Donnerstag, 26.11.2020
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Nicht so verbissen: Das hilft gegen Zähneknirschen

Bruxismus: In manchen Fällen kann es zu Problemen führen - Bei der Behandlung arbeiten Experten aus Zahnmedizin, Physiotherapie und Psychologie zusammen

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ILLUSTRATION - Zum Themendienst-Bericht von Sophia Reddig vom 19. August 2020: Schmerzen im Kiefer können eine Folge von Bruxismus sein. Foto: Christin Klose/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
Foto: dpa-tmn, Christin Klose
Zäh­ne zu­sam­men­bei­ßen und durch! In be­stimm­ten Le­ben­s­?la­gen ist das ein gu­ter Rat­schlag. Auf Dau­er kann die­se Art der Stress­be­wäl­ti­gung je­doch zum Pro­b­lem wer­den und zu Kopf­sch­mer­zen, Kie­fer­ver­span­nun­gen und ka­put­ten Zäh­nen füh­ren.

»Deshalb ist es wichtig, Bruxismus so früh wie möglich zu erkennen«, sagt die Zahnmedizinerin Ingrid Peroz. Sie ist Oberärztin in der Abteilung für Zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre an der Charité Berlin und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT).

Bruxismus umfasst sowohl das Zähneknirschen und Aufeinanderpressen von Zähnen als auch Formen der Kieferanspannung ohne Zahnkontakt. Bruxismus kann im Schlaf auftreten und im Wachzustand. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung sind betroffen.

Auch wenn Ursachen noch nicht eindeutig zu bestimmen sind, sind Faktoren bekannt, die Bruxismus begünstigen: Dazu zählen Stress, Schlafstörungen, genetische Einflüsse, Medikamente sowie bestimmte stimulierende Substanzen wie Nikotin, Alkohol und andere Drogen. In Verbindung mit Schlafapnoe, also Atemaussetzern im Schlaf, und damit zusammenhängendem Sodbrennen tritt das Phänomen ebenfalls auf.

»In der Physiotherapie gibt es noch die Theorie, dass eine Fehlstellung des Beckens Verspannungen bis in den Kopfbereich auslösen kann«, sagt der Physiotherapeut Hans-Otto Rühl aus dem Vorstand des Landesverbandes Hessen des VDB-Physiotherapieverbandes.

Der Diplom-Psychologe Thomas Welker sagt: »Bestimmte Entspannungsverfahren können dabei helfen, Anspannungen zu lösen und besser mit Stress umzugehen.« So gibt es Kurse für Autogenes Training nach Schultz und Progressive Relaxation nach Jacobsen, welche auch als Progressive Muskelentspannung bekannt ist. »In diesen Kursen werden auch spezielle Übungen angeboten, um den Bruxismus zu lindern«, sagt Welker, der im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) die Fachgruppe Entspannungsverfahren leitet.

Wer im wachen Zustand mit den Zähnen knirscht, kann sich mit Hilfe farbiger Punkte stetig daran erinnern, den Kiefer zu entspannen. Man klebt sie an Gegenstände in der eigenen Umgebung. Und immer, wenn man einen solchen Punkt sieht, kontrolliert man seine Zahnstellung, erläutert die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK).

Für die Entspannung der Kiefermuskulatur empfiehlt Physiotherapeut Rühl, einen Tennisball zur Hilfe zu nehmen. »Der wird etwa eine Minute fest auf den Musculus masseter gepresst, also den Bereich an der Wange vor dem Ohr, der weh tut«, erklärt er. »Das darf auch schmerzen. Meist ist der Muskel danach wieder entspannt oder man wiederholt das Verfahren an ein bis zwei anderen schmerzenden Punkten.«

Bei Bruxismus im Schlaf ist eine Schiene empfehlenswert. Sie soll vor allem die Zähne schützen. Sie kann aber auch helfen, weniger zu knirschen, wenn noch kein Gewöhnungs?effekt eingesetzt hat. Ingrid Peroz empfiehlt daher, die Schiene nicht jede Nacht zu tragen.

Hintergrund

Schmerzen im Kiefer können eine Folge von Bruxismus sein.

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