Freitag, 14.05.2021

Die Manager des Lkw

Berufsbild: Ohne Berufskraftfahrer läuft nichts

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Björn Schmidt ist Berufskraftfahrer. Seine Ausbildung hat er bei Kühne + Nagel am Standort Mainz absolviert.
Foto: Silas Stein, dpa
Den gro­ßen Lkw auf den Stra­ßen hat Björn Sch­midt schon als klei­ner Jun­ge ger­ne hin­ter­her ge­schaut. Heu­te sind die Last- und Sat­tel­zü­ge Teil sei­nes Jobs. Der 21-Jäh­ri­ge ist Be­rufs­kraft­fah­rer beim Lo­gis­tik­un­ter­neh­men Küh­ne und Na­gel. Am Stand­ort Mainz hat er sei­ne Aus­bil­dung ab­sol­viert.

Tagtäglich belädt, lenkt und entlädt er Lkw aller Größen und Längen. Bevor er losfährt, checkt er das Fahrzeug auf Mängel. Ist alles einwandfrei, nimmt er das Transportgut entgegen, kontrolliert die Fracht- und eventuell die Zollpapiere. Ist alles in Ordnung, geht es los. »Toll ist, dass kein Tag wie der andere ist«, sagt Schmidt.

Der Mix aus Freiheit, Selbstständigkeit und der Kontakt mit vielen verschiedenen Personen - das reize die Menschen am Beruf, erklärt Frauke Heistermann, Vorstandsmitglied in der Bundesvereinigung Logistik (BVL). Sie ist Sprecherin der Initiative »Die Wirtschaftsmacher«, mit der die Logistikbranche um Nachwuchs wirbt.

Flexibel und belastbar

Berufskraftfahrer sind entweder im Güterverkehr mit dem Lkw oder im Personenverkehr mit dem Bus unterwegs. Sie verbringen den größten Teil des Arbeitstags hinter dem Steuer. Vor Fahrtbeginn planen sie die jeweilige Tour und loten aus, wie sie am schnellsten ans Ziel kommen. »Alles in allem ist man quasi der Manager des Lkw«, sagt Azubi Björn Schmidt.

Bewerber um einen Ausbildungsplatz müssen flexibel und belastbar sein. Hohes Verantwortungsbewusstsein ist ein Muss. Das benötigen die Fahrer, wenn es darum geht, Gefahrgut zu transportieren oder Personen sicher von A nach B zu bringen. »Außerdem sollten die Fahrer sportlich sein«, ergänzt Frauke Heistermann. Gerade im Nahverkehr gehöre Bewegung dazu.

»Die Technikaffinität der Fahrer wird immer wichtiger«, ergänzt Heistermann mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung der Logistikbranche. Die Fahrer müssen den zunehmend mit intelligenten IT-Systemen ausgestatten Lkw bedienen können.

Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) weist auf die digitale Fahrtenschreiber hin, mit denen etwa Ruhe- und Lenkzeiten dokumentiert werden. Die müssen Fahrer ebenso bedienen können wie Geräte im Lkw, mit denen sie etwa die Maut entrichten, sogenannte On Board Units.

Unerlässlich ist die Bereitschaft, auch nachts oder am Wochenende sowie an Feiertagen zu arbeiten - also dann, wenn andere frei haben.

Tagelang unterwegs

Wer die Welt kennenlernen will, ist als Berufskraftfahrer im Fernverkehr gut aufgehoben. Allerdings ist man dann oft mehrere Tage an einem Stück unterwegs und kommt in der Zeit nicht nach Hause. Diejenigen, die abends regelmäßig heimkehren möchten, können auch im Nahverkehr tätig sein.

Es gibt laut Heistermann auch zunehmend Arbeitgeber, die das anbieten. Schmidt hat diese Option bei Kühne und Nagel. Seine längste Tour bislang 420 Kilometer an einem Tag.

Die Ausbildung zum Berufskraftfahrer dauert drei Jahre. In dieser Zeit lernen die Auszubildenden die Technik von Lkw und Bussen kennen. Sie erfahren, was bei Sicherheitskontrollen vor Fahrtantritt wichtig ist und wie sie einfache Reparaturen am Fahrzeug selbst durchführen. In der Berufsschule steht etwa Englisch auf dem Stundenplan - denn die Fahrt führt oft auch ins Ausland.

Führerschein inklusive

»Die größte Herausforderung in der Ausbildung für mich war, den Lkw-Führerschein zu bestehen«, erzählt Schmidt. Dabei geht es nicht zuletzt darum, einen 16,50 Meter langen Lastwagen zu lenken und ihn zu rangieren - »das ist alles andere als einfach.« Übrigens: »Bei der Berufskraftfahrer-Ausbildung bekommen Azubis nicht nur den Lkw-, sondern auch den Pkw-Führerschein vom Ausbildungsbetrieb bezahlt«, sagt Engelhardt.

Vergütung

Die Höhe der Ausbildungsvergütung ist unterschiedlich. Engelhardt zufolge gibt es fast 20 verschiedene Tarifgebiete mit unterschiedlichen Tarifverträgen, in vielen Unternehmen gibt es auch gar keinen Tarif. Die Bundesagentur für Arbeit gibt zur Orientierung einen Bruttoverdienst an, der im ersten Lehrjahr zwischen 480 und 935 Euro, im zweiten zwischen 570 und 985 Euro und im dritten zwischen 640 und 1025 Euro brutto monatlich liegt.

Nach der Ausbildung arbeiten Berufskraftfahrer entweder bei Logistikunternehmen oder Speditionen beziehungsweise bei kommunalen Verkehrsbetrieben oder Reisebus-Unternehmen. Wer weiterkommen will, hat die Möglichkeit, zum Beispiel Meister für Kraftverkehr zu werden.

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