Donnerstag, 27.01.2022

Arbeiten oder Abschalten?

Rente: Anzeichen für richtigen Ausstieg aus der Berufswelt

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Manchmal ist es gar nicht so einfach, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um in Rente zu gehen.
Foto: Joseffson
Wäh­rend man­che die Ta­ge bis zur Ren­te zäh­len, kön­nen an­de­re sich sch­licht nicht vor­s­tel­len, was nach dem Be­rufs­le­ben kom­men soll. So oder so: Die Zeit nach dem Job will gut ge­plant sein. Ex­per­tin­nen ge­ben Tipps, woran man merkt, dass es Zeit ist zu ge­hen und was man für das Le­ben oh­ne Ar­beit be­den­ken soll­te.

Den einen richtigen Zeitpunkt für die Rente gibt es nicht. »Während manch einer mit 60 Jahren noch fit und produktiv ist, sind andere mit Mitte 50 schon nicht mehr so leistungsfähig«, sagt Laura Romeu Gordo, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Stellvertreterin der Forschungsleitung am Deutschen Zentrum für Altersfragen. Viele orientierten sich an der Regelaltersgrenze, die zwischen 65 und 67 Jahren liege. Ein weiterer wichtiger Faktor für die Entscheidung, wann man in Rente geht, ist natürlich Geld: Denn die meisten müssen sehr genau kalkulieren, ob sie die finanziellen Einbußen, die in der Regel mit dem Renteneintritt einhergehen, schon früher hinnehmen können und wollen - oder eben nicht.

Schleichender Übergang

Wer das Glück hat, unabhängig von Geld und Gesundheit entscheiden zu können, für den gibt es andere Hinweise, die zeigen, dass es vielleicht Zeit für die Rente ist. Psychologin und Coach Kristine Qualen beobachtet bei ihren Klienten dann zum Beispiel einen ökonomischeren Umgang mit den eigenen Kraftreserven.

Auch, wenn der nächste Karriereschritt nicht mehr interessant erscheine oder man dafür alles in Kauf nehmen möchte, könne das ein Anzeichen dafür sein, dass man in eine neue Lebensphase kommt, weiß Qualen.

Nicht immer muss es gleich der komplette Abschied aus dem Job sein - oft reichen Veränderungen der Arbeitszeit. Voraussetzung dafür ist, dass der Arbeitgeber einverstanden ist. Grundsätzlich empfiehlt die Beraterin, keinen harten Cut zwischen Job und Rente zu machen.

Ein schleichender Übergang sei in der Regel auch gesünder und zufriedenstellender. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Man kann die Arbeitszeit verringern, als Mentor für Nachwuchskräfte arbeiten, ein Ehrenamt antreten. So lasse sich aufrechterhalten, was einem ohne den Job fehlen würde: »Anerkennung, Erfolgserlebnisse, Feedback zu dem, was man gut kann«, sagt Qualen.

Honey-Moon-Effekt

Wenn es soweit ist, warten neue Herausforderungen. »Man muss das Leben ohne Arbeit komplett neu gestalten«, betont auch Romeu Gordo. Direkt nach dem Renteneintritt gebe es häufig einen »Honey-Moon-Effekt«: Damit ist ein kurzzeitiges Hoch aus Freude über die neuen Freiheiten gemeint. Doch später sehe die Realität für manche weniger rosig aus: »Routinen, soziale Kontakte und Aufgaben fallen weg - das kann sich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken.«

Psychologin Kristine Qualen rät, sich bereits vor der Rente zu überlegen, wie man die neuen Freiräume nutzen möchte: »Brauche ich erst einmal Ruhe und Rückzug? Oder möchte ich meine sozialen Kontakte pflegen und viel unterwegs sein?« Bei solchen Überlegungen sollte man auch immer die Partnerin oder den Partner einbeziehen.

Hintergrund

Erfolgreich im Beruf - dann ist es gar nicht so einfach, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um in Rente zu gehen. Foto:

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