Dienstag, 25.01.2022

Wenn im Alter die Pfunde purzeln

Gesundheit: Bei starkem Gewichtsverlust früh zum Arzt

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Vor einiger Zeit noch 65, heute nur noch 55 Kilogramm: Verlieren ältere Menschen binnen eines halben Jahres mehr als zehn Prozent an Gewicht, wird es kritisch.
Foto: Kai Remmers (dpa)
Ein paar Ki­los we­ni­ger auf die Waa­ge zu brin­gen scha­det bei vie­len Men­schen nicht. Doch im Al­ter ist das an­ders. Bei Senioren kann ein Gewichtsverlust unangenehme Folgen haben, »weil sie dabei neben Leistungsfähigkeit auch Muskulatur verlieren«, sagt Rainer Wirth, Direktor der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation am Marien Hospital in Herne.

Eine mögliche Folge ist ein höheres Risiko von Stürzen, die langwierige Krankenhausaufenthalte nach sich ziehen können. Viele Senioren wollen auch gar nicht abnehmen. Die Kilos purzeln ungewollt.
Wann ist das bedenklich? »Kritisch wird es, wenn ein älterer Mensch über zehn Prozent seines Körpergewichts innerhalb eines halben Jahres verliert«, erklärt Matthias Banasch, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Florence-Nightingale-Krankenhaus in Düsseldorf.

Vielfältige Ursachen

Idealerweise suchen ältere Menschen schon bei ersten Anzeichen von ungewolltem Gewichtsverlust einen Arzt auf. Je früher gegengesteuert wird, desto besser. »Die Ursachen können vielfältig sein, nicht selten kommen mehrere Faktoren zueinander«, erläutert Wirth, der im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie ist.

»Ein ungewollter Gewichtsverlust kann, muss aber nicht, mit einer Tumorerkrankung einhergehen«, so Banasch. Auch ein unerkannter Diabetes oder eine Funktionsstörung der Schilddrüse sind mögliche Ursachen. Neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder eine Demenz können ebenfalls zu ungewolltem Gewichtsverlust führen. Gleiches gilt für schlecht sitzende Zahnprothesen oder Schluckstörungen.

Bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung Appetitlosigkeit haben, sagt Wirth. Auch Patienten mit einer depressiven Stimmung verspüren mitunter wenig Appetit und essen nicht die gewohnte Menge.

In Gesellschaft essen

»Oft lässt sich die Ursache für den ungewollten Gewichtsverlust schon bei einem Gespräch mit dem Betroffenen eingrenzen«, sagt Banasch. Ein Beispiel: Ein Mann isst seit dem Tod der Frau nicht mehr regelmäßig. Zur Trauer über den Verlust kommt, dass die Frau Jahrzehnte lang für das Kochen im Haushalt zuständig war. In solch einem Fall könne im Arztgespräch bereits der Tipp helfen, sich Mahlzeiten per »Essen auf Rädern« nach Hause liefern zu lassen, sagt der Mediziner.

Ein weiterer Aspekt: »Viele Menschen sind im Alter einsam und kommen nicht damit klar, alleine essen zu müssen«, erklärt Wirth. Sie sollten daher so oft wie möglich in Gesellschaft speisen und dazu zum Beispiel Angehörige, Freunde oder Nachbarn einladen. Verursachen bestimmte Medikamente Appetitlosigkeit, kann ein Arzt etwa ein gleichwertiges Präparat verordnen, das nicht diese Nebenwirkung hat, oder gegebenenfalls die Dosis des Medikaments reduzieren.

Genügend Eiweiß

Oft führt auch ein veränderter Geschmackssinn bei älteren Menschen dazu, dass sie Essen als fade empfinden. Weil man dieses Empfinden kaum wiederherstellen kann, gilt hier: im Zweifel stärker würzen. Große Portionen schaffen viele Menschen im Alter nicht mehr. Indem sie mehr kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilen, stellen sie dennoch die notwendige Kalorienzufuhr sicher.

Wichtig ist, genügend Eiweiß zu sich zu nehmen, betont Rainer Wirth. Dies beugt altersbedingtem Muskelschwund vor. Eiweißhaltig sind Fisch, Fleisch, Eier, Käse und Milch, genauso Erbsen und Linsen. Für den Muskelerhalt braucht der Körper auch Mineralstoffe und Vitamine. Deshalb sollte man regelmäßig frisches Obst und Gemüse, Nüsse, Vollkornprodukte und gesunde Öle wie Oliven- oder Rapsöl verzehren.

Damit der Spaß am Essen nicht verloren geht und weil das Auge bekanntlich mitisst, sollte das Gericht appetitlich auf dem Teller angerichtet sein. Wer unter Schluckstörungen leidet, für den bietet es sich oft an, Mahlzeiten in pürierter Form einzunehmen. »Schön dekoriert kann auch ein Brei dazu anregen, mit Appetit zuzulangen«, sagt Matthias Banasch.

Wenn das normale Essen nicht reicht oder funktioniert, kann hochkalorische Zusatznahrung eine Lösung sein. »Diese kohlenhydrat- und eiweißreichen Kalorienbomben gibt es als Trinkpäckchen in vielen Geschmacksrichtungen«, erläutert Banasch. »Damit lässt sich auch eine Hauptmahlzeit im Bedarfsfall ersetzen.«

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