Sonntag, 17.10.2021

Zwischen den Zeilen

Jobsuche: Was man aus Stellenanzeigen wirklich lernt

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Nützliche Indizien: Wer in Stellenanzeigen zwischen den Zeilen liest, kann mehr über den potenziellen neuen Arbeitgeber lernen. Foto: Christin Klose (dpa)
Foto: dpa-tmn, Christin Klose
Die ei­nen prei­sen den Tisch­ki­cker an, die an­de­ren wer­ben mit fla­chen Hier­ar­chi­en: Wer auf Stel­len­su­che ist, durch­flöht meist Hun­der­te von Stel­len­an­zei­gen. Nach ei­ner Wei­le klin­gen al­le ähn­lich. Kön­nen Be­wer­be­rin­nen und Be­wer­ber an­hand der Jo­b­aus­sch­rei­bung über­haupt schon et­was über ei­nen po­ten­zi­el­len Ar­beit­ge­ber her­aus­fin­den?

Und: Steckt da vielleicht sogar mehr zwischen den Zeilen als man auf den ersten Blick meinen könnte?

Stellenanzeigen hätten sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt, sagt Wolfram C. Tröger. Es gehe nicht mehr nur rein darum, Aufgaben und Erwartungen darzustellen. Er hält sie daher nach wie vor für ein probates Mittel für Unternehmen, um auf eine Vakanz neugierig und aufmerksam zu machen.

Allerdings käme es hier auf das für die Anzeige genutzte Medium an. In einem Online-Portal sind die Angebote mobil optimiert, einige Bullet-Points zählen die Kernpunkte auf. »Hier zwischen den Zeilen zu lesen, ist schwierig«, so der Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater.

Tatsächlich sei es bei gut gemachten Stellenanzeigen so, dass Punkte mit größerer Priorität weiter oben oder vorne stehen, sagt Tröger. Ähnlich wie bei Zeugnissen. Bewerberinnen und Bewerber müssen unterscheiden, was ein Muss und was wünschenswert ist.

Keine Musterkandidaten

»Personalverantwortliche finden es gut, wenn im Bewerbungsgespräch transparent damit umgegangen wird, was die Kandidatinnen und Kandidaten schon können und mitbringen und an welchen Punkten sie gewillt sind, sich weiterzubilden«, sagt Inga Dransfeld-Haase. Viele Unternehmen wüssten mittlerweile, dass es die Musterkandidatinnen und -kandidaten nicht gibt. Die Präsidentin des Bundesverbands der Personalmanager (BPM) rät, für sich selbst festzulegen, was einem wichtig ist und den Text danach zu durchsuchen.

Steht in der Anzeige »wir«? Oder werden Attribute wie durchsetzungsstark betont, die sehr männlich wirken? Wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hervorgehoben? »Das spricht zumindest dafür, dass sich das Unternehmen entsprechend kümmert«, sagt Dransfeld-Haase. Wenn Sie zwischen den Zeilen lesen wollen, ist das Dransfeld-Haase zufolge so ähnlich wie bei einem Hotel-Prospekt. »Wir sind ein dynamisches Unternehmen« kann beispiels?weise heißen, dass man schnell gewachsen ist, die Strukturen aber hinterherhinken. Ein »gut eingespieltes Team« kann bedeuten, dass es für Neulinge schwer werden könnte, weil alle schon lange zusammenarbeiten und sich kennen. Wenn es heißt, man suche eine strukturierte Persönlichkeit, kann das ausdrücken, in der Abteilung sind viele kreative Köpfe und man will die Seiten mehr ausbalancieren. Das würde für die Qualität der Suche sprechen, findet Dransfeld-Haase.

Es lohnt sich, genau auf die Formulierungen zu achten: Widersprechen sich etwa die Eigenschaften, die Bewerberinnen und Bewerber mitbringen sollen? »Dann kann man davon ausgehen, dass die Firma sich nicht viele Gedanken gemacht hat«, sagt Tröger.

Mit Homepage abgleichen

Punkte, die man aus der Stellenanzeige ableitet oder herauszulesen glaubt, sollte man laut Tröger immer noch einmal mit der Homepage oder Bewertungsportalen abgleichen. Dransfeld-Haase empfiehlt: »Gehen Sie Ihr eigenes Netzwerk durch und schauen, ob Sie jemanden kennen, der dort arbeitet, um die Kultur des Unternehmens zu recherchieren.«

Im Internet lassen sich zudem oft weitere Infos abseits der Firmenwebsite finden, zum Beispiel Pressemitteilungen oder Presseberichte. Daraus kann man häufig weitere relevante Fakten ableiten: Hat sich die Firma vielleicht vor einiger Zeit aus der Insolvenz befreit? Und wie werden Firmenjubiläen gefeiert?

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