Donnerstag, 06.05.2021

Ohne gute Planung geht es nicht

Barrierefreiheit: Mobil sein mit Behinderung kann zur Herausforderung werden

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HANDOUT - Zum Themendienst-Bericht von Anna Seifert vom 8. Oktober 2019: Barrierefrei durch Magdeburg: Rollstuhlfahrer müssen bei Sightseeing-Touren wissen, wo sie gut vorankommen und wo es Hürden gibt. Foto: Andreas Lander/Magdeburg Marketing/AG Leichter Reisen/dpa-tmn - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung des vorstehenden Credits - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
Foto: Andreas Lander
Mal sind es drei Stu­fen im Ho­tel­gang, mal sind es schal­len­de Durch­sa­gen auf Bahn­hö­fen - auf Rei­sen zu sein, ist für Men­schen mit Be­hin­de­rung nicht im­mer leicht. Denn all­zu oft sind An­ge­bo­te nicht bar­rie­re­f­rei.

Adina Hermann, Bloggerin und Rollstuhlfahrerin aus Berlin, erwartet allerdings auch nicht, dass alles »perfekt barrierefrei« ist. Wichtig sind ihr beim Reisen vor allem zuverlässige Informationen: In welchen Hotels gibt es barrierefreie Zimmer? Wie kommt man mit einem Rollstuhl von A nach B? Ohne gute Planung geht es deshalb oft nicht - und die beginnt schon bei der Wahl des Verkehrsmittels. Je nachdem, ob man das Flugzeug oder die Bahn nutzt, stellen sich andere Fragen.

Infos im Internet

Beispiel Flugzeug: Bei vielen Airlines können sich Reisende vorab über die Transportmöglichkeiten informieren. Die Lufthansa zum Beispiel bietet Unterstützung für Fluggäste mit eingeschränkter Sinneswahrnehmung und für Reisende mit Rollstuhl an. Fluggäste mit Hörschädigung können separate Einweisungen bei Verspätungen sowie eine persönliche Sicherheitseinweisung erhalten. Ähnliche Services werden auch für Fluggäste mit Sehbehinderung bereitgestellt.

Solche Beispiele zeigen: »Das Thema bekommt immer mehr Aufmerksamkeit«, sagt Hermann. »Aber es gibt noch Luft nach oben.« So können etwa in bestimmten Flugzeugtypen nur bis zu neun Rollstühle und ein Elektrorollstuhl mitgenommen werden. Auch Bordtoiletten seien nicht immer barrierefrei.

Auch das Unterhaltungsprogramm an Bord ist nicht immer auf Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen abgestimmt. So werden zum Beispiel nicht auf allen Flügen Filme mit Untertiteln angeboten.

Rüdiger Leidner vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband ergänzt, dass Bordunterhaltungssysteme häufig keine fühlbaren Tasten oder eine Sprachausgabe hätten. Die Bedienung für blinde und sehbehinderte Menschen werde so erschwert.

Hotline bei der Bahn

Auch bei der Bahn gibt es für Menschen mit Behinderung Hürden, etwa am Bahnsteig. Nach der derzeit geltenden Regelung müssen alle Bahnsteige bundesweit 76 Zentimeter hoch sein. Diese Höhe passt aber nicht zu allen Zugtypen und erschwert häufig den Einstieg. Der Bundesrat hat deshalb einen Gesetzentwurf eingebracht, wonach die einheitliche Einstiegshöhe aufgelockert werden soll. Nach dem Gesetzesvorschlag wäre dann auch eine Einstiegshöhe von 55 Zentimetern zulässig.

Grundsätzlich können Menschen mit Behinderung ihre Fahrt bei der Deutschen Bahn per Telefon oder E-Mail anmelden. Hier erfahren sie, ob der gewünschte Zug beispielsweise einen freien Rollstuhl-Platz hat und ob die gewünschten Bahnhöfe Hilfe beim Umsteigen anbieten können. Orientierung bietet auch eine Liste, die Bahnhöfe mit Servicepersonal aufzählt.

Gerade an kleinen, ländlichen Bahnhöfen werde häufig kaum Servicepersonal eingesetzt. »Menschen, die einen Rollstuhl benutzen, werden hierdurch eingeschränkt«, sagt Hermann.

Für Hörgeschädigte können wiederum Durchsagen in Bahnhöfen zum Problem werden: »Architektonisch bedingt hallt es sehr, manchmal stehe ich verständnislos da, weil ich etwa nicht mitbekomme, dass ein Zug an einem anderen Gleis abfährt«, sagt Norbert Böttges vom Deutschen Schwerhörigenbund.

Verlässliche Infos

Hilfe bietet das Portal Reisen für Alle. Auf der Seite, die vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird, kann jeder Reisende nach barrierefreien Angeboten in Deutschland suchen. Mit Hilfe von Filtern ist es möglich, gezielt nach genau den Orten, Sehenswürdigkeiten oder Unterkünften zu suchen, die den eigenen Bedürfnissen entsprechen.

»Wir liefern verlässliche Informationen«, so Projektleiter Rolf Schrader. Denn Angebote, die in die Datenbank aufgenommen wurden, wurden anhand festgelegter Qualitätskriterien bewertet. Diese orientieren sich an den Bedürfnissen, die Reisende im Rollstuhl, mit einer Hörschädigung oder einer Sehbehinderung haben.

Und die können unterschiedlich sein: Rauchmelder geben meist nur einen akustischen, nicht auch einen optisch wahrnehmbaren Alarm ab«, so Norbert Böttges. »Für hörgeschädigte und gehörlose Menschen ist das gefährlich.« Viele Destinationen in Deutschland sind selbst inzwischen aktiv geworden. »In der Region oder in der Stadt sollten möglichst viele Angebote aus Kultur und Sport oder in der Gastronomie erlebbar sein«, erklärt Tino Richter, Sprecher der AG »Leichter Reisen« und Geschäftsführer des Tourismusverbandes Sächsische Schweiz. Genau dafür will sich die AG einsetzen.

»Reisen für alle«

Die Arbeitsgruppe ist ein Verbund von zehn Urlaubsregionen und Städten, die Reiseangebote für Menschen mit Behinderungen, Senioren und Familien entwickeln. Mehrere Regionen gehören aktuell zur Gruppe - darunter die Eifel, Ostfriesland und das Fränkische Seenland, die Städte Erfurt, Magdeburg und Rostock.

Dortmund und Vreden sind gerade als »Tourismusort für Alle« zertifiziert worden. Für die Auszeichnung nach dem Kennzeichnungssystems »Reisen für Alle« haben beide Orte Angebote mit zertifizierten Anbietern aus unterschiedlichen Bereichen entwickelt. So erhält der Gast bei Bedarf passende Infos zu allen Abschnitten einer Reise, von Anreise über Unterkunft bis hin zu Führungen und Sehenswürdigkeiten.

Dennoch ist aus Sicht von Richter durchaus Luft nach oben: »In einigen Fällen kommen die Reisenden komfortabel bis in die jeweilige Region, wenn sich keine barrierefreien Unterkünfte finden, nützt das dem Reisenden vor Ort wenig«, erläutert er. »Die Situation beim Thema Barrierefreiheit im Tourismus in Deutschland ist sehr durchwachsen«.

Hintergrund

Barrierefrei durch Magdeburg: Rollstuhlfahrer müssen bei Sightseeing-Touren wissen, wo sie gut vorankommen und wo es Hürden gibt.

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