Einen alten Baum pflanzt man nicht um - oder doch?

Ortswechsel: Mehrere Monate Vorlauf einplanen - Umzug außerhalb der Vegetationsperiode - Bodenbeschaffenheit, Hauptwindrichtung und Sonneneinstrahlung beachten

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Der neue Standort des Baumes sollte dem alten möglichst ähnlich sein.
Foto: Mohssen Assanimoghaddam
Ei­nen al­ten Baum kann man nicht verpflan­zen? Doch! Tech­nisch ist das durch­aus mög­lich. Die Fra­ge ist aber, ob es auch gut ist, ihm die­se Stra­pa­zen zu­zu­mu­ten.

Ein Umzug ist für jeden Baum ein Risiko. Jüngere Exemplare verkraften den Stress noch gut, für große und alte Bäume kann das aber ihr Todesurteil sein. Umso wichtiger ist es, die Aktion gründlich vorzubereiten.

»Ein Baum passt sich immer an die Bedingungen seines jahrelangen Standorts an. Er weiß genau, woher der Wind weht, wo er Wasser findet und wo andere Bäume stehen«, sagt Christian Hönig, Referent für Baumschutz beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). »Er tauscht Informationen mit seiner Umgebung aus.«

Je älter der Baum ist, desto besser hat er sich auf sein Umfeld eingestellt. Und umso schwerer fällt ihm ein Umzug an einen neuen Standort, ob im eigenen Garten oder gar ganz woanders hin. Christoph Dirksen vom Bund Deutscher Baumschulen sagt: »Bei Bäumen, die über 15 Jahre alt sind, wird es schwierig und sehr aufwendig, aber es ist durchaus möglich.«

Vorlaufzeit

Einfach den Baum auszugraben und woanders neu einzusetzen - das geht mit großer Sicherheit schief. Man sollte deshalb mehr als nur ein paar Monate Vorlauf einplanen. »Große Bäume brauchen eine zwei- bis dreijährige Vorbereitungszeit«, sagt Michael Henze vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau in Bad Honnef. Diese Vorbereitung beginnt mit einem Wurzel- und Kronenschnitt. Bei älteren Bäumen ist es ratsam, diese über mehrere Vegetationsperioden zu wiederholen. Bei jüngeren reicht es, wenn man diese Arbeiten in der Vegetationsperiode vor dem geplanten Umzug macht.

Um den Wurzelballen in einen guten Zustand für das Anwachsen am neuen Standort zu bringen, hebt man um ihn herum einen Graben aus und sticht dabei überflüssige Wurzeln ab. Der Außenrand des Grabens wird der späteren Ballenaußenseite entsprechen, erklärt Henze.

Wurzelmasse

Der Graben reicht in der Tiefe bis unter den Hauptwurzelbereich und hat eine Breite von mindestens 20 Zentimetern. Der Umriss sollte nicht zu eng gewählt werden, denn es sollte möglichst viel Wurzelmasse erhalten bleiben. Henze rät, dass der Durchmesser des Wurzelballens mindestens den zwölffachen Durchmesser des Stammes umfassen sollte. Beim Ausstechen des Grabens werden zwangsläufig lange feine Wurzeln gekappt, die sich weit in die Erde hineinziehen und den Baum mit Nährstoffen versorgen. Deshalb ist es wichtig, anschließend den Graben rund um den Wurzelballen mit einem speziellen Substrat mit Stoffen aufzufüllen, die das Durchwurzeln fördern. Und man muss den Ballen regelmäßig gut wässern. Der Graben und das Kappen haben ein Ziel: In der Folgezeit nach der Maßnahme wird der Baum neue Feinwurzeln am Wurzelballen bilden. Diese braucht er später auch dringend, um am neuen Standort anzuwachsen. Michael Henzes Tipp: »Man sollte möglichst viel Erde dran lassen, damit sich viele kleine Wurzeln bilden können.«

Zugleich wird die Krone um bis zu 50 Prozent verkleinert - am besten, wenn kein Laub am Baum ist.

Umzug ohne Laub

Auch der Umzug des Gehölzes muss außerhalb der Vegetationsperiode vonstattengehen und keinesfalls dann, wenn der Baum noch Laub oder Früchte trägt. Die richtige Zeit ist November bis spätestens Ende April. Wichtig ist, dass kein Frost herrscht.

»So ein großer Baum ist sehr schwer und oft nicht ohne maschinelle Hilfe umzusetzen«, sagt Christian Hönig vom BUND. Das kann ein Kran oder eine Rundspatenmaschine sein.

Der neue Standort sollte dem alten möglichst ähnlich sein, was Bodenbeschaffenheit, Hauptwindrichtung und Sonneneinstrahlung betrifft.

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