmmütze war sein Markenzeichen: Wann immer Siegfried Vogel an einem Triathlon oder Laufwettkampf teilnahm, trug er diese ungewöhnliche Kopfbedeckung, weil er glaubte, sich so besser mit Wasser kühlen zu können. Am Freitag ist der ehemalige Masters-Schwimmweltmeister und vielseitige Sportler aus Flörsbachtal-Lohrhaupten im Alter von 86 Jahren in Würzburg gestorben.

Das Wasser war Vogels Element. Noch bis zum vorigen Jahr schwamm er mit seinem langen Kraularmzug einmal pro Woche seine Bahnen beim Training der Triathlon-Abteilung des ESV Gemünden, in die er 1986 eingetreten und deren ältestes Mitglied er war. Zuvor war er für die Ausdauersportler des TuS Frammersbach aktiv gewesen. Höhepunkt seiner Karriere als Masters-Schwimmer war der Gewinn der M 60-Weltmeisterschaft über 100 Meter Schmetterling 1996. Zahlreiche weitere nationale und internationale Medaillen folgten. Im Alter von 75 Jahren kraulte Vogel bei der WM der Senioren in Göteborg die 100 Meter noch in 1:22,8 Minuten, was ihm Rang drei einbrachte. Silber holte er an selber Stelle über 50 Meter Schmetterling in 42,14 Sekunden.

»Hilfsbereit und ehrlich«

»Siggi war ein sehr hilfsbereiter, einfacher und ehrlicher Mensch. Er war einfach ein netter Typ«, erinnert sich Herbert Lurz von der Triathlon-Abteilung des ESV Gemünden. Wie bescheiden er war, zeigt die Tatsache, dass er auf besondere Sportausrüstung keinen Wert legte. Vogel funktionierte nicht nur die Schwimmmütze zur Laufkappe um, sondern benutzte beim Radtraining eine Ketchup-Flasche als Radflasche, weil sie perfekt in die Halterung an seinem Rennrad passte. Die dreigeteilte Schinderei war aber nicht seine Hauptsportart, sondern diente im Sommer nur zur Ergänzung des Trainings.

Wie gut er im kühlen Nass war, zeigte er 1987 beim ersten Gemündener Dreiflüsse-Triathlon, bei dem er als über 50-Jähriger als Erster das Wasser verließ. In den 1980er Jahren nahm er auch immer am Frammersbacher Dreikampf um das Goldene Spessarter Ausdauerherz teil und war einer der stärksten Schwimmer.

Wer mit Vogel sprach, hörte sofort, dass nicht der Spessart seine ursprüngliche Heimat war, sondern Sachsen. Er stammte aus Werdau bei Zwickau und kam über Osnabrück, Düsseldorf und Frankfurt in die Region, weil nach einem Windbruch im August 1958 viele helfende Hände in den Wäldern der Umgebung gebraucht wurden. Der gelernte Tischlermeister kam schließlich nach Lohrhaupten, wo er eine Ausbildung zum Diplom-Forstwirt abschloss und im Wald arbeitete. Nebenher fungierte er immer wieder als Schwimmtrainer, so zum Beispiel beim TSV Lohr und ESV Gemünden.

Zweite Passion Skilanglauf

Im Wald war Vogel nicht nur beruflich aktiv, sondern mit seiner schon einige Jahre vor ihm verstorbenen Frau Anni im Winter auch sportlich. Denn das Skilanglaufen war neben dem Schwimmen seine zweite Passion. So nahm er an Langlaufwettbewerben national und international teil. Darunter war der Wasalauf, der seit 1922 zwischen den Orten Sälen und Mora in der schwedischen Landschaft Dalarna auf dem Vasaloppsleden über 90 Kilometer in klassischer Technik ausgetragen wird.

»Siggi war ein guter Sportskollege und sehr ehrgeizig«, berichtet der Frammersbacher Günter Desch, der in den 1970-er Jahren die Ausdauersportbewegung in Frammersbach begründet hatte. Gemeinsam waren sie viele Jahre lang im Winter bei Skilanglaufwettbewerben unterwegs, so jedes Jahr beim König-Ludwig-Lauf in Oberammergau über 90 Kilometer. »Siggi hatte die Loipe quasi vor der Haustüre. Er hat im Winter jeden Tag trainiert«, erzählt Desch. Sein letzter Winter war für Vogel ein guter. Oft stand er auf den schmalen Latten und lief durch den Spessart. Er hinterlässt vier Kinder.

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