Freitag, 24.09.2021

»Es macht einfach nur Spaß«

Besuch im Büro des kommissarischen Marktleiters Patrick Grän

Wertheimer Michaelismesse
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4 Min.

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In Patrick Gräns Büro hängt ein genauer Plan vom Messegelände. Foto: Peter Riffenach
Foto: Peter Riffenach
Meh­re­re be­schrie­be­ne Sei­ten hän­gen auf dem Flip­chart im Büro von Pa­trick Grän. Die Merk­zet­tel sind ei­ne Auf­lis­tung, was bis zum Be­ginn der größ­ten Wert­hei­mer Ver­an­stal­tung noch zu er­le­di­gen ist.

Nachdem er im vergangenen Jahr als »Mitläufer« das Geschäft des Marktmeisters von seinem Vorgänger Manuel Münkel kennen gelernt hat, ist er in diesem Jahr alleine verantwortlich für die Organisation des Volksfestes. »Kurz vor der Messe steigt die Anspannung«, gesteht der 40-jährige »kommissarische Marktmeister«, wie er betont.

Vor allem der Wetterbericht wird jeden Tag kritisch beobachtet. »Wenn der angekündigte Altweibersommer bis 6. Oktober anhält, kann danach kommen, was will«, sagt der gebürtige Mondfelder, der schon immer in der Wertheimer Ortschaft gewohnt hat, mit einem breiten Grinsen. Sein Vorgänger, den Grän als »strukturierten Arbeiter« charakterisiert, habe ihn sehr gut eingearbeitet und ihm sehr gute Unterlagen hinterlassen, lobt der neue Marktmeister und verweist beispielhaft auf eine mehrseitige Checkliste, die man einfach abhaken muss, wenn man sicher sein will, nichts vergessen zu haben.

Vergabe der Standplätze

Eine der Hauptaufgaben in diesen Tagen kurz vor Beginn der Messe ist die Vergabe der Standplätze. Es sieht aus wie ein Puzzle, wenn Grän die Marktstände auf einer Karte hin und her schiebt. Der Plan zeigt das Messegelände, die Magnetplättchen in verschiedenen Farben symbolisieren die unterschiedlichen Standgrößen. Zwei Wochen vor dem großen Umzug geht Grän unterstützt von einem Mitarbeiter des städtischen Bauhofes mit einer Farbspraydosen über das Festgelände, um die Stellplätze der Verkaufswagen und -stände auszumessen und zu markieren.

»Als Marktmeister arbeitet man ständig im Fokus der Öffentlichkeit und muss sich der Diskussion stellen«, sagt Grän, der sich selbst als »untypischen Verwaltungsmitarbeiter« bezeichnet. Diese Einschätzung kommt unter anderem sicher daher, dass er zunächst Koch gelernt und auch einige Jahre in seinem Beruf gearbeitet hat. »Danach war ich 13 Jahre als Zusteller und Teamleiter bei der Post, bevor ich gesundheitsbedingt umschulen musste.«

In der Stadtverwaltung erhielt er die Möglichkeit für einen beruflichen Neuanfang: »Ich habe hier die Möglichkeit erhalten, gleich in doppelter Hinsicht mein Hobby zum Beruf zu machen.« Da ist zum einen seine Begeisterung für die freiwillige Feuerwehr, die er als Helfer des Atemschutzgerätewarts einbringen kann. Und zum anderen brennt er dafür, andere zu unterhalten. Im Privatleben lebt er das als Vorstand und Sitzungspräsident der Faschingsgesellschaft Mondfeld aus. Beruflich ist er als Marktmeister für die Michaelismesse und das Altstadtfest verantwortlich.

»In dieser Funktion kann man kreativ sein und sich einbringen. Es macht einfach nur Spaß«, sagt der zweifache Vater Grän, der sich auch gerne der Diskussion mit den Bürgern und Festbesuchern stellt. Dass es dieses Jahr kein Weinzelt gibt, sei schon ein Schlag ins Kontor gewesen. Aber letztlich sei die Entscheidung nicht von ihm getroffen worden sondern vom zuständigen Gremium, verweist er bei Rückfragen und Kritik auf den Messeausschuss. Alle Beteiligten arbeiteten daran, in den kommenden Jahren wieder ein ähnliches Angebot auf die Beine zu stellen, ist er überzeugt. In dem Ausschuss werde auch über die Verlängerung des Vertrages mit der Distelhäuser Brauerei und dem Festwirt Hans-Peter Küffner verhandelt, der in diesem Jahr ausläuft. »In welche Richtung die Verhandlungen laufen, kann ich nicht sagen«, so Grän, der allerdings überzeugt ist: »Die Messe wird weitergehen, schließlich können wir in zwei Jahren mit der 200. Michaelismesse ein Jubiläum feiern.«

Die Zahl der Stände auf der Messe sei seit dem Wegfall des »oberen Bereichs«, in dem in den letzten Jahren das Festzelt stand, konstant geblieben. Schon seinem Vorgänger sei es wichtig gewesen, bei den Markthändlern eher auf Klasse als auf Masse zu setzen. »Was bringt es uns, wenn wir fünf Schmuckstände auf dem Markt haben«, fragt Grän zurecht. Liebend gerne hätte er einen Bereich, auf dem beispielsweise nur Handwerker ausstellen. »Aber leider gibt es hier derzeit keine Anbieter, die sich auf die Messe stellen wollen«, bedauert er. Überhaupt beobachten die Verantwortlichen in den letzten Jahren einen steten Wandel sowohl auf der Seite der Händler als auch bei den Besuchern.

Neue Marktstände

Für die klassischen Marktkaufleute werde es immer schwerer, Nachfolger zu finden. »Handyschalen- und Schmuckverkäufer bewerben sich im Dutzend«, zeigt der Marktmeister auf einenPacken mit Absagen, die er geschrieben hat, aber ihm sei Abwechslung und Qualität ohne allzu viele Doppelungen wichtiger. Als Kind habe er dem Messebesuch entgegen gefiebert und als Jugendlicher gab es für ihn in der Messezeit nichts Wichtigeres als über den Vergnügungspark zu laufen. »Damals war die Messe das Fest der Feste, das ist heute leider nicht mehr so«, bedauert er, dass es für Anbieter immer schwieriger wird, die Jugend zu begeistern.

Es gebe in diesem Jahr einige Neuerungen bei den Marktständen, erklärt Grän, der Anfang des Jahres damit anfängt, die Verträge mit den Händlern zu verhandeln.

Geisterbahn & mehr

Er habe einen Stand mit Naturprodukten aus Zirbenholz und Kirschkernkissen gewinnen können. Mit 13 Meter Länge und sieben Meter Breite gehört »Ihre Marktboutique« zu den wirklich großen Ständen. »Da gibt es Schmuck, Tücher, Schals und Sonnenbrillen sowie Accessoires«, erklärt der Marktmeister. Zudem habe sich ein Händler mit Lebensmitteln aus Ungarn beworben.

Richtig gut werde auch der Vergnügungspark, der in diesem Jahr wieder von Timo Zöllner organisiert wird. »Unter anderem bekommen wir dieses Mal eine Geisterbahn, eine Riesenschaukel und einen Time Simulator«, sagt Grän, denn: »Nach der Messe ist vor der Messe.« Die Arbeit beginnt immer Anfang des Jahres mit der Abrechnung der Messe des letzten Jahres, die er noch zusammen mit seinem Vorgänger gemacht hat.

Außerdem laufen die ersten Vorbereitungen für den Umzug zur Eröffnung der Messe an. Die Kapellen würden angeschrieben und die Ortschaften und Vereine gebeten, sich Gedanken über eine Teilnahme zu machen, berichtet der Marktmeister. »Der Messeumzug mit seinen normalerweise 40 Zugnummern ist das Aushängeschild der Messe«, sagt Grän.

Seine Wünsche: »Ich wünsche mir, dass das Gesamtpaket ähnlich stimmig und gut wird, wie bei meinem Vorgänger, und dass die Besucher Spaß haben und miteinander feiern«, erklärt der Marktmeister. Vor allem wünsche er sich, dass es eine friedliche Messe werde, wie das diesjährige Altstadtfest.

Hintergrund

» Die Messe wird weitergehen, schließlich können wir in zwei Jahren mit der 200. Michaelismesse ein Jubiläum feiern.«

Hintergrund

» In dieser Funktion kann man kreativ sein und sich einbringen. Es macht einfach nur Spaß.«

Patrick Grän

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