Montag, 21.06.2021

Hier das Zuhause, dort die Heimat

Andreas Bachmann: Wenn der BR-Journalist vertrautes Aschaffenburger Babbeln hört, ist er ganz Ohr

Heimat aus der Ferne gesehen
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Der gebürtige Aschaffenburger Journalist Andreas Bachmann, beim BR u.a. "Report"-Moderator, in der Aschaffenburger Straße in München-Aubing. Bildunterschrift 2018-09-08 --> Eine Sackgasse ist die Aschaffenburger Straße in München-Aubing. Für den BR-Journalisten ging es nach dem Abschied vom Main steil nach oben. Foto: Andreas Bachmann Serie: Heimat aus der Ferne gesehen
Foto: Andreas Bachmann
Er ist oft in sei­ner Hei­mat­stadt Aschaf­fen­burg zu Gast - aber nur auf dem Bild­schirm. Als Mo­de­ra­tor von »Re­port Mün­chen« und »Kon­tro­vers« ist BR-Jour­na­list And­reas Bach­mann ein be­kann­ter Mann. In­ner­lich hat der 44-Jäh­ri­ge wei­ter en­ge Ban­de mit Aschaf­fen­burg, wo er früh­er auch po­li­tisch ak­tiv war.

Sie haben jeweils etwa die Hälfte Ihres Lebens in Aschaffenburg und München verbracht. Sind beide Städte Heimat für Sie?

Mein Zuhause ist München. Aber wenn ich Kollegen oder Freunde mit Aschaffenburger Wurzeln hier treffe, die Richtung Main aufbrechen, sage ich immer: »Grüß mir die Heimat«. Deswegen ist Heimat wohl tatsächlich Aschaffenburg.

Sie haben jetzt viel Erfahrung: Bringen Sie Unterschiede in der Wesensart zwischen Münchnern und Aschaffenburgern auf den Punkt.

Diese offene Art, dieses Zufriedene, In-sich-Ruhende merkt man in Aschaffenburg stärker als hier. Auch dieses Babbeln, wie einem der Schnabel gewachsen ist, gehört zu Aschaffenburg. Wenn ich hier über den Marienplatz laufe, fahren bei mir sofort die Antennen aus, wenn ich Aschaffenburger Dialekt höre. Ich hatte neulich eine lustige Begegnung an der Minigolfanlage mitten im Ort Tegernsee: Da gibt mir einer im breitesten Aschaffenburger Dialekt die Schläger aus. Dabei lebt der Mann seit den 60er-Jahren in Rottach-Egern. Und mit seiner Nichte war ich vor ewigen Zeiten sogar befreundet. Man trifft Aschaffenburger eigentlich überall. Das fällt mir noch mehr auf, seit ich weg bin.

Sie waren auch nach dem Abitur in Aschaffenburg mit politischen Ämtern sehr präsent. Wie kam es, dass Sie 1997 dies aufgegeben haben und nach München zogen?

Das ging schrittweise. Erst habe ich in Mainz studiert. Das war so ein Zwischending: Man ist weg, aber noch in Reichweite. Ich habe damals als freier Mitarbeiter für die »Frankfurter Rundschau« in Hanau gearbeitet und weiter Tennistraining in Aschaffenburg gegeben. Nach zwei Jahren war aber klar: Ich möchte mich noch mal verändern. Da traf dann Zufall auf Vorbereitung. Ich wollte Journalist werden und bekam die Möglichkeit, beim BR zu arbeiten. Ich hatte aber nie das Ziel, nach München zu ziehen. Ich bin schon ein Kind des Rhein-Main-Gebiets, finde Frankfurt auch völlig unterschätzt.

Was mögen Sie an Ihrer neuen Heimat - dass man am Sonntag an den Tegernsee fahren kann?

Es ist schon toll, dort zu leben, wo andere Urlaub machen. Das Schöne an München ist für mich vor allem diese Kombination aus Großstadt und Dorf. Man hat die Angebote und Möglichkeiten einer Metropole, aber nicht das Gefühl in der drittgrößten Stadt Deutschlands zu wohnen. Leider wird dieser Charakter Münchens durch das enorme Wachstum der vergangenen Jahre immer stärker bedroht.

Was ist schlechter an Ihrem Münchner Zuhause?

Die Mietpreise - und die längere Anfahrt ins Frankfurter Waldstadion zur Eintracht.

Was vermissen Sie an der Isar?

Den Ebbelwoi! Apfelwein-Kneipen gibt es in München gar nicht, und im Supermarkt ist er schwer zu finden. Ich vermisse natürlich auch die Nähe zu meinen Eltern, zu meiner Familie. Auch für meine Kinder ist es nicht so wie früher bei mir: Da hat die Oma einfach im Haus gewohnt. Das gilt auch für die Familie meiner Frau, die aus dem Strietwald kommt.

Wie oft kommen Sie noch nach Aschaffenburg?

Zwei-, dreimal im Jahr. Es ist halt einfacher, dass unsere Eltern hierher kommen. Mein 13-jähriger Sohn ist aber ein großer Aschaffenburg-Fan. Er war in den letzten Sommerferien wieder eine Woche dort.

Claus Morhart
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