Montag, 13.07.2020
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Wohnstätte guter Feen

Weißdorn: Er sorgt für ein Blütenmeer - Anspruchslos, pflegeleicht und insektenfreundlich - Arzneipflanze des Jahres

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Der Weißdorn gilt als ein christliches Zeichen der Hoffnung. Foto: Tim Brakemeier (dpa)
Foto: Tim Brakemeier
In ein Blü­ten­meer ver­wan­delt der Weißd­orn ab April We­ges- und Stra­ßen­rän­der. Er ge­hört da­mit ne­ben Wei­den­kätz­chen, Tul­pen und Os­ter­g­lo­cken zu den sc­höns­ten Früh­lings­bo­ten. Nicht von un­ge­fähr sagt der Volks­mund: »Wenn der Weißd­orn blüht im Hag, so wird es Früh­ling auf ei­nen Schlag.«

Doch Weißdorn ist nicht gleich Weißdorn. »Weltweit umfasst die Gattung Crataegus rund 200 Arten, dazu kommen viele Unterarten und Sorten«, sagt Hans-Joachim Albrecht, Gartenbau-Ingenieur und Buchautor. Hierzulande am weitesten verbreitet sind wohl der Zweigrifflige Weißdorn (Crataegus laevigata) und der Eingrifflige Weißdorn (Crataegus monogyna).

Griffel im Stempel

Optisch unterscheiden sich die beiden kaum voneinander - abgesehen von der Anzahl der Griffel im Stempel und der Form der Blätter. »Das Laub des Zweigriffligen Weißdorns ist oft nur gekerbt, beim Eingriffligen Weißdorn hingegen tief eingeschnitten«, erklärt Albrecht.

So vielfältig die Anzahl der Sorten, so zahlreich sind auch die Bezeichnungen, unter denen der Weißdorn hierzulande noch bekannt ist: Mancherorts kennt man ihn auch als Hagedorn, Hagapfel, Mehlbeere oder Christdorn. »Die zahlreichen Namen der Pflanzen zeugen von der hohen Wertschätzung, die der Strauch schon seit Tausenden von Jahren bei den Menschen hat«, erklärt Johannes Mayer vom Institut für Geschichte der Medizin der Uni Würzburg. So gilt der Strauch nicht nur als Wohnstätte guter Feen, sondern auch als ein christliches Zeichen der Hoffnung. Einer Legende nach soll die Dornenkrone Jesu aus Weißdorn bestanden haben.

In diesem Jahr wird dem Weißdorn eine weitere Ehre zuteil: Das Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg hat ihn zur Arzneipflanze des Jahres 2019 ernannt. »Der Weißdorn ist wohl die wichtigste Heilpflanze für das Herz«, erklärt Mayer. »Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben in den letzten Jahrzehnten belegt, dass sich Weißdornextrakt aus Blättern und Blüten positiv auf die Pumpkraft des Herzens auswirkt, vor Herzrhythmusstörungen schützt und die Gefäße elastisch hält.«

In Vergessenheit geraten

In manchen Ländern wird Weißdorn daher auch aus pharmazeutischen Gründen massenhaft angebaut. Hierzulande ist er bei Gartenfreunden ein wenig in Vergessenheit geraten.

»Lange Jahre wollte kaum einer Weißdorn im Garten haben«, sagt Oliver Fink, Vorsitzender des Verbands der Garten-Baumschulen. Schuld daran waren aber nicht allein die spitzen Dornen des Strauchs: »Gerade in den 1970er- und 80er-Jahren war er als Straßenbegleitgrün verpönt.«

Inzwischen ist der Strauch jedoch wieder mehr in den Fokus gerückt - der Natur zuliebe. »Die heimischen Weißdorn-Arten haben eine hohe ökologische Bedeutung«, sagt Mayer.

So werden die Blüten von verschiedenen Insekten bestäubt, die Blätter dienen Schmetterlingsraupen als Nahrung. »Allein mehr als 100 Schmetterlingsarten gibt der Weißdorn Nahrungsquelle und Lebensraum. Darunter sind viele Arten, die auf der Roten Liste stehen wie der Birkenzipfelfalter, der Segelfalter und das Trauer-Grün-Widderchen.«

Aber auch kleine Säugetiere und Vögel profitieren vom Hagapfel. »Als Hecke gepflanzt, bildet Weißdorn einen optimalen Nistplatz für Dorngrasmücke, Gelbspötter, Hänfling, Girlitz, Neuntöter, Raubwürger und Drossel, weil er durch sein dorniges Geäst das Nest vor Feinden schützt«, erläutert Mayer.

Von den roten Früchten wiederum profitieren im Herbst nicht nur die Tiere. »In Notzeiten hat man sie zu Mus oder Marmelade verarbeitet«, sagt Albrecht.

»Sehr hart im Nehmen«

Hobbygärtnern macht es der Weißdorn denkbar einfach: Man muss sich keine großen Gedanken um einen passenden Standort machen, solange er sonnig bis halbschattig ist.

»Weißdorn bevorzugt zwar eher einen kalkhaltigen Boden, ist aber sehr hart im Nehmen und kommt auch auf sandigen, steinigen oder lehmigen Böden zurecht«, sagt Oliver Fink. Allein torfige und wasserhaltige Standorte bereiten ihm Probleme. »Staunässe verträgt er in der Regel nicht - so wie die meisten Gehölze.«

Grundsätzlich kann Weißdorn im Topf das ganze Jahr über gesetzt werden. Fink empfiehlt jedoch die klassischen Pflanzzeiten für Gehölze im Winter beziehungsweise von Ende September bis Anfang Mai. »In den Sommermonaten ist es viel zu heiß, das stresst die Pflanze nur.«

Für eine Hecke empfiehlt er, Weißdorn mit anderen blühenden Gehölzen wie Sommerflieder, Wildrose und Felsenbirne zu kombinieren. Aber auch als alleinstehender Baum könne er sich zu einem Hingucker entwickeln. »Für die Terrasse gibt es inzwischen kompakte Züchtungen und Hochstämmchen, die im Kübel gedeihen.«

Langes Leben

Hat er sich an seinem Standort etabliert, gilt Weißdorn ansonsten als recht pflegeleicht. »Er freut sich ab und an über eine Handvoll Dünger, muss aber nicht übermäßig gegossen werden, da er Hitze und Trockenheit sehr gut verträgt«, sagt Fink.

Je nach Sorte und Standort kann Weißdorn mehrere Hundert Jahre alt und bis zu zehn Meter hoch werden. Damit das Gehölz nicht aus der Form gerät, empfiehlt Albrecht, es in den Wintermonaten bis spätestens Ende Februar zu schneiden. Auch starke Verjüngungsschnitte vertrage das Rosengewächs: »Weißdorn ist robust und besitzt ein sehr gutes Regenerationsvermögen.«

Ganz vor Schädlingen und Krankheiten gefeit ist er aber nicht. Neben Gespinstmotten können bei ungünstigen Witterungen im Spätsommer Rostpilze, Blattfleckenkrankheiten und Echter Mehltau Probleme bereiten. »Wegen der Anfälligkeit für Feuerbrand sollte man ihn nicht in der Nähe von Kernobst pflanzen«, empfiehlt Albrecht.

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