Eine für alle oder für alle eine individuelle?

Qual der Wahl: So finden Sie die richtige Matratze - Austausch nach etwa zehn Jahren - Auf das Innenleben kommt es an - Zeit für Beratung und Probeliegen nehmen

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Beträgt der Gewichtsunterschied eines Paares mehr als 15 Kilogramm, benötigt es unterschiedliche Matratzen, empfehlen Experten. Foto: Inter IKEA Systems B.V./IKEA Deutschland GmbH & Co. KG/obs
Foto: Inter IKEA Systems B.V.
Wer nicht gut schläft, ist schlapp und sch­lecht ge­la­unt. Oder fühlt sich auf Dau­er gar krank. Ei­ne pas­sen­de Ma­t­rat­ze ist es­sen­zi­ell für gu­ten Schlaf. Doch wor­auf soll­te man da­bei be­son­ders ach­ten?

Wer Glück hat, kann an einem Wochenende zwölf Stunden im Bett liegen. Acht Stunden Schlaf pro Tag ist für viele erstrebenswert, fünf Stunden das dauerhaft ertragbare Minimum. Egal wie: Der Mensch verbringt ganz schön viel Zeit auf der Matratze. Nach zehn Jahren sollte man sie in jedem Fall austauschen, rät Ulrich Leifeld, Geschäftsführer des Fachverbands Matratzen-Industrie in Essen.

Das gilt auch, wenn das Produkt äußerlich noch in Ordnung ist. Denn Matratzen nehmen im Laufe der Zeit viel Feuchtigkeit auf. »In einer einzigen Nacht schwitzt der Schläfer bis zu einem halben Liter Feuchtigkeit aus, die nicht nur in den Bett?bezug, sondern auch in die Matratze einsickert«, so Leifeld.

Häufig haben sich bis dahin schon Kuhlen gebildet. Schmerzt der Rücken oder treten Schlafstörungen auf, kann das ebenfalls ein Indiz dafür sein, dass die Matratze nicht mehr passt. Und dann?

Worauf beim Kauf achten?

Matratzen sehen weitgehend gleich aus, aber ihr Innenleben ist unterschiedlich. Welches Modell infrage kommt, ist abhängig von Körpergröße, -bau und -gewicht. »Sie muss fest genug sein, um den Körper zu stützen. Aber sie darf auch nicht zu hart sein«, erklärt Leifeld. »Und sie muss wärmen, ohne starkes Schwitzen zu verursachen.«

Welche Infos geben?

Hilfreich seien Informationen über Schlafgewohnheiten, sagt Leifeld. Schläft man auf der Seite oder auf dem Rücken? Mag man es warm oder eher kühl? Bleibt selbst im Winter das Schlafzimmerfenster offen? Oder ist der Raum, in dem das Bett steht, besonders klein? Dann besteht nämlich erhöhte Schimmelgefahr.

Welche Arten gibt es?

Federkernmatratzen bestehen aus einem System von Stahlfedern, die sich einzeln und unabhängig voneinander bewegen. Legt sich ein Mensch darauf, verteilen sie den Druck. Die Federn tragen außerdem zu einer guten Belüftung der Matratze bei, so dass sie sich auch für stark schwitzende Menschen oder kleine Räume eignen. Schaummatratzen bestehen aus synthetischem Polyurethanschaum. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Standardschaum und Kaltschaum. Letzterer ist elastischer. Beim Kauf sollte man auf das Raumgewicht (RG) achten. Es sagt aus, wie viel Kilogramm Rohstoff in einem Kubikmeter Schaumstoff verarbeitet wurden und ist entscheidend für die Stützkraft und Haltbarkeit. Latexmatratzen bestehen aus Kautschukschaum und eignen sich besonders für schwerere Menschen. Sie geben nur an den Stellen nach, an denen sie belastet werden und kehren bei Entlastung sofort wieder in die Ausgangslage zurück.

Hart oder weich?

Sind harte Matratzen rückenfreundlicher als weiche? »Das ist ein Mythos«, sagt Tanja Cordes von der Aktion Gesunder Rücken. Was dem jeweiligen Rücken gut tut, sei individuell verschieden. Allgemein gilt, dass die Matratze weicher sein sollte, wenn die Person leicht ist, und härter für schwere Körper.

Probeliegen

Um die Unterschiede zwischen verschiedenen Matratzen zu erspüren, ist Probeliegen unerlässlich. Eine Matratze, die auf den Schlafenden abgestimmt ist, verteilt das gesamte Körpergewicht gleichmäßig und verhindert so die Entstehung von Druckstellen. »Beim Probeliegen ist es deshalb ratsam, bewusst auch auf den Druck zu achten, der an den Stellen zu spüren ist, an denen der Körper auf der Matratze aufliegt«, rät Leifeld. Wichtig ist auch, dass die Unterfederung zur Matratze passt. »Gute Verkäufer sehen genau, ob man rückenfreundlich liegt und die Wirbelsäule von der Matratze optimal gestützt wird«, sagt Cordes. Sie empfiehlt außerdem: »Man sollte sich Zeit nehmen und möglichst ausgeruht ins Fachgeschäft gehen. Abends, nach einem langen Arbeitstag, erscheinen die meisten Betten bequem.«

Wie ist die Lage bei Paaren?

»Ab etwa 15 Kilogramm Gewichtsunterschied brauchen Partner auf jeden Fall verschiedene Matratzen«, erklärt Leifeld. Denn eine zierliche Frau hat ganz andere Liegeeigenschaften als ein Mann mit einer Körpergröße von 1,80 Metern und entsprechendem Gewicht. »Manche Hersteller bieten an, zwei Einzelmatratzen mit einem Reißverschluss zu verbinden oder sie mit einem durchgehenden Bezug zu umhüllen.«

Gibt es die eine Matratze?

Der Online-Handel nimmt derzeit dem klassischen stationären Handel vermehrt Kunden ab. Die oftmals jungen Start-ups werben mit Produkten, die allen Figurtypen passen sollen. Es gibt aber kritische Stimmen dazu: »Auch wenn sie vor allem im Online-Handel angepriesen wird, die ›One-fits-all‹ passt nicht jedem», sagt Leifeld vom Fachverband Matratzen-Industrie, der die klassischen Hersteller vertritt. »Wie bei Schuhen und Bekleidung gibt es kein Universalprodukt, das für jeden geeignet ist. Dazu ist der Körperbau der Menschen einfach zu unterschiedlich.«

Die Stiftung Warentest, die häufig Matratzen unter die Lupe nimmt und dabei auch kritisch vom klassischen Fachhandel betrachtet wird, hat bisher eine Matratze eines Online-Anbieters ausgemacht, die für viele Schläfer geeignet ist. »Aber die meisten erfüllen den Anspruch, eine für alle zu sein, eher nicht«, resümiert Stephan Scherfenberg von der Stiftung Warentest in Berlin.

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